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Wohnmilieufragebogen

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007517
 

WMF - Wohnmilieufragebogen (PSYNDEX Tests Review)

 

Housing Milieu Questionnaire/journal
Synonym(e): Milieufragebogen; Wohn-Milieu-Fragebogen

 Linden, M., Baudisch, F., Popien, C. & Golombek, J.
 (2006). Das ökologisch-therapeutische Milieu in der stationären Behandlung. Der Wohnmilieufragebogen. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 56, 390-396.

Online im Internet: https://www.testarchiv.eu/

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im "Elektronischen Testarchiv" des ZPID enthalten und steht unter der "Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 Unported (CC BY-NC-ND 4.0)"-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/); es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden. ; URL: https://www.testarchiv.eu/ ; Stand: 1.5.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Michael Linden, Leiter der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Rehabilitationszentrum Seehof der Deutschen Rentenversicherung, Lichterfelder Allee 55, D-14513 Teltow ; E-Mail: michael.linden@charite.de ; URL: http://fpr.charite.de/kontakt/ ; Stand: 12.7.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Wohnmilieufragebogen ist ein Fragebogen zur Beurteilung des ökologischen Milieus im Sinne der ICF-Dimensionen e150 und e155. Der Fragebogen wurde so konzipiert, dass die Beurteilungen sowohl auf die eigene Wohnung als auch auf Klinikumwelten anwendbar sind. Außerdem kann er zur Qualitätssicherung und Verbesserung therapeutischer Milieus genutzt werden.


Aufbau:
Der Fragebogen beinhaltet 17 Items, die sich auf sechs Subdimensionen verteilen: (1) Zustand und Komfort, (2) Lebensbedingungen, (3) Lage, (4) Privatheit, (5) Aneignung sowie (6) Konfliktpotenzial/Zusammenleben. Als Skalierung der Items wurde eine fünfstufige Likert-Skala mit den Antwortmöglichkeiten (1) "stimmt nicht" bis (5) "stimmt genau" gewählt.


Grundlagen und Konstruktion:
Der Fragebogen wurde auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie entwickelt. Die Items wurden sowohl Behandlern als auch stationären Patienten vorgelegt, um ihre Verständlichkeit und Brauchbarkeit zu überprüfen.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Retestreliabilität (Spearmans Rho; ca. eine Woche Zeitabstand zwischen den Messungen: rtt = .90 für Wohnmilieu und rtt = .85 für Klinikmilieu) sowie die interne Konsistenz wurden überprüft. Cronbachs Alpha lag bei Alpha = .82 (Wohnmilieu) bzw. Alpha = .83 (Klinikmilieu).
Validität: Die Faktorenstruktur wurde überprüft und ergab eine Fünffaktorenlösung. Zudem wurden signifikante Unterschiede zwischen dem häuslichen Wohnmilieu und dem Klinikmilieu gefunden. Die Probanden geben an, dass in der Klinik mehr Platz und Ruhe sowie weniger Lärm und Konflikt herrscht, während in häuslicher Umgebung Sauberkeit, die Verfügbarkeit von Hilfsmittels und die Möglichkeit, eigenen Interessen nachzugehen, höher eingeschätzt werden.
Normen: Eine Normierung fand nicht statt. Es liegen jedoch Mittelwerte und Standardabweichungen getrennt für das Wohn- und Klinikmilieu vor (siehe unter "Normierung").

