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Need for Cognition - Kinderskala

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007416
 

NFC-KIDS - Need for Cognition - Kinderskala (PSYNDEX Tests Review)

 

Need for Cognition - Scale for Children/zpid

 Preckel, F. & Strobel, A.
 (2017). NFC-KIDS. Need for Cognition - Kinderskala. Eine Skala zur Erfassung der kognitiven Motivation bei Grundschulkindern [Testbox mit Manual und 20 Fragebögen]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 89,00 Euro (Test komplett; Stand: 31.1.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Franzis Preckel, Universität Trier, Fachbereich I Psychologie, D-54286 Trier ; E-Mail: preckel@uni-trier.de ; URL: http://www.uni-trier.de/index.php?id=7638 ; Stand: 28.8.2018
o Prof. Dr. Anja Strobel, Technische Universität Chemnitz, Institut für Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik, Wilhelm-Raabe-Straße 43, D-09107 Chemnitz ; E-Mail: anja.strobel@psychologie.tu-chemnitz.de ; URL: https://www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/ppd/professur/strobel/index.php#popup ; Stand: 02.06.2017
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
NFC-KIDS erfasst Need for Cognition (NFC) bei Kindern im Grundschulalter und ergänzt damit die bereits vorliegende NFC-TEENS für adoleszente Kinder und Jugendliche. Ziel war die Entwicklung eines für die intendierte Altersgruppe gut verständlichen Verfahrens. Dieses sollte zum einen eine gute Anbindung an die Forschung zu Investment Traits und zum anderen einen konzeptuellen Bezug zum Theoretical Intellect Framework von Mussel (2012, 2013) erlauben.


Aufbau:
Der Fragebogen setzt sich aus 14 dreistufig skalierten Items zusammen. Dabei ist jede Skalierungsstufe mit einem Smiley verknüpft; einem fröhlichen, einem neutralen und einem traurigen Smiley. Die Testautoren empfehlen, die Items einem einzigen Faktor "Need for Cognition" zuzuordnen, wenn die Ergebnisse in der Praxis eingesetzt werden sollen. Bei Forschungseinsätzen können die Items hingegen dem übergeordneten Faktor "Think" und den beiden untergeordneten Faktoren "Seek" und "Conquer" zugeordnet werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die Konstruktion der Pilotversion erfolgte in Anlehnung an bereits etablierte Verfahren zur Messung von NFC im Erwachsenenalter. Die empirische Überprüfung dieser Version fand im Sommer 2011 im Rahmen der Evaluation des Baden-Württembergischen HECTOR-Projekts statt (n = 534). Für die Finalversion wurden dann diejenigen Items mit den besten Trennschärfen und ohne extreme Mittelwertausprägungen beibehalten.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz für die Klassenstufen 1/2 betrug Cronbachs Alpha = .84 (n = 1 015), für Klassenstufe 3/4 Alpha = .86 (n = 1 718) und für die Gesamtgruppe Alpha = .86 (N = 2 733). Die nach Spearman-Brown korrigierte Testhalbierungsreliabilität (erste und zweite Testhälfte) betrug für Klassenstufe 1/2 rtt = .86, für Klassenstufe 3/4 rtt = .89 und für die Gesamtgruppe rtt = .88. An einer Teilstichprobe von n = 126 Kindern wurde darüber hinaus die Retestreliabilität berechnet (Retestintervall: 13-16 Monate): rtt = .46 (p < .01).
Validität: Analysen zur Konstruktvalidität zeigen gute Modellpassungen sowohl für das Einfaktorenmodell als auch für das Zweifaktorenmodell, wobei das Zweifaktorenmodell insgesamt einen etwas besseren Modellfit (RMSEA = .05 für die Gesamtgruppe) aufwies. Korrelationen zu anderen NFC-Skalen, zu verschiedenen Leistungsmaßen (Intelligenz, Schulnoten) sowie zu verwandten und nicht verwandten Konstrukten (z. B. akademisches Interesse oder soziale Integration) resultierten in erwartungskonformen Zusammenhängen.
Normen: Zur Normierung bearbeiteten N = 2 763 Schüler der ersten (n = 441), zweiten (n = 587), dritten (n = 653) und vierten (n = 1 082) Klasse die NFC-KIDS. Die quartalsweisen Datenerhebungen fanden an Regelschulen in sechs Bundesländern statt. Berechnet wurden Prozentränge und T-Werte sowie die entsprechenden 90%-Konfidenzintervalle. Aufgrund der signifikanten Unterschiede zwischen der 1./2. und 3./4. Klassenstufe werden die Normwerte im Anhang des Manuals getrennt für die Klassen 1/2 und 3/4 aufgeführt. Des Weiteren sind Normwerte auch für die Gesamtgruppe angegeben.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Need for Cognition - Kinderskala (NFC-KIDS; Preckel & Strobel, 2017) erfasst Need for Cognition (NFC) bei Kindern im Grundschulalter und ergänzt damit die bereits vorliegende NFC-TEENS für adoleszente Kinder und Jugendliche (Preckel, 2014, 2016; PSYNDEX Tests-Nr. 9007192). Seinen Ursprung hat das Konstrukt u. a. in der Investment Theory von Cattell (1943, 1987). Derzufolge gelten sog. Investment Traits als wichtige Einflussfaktoren zur Erklärung interindividueller Unterschiede in der Ausprägung fluider Intelligenz (Stumm & Ackerman, 2013) - der Tendenz, mehr oder weniger großen (kognitiven) Aufwand in die Aneignung von Wissen oder die Lösung von Aufgaben zu investieren (Strobel & Strobel, 2016). Need for Cognition wiederum repräsentiert zentrale Verhaltensweisen, die mit Investment Traits assoziiert werden (Stumm & Ackerman, 2013). So wird NFC als die stabile intrinsische Motivation eines Individuums verstanden, kognitive Mühe und Anstrengung zu investieren (Cacioppo & Petty, 1982; Cacioppo, Petty, Feinstein & Jarvis, 1996).
Als eine Dimension der kognitiven Motivation steht Need for Cognition in engem Zusammenhang zu kognitiven Leistungen und Prozessen. So denken Menschen mit hoher NFC-Ausprägung intensiver über Ereignisse, Informationen, Argumente oder über das Verhalten anderer Personen nach (z. B. Cacioppo, Petty & Morris, 1983; Latimer, Katulak, Mowad & Salovey, 2005). Sie suchen ferner aktiv nach Informationen (Verplanken, Hazenberg & Palenewen, 1992), ziehen komplexe Aufgaben einfachen vor (Cacioppo & Petty, 1982; See, Petty & Evans, 2009) und reflektieren Informationen kritischer als Menschen mit niedriger NFC-Ausprägung (Petty, Brinol & Tormala, 2002). Höhere NFC-Werte gehen darüber hinaus mit einer tieferen Verarbeitung von Lerninhalten einher (Evans, Kirby & Fabringar, 2003) und es bestehen Zusammenhänge sowohl zum allgemeinen als auch zum spezifischen Fähigkeitsselbstkonzept (Dickhäuser & Reinhard, 2010).
 