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Lebensumwelt, d. h. die baulichen und ökologischen Bedingungen unter denen Menschen leben, haben einen unmittelbaren Einfluss auf ihr Befinden und Wohlergehen (Linden, 2017). Es gilt der Satz, dass man mit einer Wohnung einen Menschen ebenso umbringen kann wie mit einer Axt. Ebenso gilt in Kliniken, dass die bauliche Struktur und Ausstattung wesentlich zur Gesundung wie auch zu Problemen für die Patienten beitragen können. Schließlich gilt für öffentliche Gebäude, dass ein barrierefreier Zugang bestehen und Menschen sich darin nicht verloren fühlen dürfen. Die bauliche Umgebung ist daher ein wesentlicher Kontextfaktor gemäß e150 (Entwurf, Konstruktion sowie Bauprodukte und Technologien von öffentlichen Gebäuden) und e155 (Entwurf, Konstruktion sowie Bauprodukte und Technologien von privaten Gebäuden) der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF; Weltgesundheitsorganisation [WHO], 2001).
Der Wohnmilieufragebogen (Linden, Baudisch, Popien & Golombek, 2006; Linden, 2017) ermöglicht eine Beschreibung und Beurteilung des ökologischen Lebensmilieus eines Menschen, sei es bei ihm zuhause oder in einer Klinik.
 

Testaufbau

Erfasst werden die Subdimensionen (1) Zustand und Komfort, (2) Lebensbedingungen, (3) Lage, (4) Privatheit, (5) Aneignung sowie (6) Konfliktpotenzial/Zusammenleben. Es wurden 17 Items formuliert, die die Beurteilung verschiedener Teilaspekte des ökologischen Milieus ermöglichen. Als Skalierung der Items wurde eine fünfstufige Likert-Skala mit den Antwortmöglichkeiten (1) "stimmt nicht" bis (5) "stimmt genau" gewählt.
 

Auswertungsmodus

Über die jeweiligen Items kann ein Mittelwert berechnet werden, sodass sechs Subskalenwerte ermittelt werden können. Überdies kann ein Gesamtwert berechnet werden. Es liegen Vergleichswerte (M und SD) vor (siehe unter "Normierung").
 

Auswertungshilfen

Es liegen Vergleichswerte für die Auswertung vor.
 

Auswertungszeit

Die Auswertungszeit beträgt circa 10 Minuten.
 

Itembeispiele

Ein Item aus der Subdimension (2) Lebensbedingungen wird im Folgenden vorgestellt.
Item 1: "Ich habe verhältnismäßig viel Platz."
 

Alle Items

Im Folgenden sind alle Items hinsichtlich ihrer inhaltlichen Zuordnung zu verschiedenen Aspekten des ökologischen Milieus aufgelistet.

Materielle und bauliche Eigenschaften/Infrastruktur
(1) Zustand und Komfort:
Item 6: Meine Wohnung bzw. Haus/Die Klinik ist in gutem Zustand.
Item 7: Ich habe allen Komfort, den ich brauche.
Item 13: Die Einrichtung entspricht meinen Bedürfnissen.
Item 14: Mir stehen alle Hilfsmittel zur Erledigung alltäglicher Verrichtungen zur Verfügung.

(2) Lebensbedingungen:
Item 1: Ich habe verhältnismäßig viel Platz.
Item 2: Es ist sauber.
Item 4: Es ist ruhig.

(3) Lage:
Item 2: Meine Wohnung bzw. Haus/Die Klinik liegt verkehrsgünstig.
Item 8: Wenn ich aus dem Fenster sehe, habe ich einen ansprechenden Ausblick.
Item 9: Ich kann das Fenster offen stehen lassen./Ich kann mich an die frische Luft setzen.

(4) Privatheit:
Item 5: Ich kann mich zurückziehen, wenn ich es möchte.
Item 12: Wenn ich in meiner Wohnung/in der Klinik bin, kann ich mir Zeit für mich nehmen.
Item 17: Ich habe genug Privatsphäre.
Item 16: Wenn ich mich zur Ruhe begebe, werde ich nicht noch einmal gestört.

(5) Aneignung:
Item 10: Wenn ich in meiner Wohnung/in der Klinik bin, kann ich meinen Interessen nachgehen.
Item 11: Wenn ich in meiner Wohnung/in der Klinik bin, kann ich meine Freizeit so gestalten, wie ich möchte, ohne besondere Rücksicht nehmen zu müssen.

(6) Konfliktpotenzial/Zusammenleben:
Item 15: Mit den Menschen in meinem Wohnumfeld/mit denen ich in der Klinik bin, komme ich gut zurecht.
 

Durchführung

 

Testformen

Der Fragebogen liegt nur in einer Testform vor. Er kommt als Einzeltest zum Einsatz und kann optional das Wohnmilieu oder das Klinikmilieu erheben.
 

Altersbereiche

Der Fragebogen wurde nicht für spezielle Altersbereiche entwickelt.
 

Durchführungszeit

Der Fragebogen ist in 5 bis 10 Minuten zu beantworten.
 

Material

Als Material sind der Fragebogen und ein Schreibgerät erforderlich.
 

Instruktion

"Die Lebensbedingungen eines Menschen haben einen entscheidenden Einfluss auf sein Wohlbefinden und seine Gesundheit. Deshalb möchten wir Sie bitten, einmal Ihre Lebensbedingungen zu Hause (in der Klinik) zu beurteilen.
Bitte beantworten Sie den folgenden Fragebogen vollständig. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Kreuzen Sie dazu die passenden Kästchen an oder tragen Sie die entsprechenden Zahlen ein!"
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es werde keine spezifischen Durchführungsbedingungen vorausgesetzt.
 

Testkonstruktion

Der Fragebogen wurde auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie entwickelt. Es wurden zunächst 21 Items formuliert, die die Beurteilung verschiedener Teilaspekte des ökologischen Milieus ermöglichen. Gefragt wird nach der materiellen und baulichen Umwelt (z. B. Zustand und Komfort, Lebensbedingungen, Lage) und nach der Erfüllung spezifischer Wohnbedürfnisse (Privatheitsregulation und Aneignung) und mit einem Item nach dem Konfliktpotenzial, das sich aus der Art der Zusammenführung von Menschen (crowding) ergibt. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die Beurteilungen sowohl auf die eigene Wohnung als auch auf Klinikumwelten anwendbar sind. Die Items wurden sowohl Behandlern als auch stationären Patienten vorgelegt, um ihre Verständlichkeit und Brauchbarkeit zu überprüfen. Als Ergebnis dieses Diskussionsprozesses wurde die Anzahl der Items auf 17 reduziert.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Es liegen keine Angaben zur Objektivität vor. Es ist anzunehmen, dass durch die standardisierte Instruktion die Durchführungsobjektivität gegeben ist. Die Auswertungsobjektivität wird durch die einfache Berechnung von sechs Mittelwerten und einem Gesamtwert angestrebt. Die Interpretationsobjektivität kann aufgrund der vorliegenden Referenzwerte als gegeben angenommen werden.
 

Reliabilität

Die Retestreliabilität sowie die interne Konsistenz wurden überprüft. Die Retestreliabilität (Spearmans Rho) nach circa einer Woche lag für das Wohnmilieu bei rtt = .90 und für das Klinikmilieu bei rtt = .85. Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) lag bei Alpha = .82 (Wohnmilieu) bzw. Alpha = .83 (Klinikmilieu) (Linden et al., 2006, S. 390, S. 395).
 

Validität

Die Items des WMF wurden N = 127 Patienten aus zwei psychosomatischen Rehabilitationskliniken vorgelegt und auf Unterschiede zwischen dem häuslichen Wohnmilieu und dem Klinikmilieu hin untersucht. Sowohl das häusliche Wohn- als auch das Klinikmilieu wurden positiv beurteilt, wobei signifikante Unterschiede gefunden wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass in der Klinik mehr Platz und Ruhe sowie weniger Lärm und Konflikt herrscht, während in häuslicher Umgebung Sauberkeit, die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln und die Möglichkeit, eigenen Interessen nachzugehen, höher eingeschätzt werden (Linden et al., 2006, S. 390, S. 394).
Eine Faktorenanalyse ergab für das Wohn- und Klinikmilieu eine Fünffaktorenstruktur (Privatheitsregulation, Ruhe und Konfliktfreiheit, Materiell-räumliche Bedingungen, Bedürfniserfüllung und Verkehrslage), wobei eine exakte Zuordnung eines Items auf einen Faktor nicht möglich ist (Linden et al., 2006, S. 395).
 