Testaufbau

Der Fragebogen setzt sich aus 14 dreistufig skalierten Items zusammen. Dabei ist jede Skalierungsstufe mit einem Smiley verknüpft: Der fröhliche Smiley bedeutet "ja, das stimmt eigentlich immer", der neutrale Smiley bedeutet "das stimmt manchmal, manchmal aber auch nicht" und der traurige Smiley bedeutet "nein, das stimmt eher nicht so". Die Testautoren empfehlen, die Items einem einzigen Faktor "Need for Cognition" zuzuordnen, wenn die Ergebnisse in der Praxis eingesetzt werden sollen. Bei Forschungseinsätzen können die Items hingegen dem übergeordneten Faktor "Think" und den beiden untergeordneten Faktoren "Seek" und "Conquer" zugeordnet werden (Preckel & Strobel, 2017, S. 26).
 

Auswertungsmodus

Zur Auswertung des Fragebogens werden zunächst alle Items aufsummiert. Dabei geht jeder fröhliche Smiley mit einem Punktwert = 3, jeder neutrale Smiley mit einem Punktwert = 2 und jeder traurige Smiley mit einem Punktwert = 1 in die Auswertung ein. Wurden nicht alle Items beantwortet, liegen im Manual (Preckel & Strobel, 2017, S. 34 f.) Hinweise zum Umgang mit den dadurch fehlenden Werten vor. Der resultierende Rohwert kann dann anhand der entsprechenden Tabelle im Anhang des Manuals (S. 41 ff.) in Normwerte (Prozentränge und T-Werte) und die entsprechenden 90%-Konfidenzintervalle transformiert werden. Anschließend werden Rohwert, Normwerte und Konfidenzintervalle zusammen mit der verwendeten Vergleichsgruppe (1./2. Klasse, 3./4. Klasse, Gesamtgruppe) auf der Rückseite des Fragebogens eingetragen. Mithilfe einer grafischen Zuordnung der erzielten Normwerte zur Standardnormalverteilung können diese anschaulich erläutert werden.
 