Normierung

Eine erste Anwendung und Überprüfung der psychometrischen Qualität des Wohnmilieufragebogens erfolgte in zwei Rehabilitationskliniken. Die Mittelwerte hierzu sind in Tabelle 1 aufgelistet.

Tabelle 1
Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) für die Einzelitems und den Summenwert des Wohnmilieufragebogens (Bereich häusliches Wohnmilieu und Klinikmilieu; N = 127; Linden, Baudisch, Popien & Golombek, 2006, S. 394)
-------------------------------------------------- 
Item Wohnmilieu Klinikmilieu
M (SD) M (SD)
--------------------------------------------------
1 4.23 (1.08) 4.50 (0.82)
2 4.10 (1.29) 3.96 (1.12)
3 4.69 (0.53) 4.52 (0.72)
4 4.09 (1.14) 4.40 (0.84)
5 4.43 (1.01) 4.57 (0.90)
6 4.53 (0.74) 4.72 (0.50)
7 4.83 (0.42) 4.79 (0.45)
8 4.18 (1.10) 4.02 (1.06)
9 4.57 (0.89) 4.74 (0.62)
10 4.39 (0.91) 3.93 (1.04)
11 3.96 (1.16) 3.75 (1.16)
12 4.17 (1.02) 4.29 (0.86)
13 4.57 (0.70) 4.47 (0.84)
14 4.87 (0.44) 4.54 (0.82)
15 4.28 (0.87) 4.53 (0.69)
16 4.09 (0.98) 4.44 (0.85)
17 4.47 (0.88) 4.60 (0.81)
--------------------------------------------------
Gesamtscore 4.37 (0.48) 4.39 (0.46)
--------------------------------------------------
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der Wohnmilieufragebogen ist ein Fragebogen zur Beurteilung des ökologischen Milieus im Sinne der ICF-Dimensionen e150 und e155. Der Fragebogen wurde so konzipiert, dass die Beurteilungen sowohl auf die eigene Wohnung als auch auf Klinikumwelten anwendbar sind. Außerdem kann er zur Qualitätssicherung und Verbesserung therapeutischer Milieus genutzt werden.
 

Bewertung

Die detaillierte und standardisierte Beschreibung des ökologischen Milieus von stationären Settings ermöglicht eine Schwachstellenanalyse und Schlussfolgerungen für eine Qualitätsverbesserung. Die Bedeutung des ökologischen Milieus für den Therapieerfolg stationärer Behandlungen darf nicht unterschätzt werden.
 

Literatur

  • Linden, M. (Hrsg.). (2017). Das stationäre Setting in der Behandlung psychischer Störungen (2., durchgesehene und erweiterte Auflage). Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
  • Linden, M., Baudisch, F., Popien, C. & Golombek, J. (2006). Das ökologisch-therapeutische Milieu in der stationären Behandlung. Der Wohnmilieufragebogen. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 56, 390-396. (DOI: 10.1055/s-2006-940012)
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO). (Hrsg.). (2005). Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). Köln: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Clinical Psychology; Home Environment; Therapeutic Environment; Hospital Environment; Housing; Environmental Effects; Living Arrangements; Hygiene; Privacy; Leisure Time

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Klinische Psychologie; Häusliche Umwelt; Therapeutisches Umfeld; Krankenhausumfeld; Wohnen; Umweltwirkungen; Formen des Zusammenlebens; Hygiene; Privatsphäre; Freizeit

 weitere Schlagworte:

2006; Wohnmilieu; Klinikmilieu; 17 Items; Inhaltliche Aspekte des ökologischen Milieus: 1 Zustand und Komfort, 2 Lebensbedingungen, 3 Lage, 4 Privatheit, 5 Aneignung, 6 Konfliktpotenzial/Zusammenleben; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): 127
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Klinische Psychodiagnostik; Stationäre Behandlung
Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie
11.99
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis, Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2006
 Änderungsdatum: 201801
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