Auswertungshilfen

Es liegen keine Auswertungshilfen in Form von Auswertungsschablonen o. Ä. vor. Diese sind aufgrund der Kürze des Fragebogens und der einfachen Auswertungsmodalitäten allerdings nicht unbedingt notwendig.
 

Auswertungszeit

Zur Auswertungszeit werden im Manual keine Angaben gemacht. Diese dürfte jedoch nicht mehr als 10 Minuten betragen.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden sind diejenigen Items aufgeführt, die in der Gesamtgruppe den geringsten und höchsten Itemmittelwert erzielten.
Item 6: "Ich mag es, wenn ich für eine Hausaufgabe richtig meinen Kopf anstrengen muss." (M = 2.0)
Item 10: "Ich lerne gerne Neues." (M = 2.76)
 

Durchführung

 

Testformen

Die NFC-KIDS kann sowohl als Individual- als auch als Gruppentest eingesetzt werden.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern der 1. bis 4. Schulklasse bzw. bei Kindern zwischen fünf und 12 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung des Fragebogens beträgt etwa 10 Minuten.
 

Material

Das Material ist vollständig in der Testbox enthalten. Zur Durchführung wird darüber hinaus lediglich ein Stift benötigt.

Materialliste Testbox (Stand: 02.06.2017):
- Manual
- 20 Fragebögen.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf dem Fragebogen abgedruckt. Sie können entweder selbstständig von den Kindern gelesen oder vom Testleiter vorgelesen werden. Dabei sind diese einfach und kindgerecht formuliert, so dass sie von Kindern der intendierten Altersklasse gut verstanden werden können.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Zur Vermeidung von Verständnisschwierigkeiten sowie zur korrekten Bearbeitung der Items sollten die zu testenden Kinder über hinreichend gute Deutschkenntnisse verfügen. Bei Kindern, die noch nicht oder nicht gut lesen können, besteht die Möglichkeit die Instruktionen und Items vom Testleiter vorlesen zu lassen. Zur Vermeidung von Störungen sollte zur Testung darüber hinaus ein möglichst ruhiger Raum zur Verfügung stehen.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Ziel der Testkonstruktion war die Entwicklung eines Verfahrens für Kinder im Grundschulalter. Dieses sollte für die intendierte Altersgruppe gut verständlich und nachvollziehbar gestaltet sein sowie - im Unterschied zu bislang existierenden NFC-Skalen - eine gute Anbindung an die Forschung zu Investment Traits erlauben. Ferner sollte ein konzeptueller Bezug zum Theoretical Intellect Framework von Mussel (2012, 2013) hergestellt werden (Preckel & Strobel, 2017, S. 16).
Für die Pilotversion wurden zunächst 24 sprachlich einfache Items ohne Invertierungen konstruiert. Damit schließt die NFC-KIDS an die Skalen von Cacioppo und Petty (1982) bzw. Cacioppo, Petty und Kao (1984), Bless, Wänke, Bohner, Fellhauer und Schwarz (1994), Preckel (2016) und Ginet und Py (2000) an. Bei der Itemformulierung wurden die Antworten von Grundschülern berücksichtigt, die gefragt wurden, an welchen Verhaltensweisen sie feststellen könnten, ob ein Kind gern denkt. Die Skalierung erfolgte anhand eines dreistufigen Smiley-Formats (Baudson, 2011).
Die Pilotierung des Verfahrens erfolgte im Sommer 2011 im Rahmen der Evaluation des Baden-Württembergischen HECTOR-Projekts. Dabei bearbeiteten insgesamt N = 534 Kinder der 2., 3. und 4. Klasse die Pilotversion des Fragebogens. Für die Finalversion wurden dann diejenigen Items mit den besten Trennschärfen und ohne extreme Mittelwertausprägungen beibehalten. Die resultierenden Trennschärfen betragen für die Normgruppe der Klasse 1/2 zwischen rit = .36 und rit = .74, für die Normgruppe der Klasse 3/4 zwischen rit = .29 und rit = .67. Die Itemmittelwerte liegen mit Ausnahme der Items 5, 7 und 10 im mittleren Bereich.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der standardisierten Instruktionen und einfachen Auswertung sind sowohl Durchführungs- als auch Auswertungsobjektivität gegeben. Darüber hinaus sichern die vorhandenen Normtabellen zusammen mit den Hinweisen zur korrekten Interpretation der Testwerte und dem Anwendungsbeispiel die Interpretationsobjektivität.
 

Reliabilität

Zur Bestimmung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha, Testhalbierungsreliabilitäten und Retestreliabilitäten berechnet (Preckel & Strobel, 2017, S. 25 f.). Dabei lag die interne Konsistenz für die Klassenstufen 1 und 2 bei Alpha = .84 (n = 1 015), für die Klassenstufen 3 und 4 bei Alpha = .86 (n = 1 718) und für die Gesamtgruppe bei Alpha = .86 (N = 2 733). Die nach Spearman-Brown korrigierte Testhalbierungsreliabilität (erste und zweite Testhälfte) betrug für die Klassenstufen 1 und 2 rtt = .86, für die Klassenstufen 3 und 4 rtt = .89 und für die Gesamtgruppe rtt = .88. An einer Teilstichprobe von n = 126 Kindern wurde darüber hinaus die Retestreliabilität berechnet (Retestintervall: 13-16 Monate). Sie betrug rtt = .46.
 

Validität

Konstruktvalidität: Zur Überprüfung der faktoriellen Validität des Verfahrens wurde die Passung der Daten hinsichtlich eines Einfaktorenmodells (NFC als allgemeiner Faktor) sowie hinsichtlich eines Zweifaktorenmodells ("Think" als übergeordneter Faktor, "Seek" und "Conquer" als untergeordnete Faktoren) analysiert. Die Ergebnisse weisen auf eine gute Passung beider Modelle hin, wobei das Zweifaktorenmodell insgesamt einen etwas besseren Modellfit (RMSEA = .05 für die Gesamtgruppe) zeigte.
Kriteriumsvalidität: Die Kriteriumsvalidität wird unterstützt durch erwartungskonforme Zusammenhänge zu anderen NFC-Skalen und Leistungsmaßen sowie zu verwandten Konstrukten, die im Rahmen der Normierung mithilfe des Fragebogens zur Erfassung Emotionaler und Sozialer Schulerfahrungen - Kurzfassung erhoben wurden (FEESS-K; Baudson & Preckel, 2011). So korrelierte die NFC-KIDS in unabhängigen Studien zu rho = .99 (latente Korrelation; n = 400) bzw. r = 72 (n = 45) mit der NFC-TEENS sowie zu r = .86 (n = 22) bzw. zu r = .64 (n = 160) mit der NFC-Kurzskala von Bless et al. (1994). Weiterhin korrelierte die Skala nur geringfügig positiv mit verschiedenen Intelligenzmaßen (z. B. r = .20 zum CFT 1-R bei Schülern der 1. und 2. Klassenstufe) und den Schulnoten der Kinder (z. B. r = -.22 zur Mathematiknote bei Schülern der 3. und 4. Klassenstufe). Das akademische und numerische Interesse (r = .64 bzw. r = .60) hingegen korrelierte ebenso wie die Lernfreude (r = .50) relativ hoch mit der NFC-KIDS, während das Gefühl des Angenommenseins (r = .29) oder die soziale Integration (r = .23) eher niedrig mit der Skala korrelierten. Die Angaben gelten jeweils für die Gesamtgruppe.
 

Normierung

Die Daten zur Normierung der NFC-KIDS wurden zwischen September 2012 und Februar 2014 im Rahmen der Normierung des Intelligenztests THINK 1-4 (Baudson, Wollschläger & Preckel, 2016) erhoben. Hierfür bearbeiteten insgesamt N = 2 763 Schüler der ersten (n = 441), zweiten (n = 587), dritten (n = 653) und vierten (n = 1 082) Klasse NFC-KIDS und THINK 1-4 (Preckel & Strobel, 2017, S. 20). Die quartalsweisen Datenerhebungen fanden an Regelschulen folgender sechs Bundesländer statt: Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Zusätzlich gingen die Daten aus der Pilotierung des Verfahrens (siehe unter "Testkonstruktion") in die Normierung ein.
Berechnet wurden Prozentränge und T-Werte sowie die entsprechenden 90%-Konfidenzintervalle. Entsprechend den signifikanten Unterschiede zwischen der 1./2. und 3./4. Klassenstufe, werden die Normwerte im Anhang des Manuals (Preckel & Strobel, 2017, S. 41 ff.) getrennt für die Klassen 1/2 und 3/4 aufgeführt. Des Weiteren sind Normwerte auch für die Gesamtgruppe angegeben.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die NFC-KIDS kann in all jenen Bereichen eingesetzt werden, in denen die kognitive Motivation von Kindern interessiert. Dies wird wahrscheinlich vor allem auf pädagogisch-psychologische Fragestellungen zutreffen, wobei das Verfahren sowohl in praxis- als auch in forschungsnahen Settings Verwendung finden kann. Mögliche Anwendungsbereiche können z. B. Schulprobleme sein, bei denen potenzielle Ursachen und Möglichkeiten zur Einflussnahme eruiert werden sollen. Das Verfahren eignet sich aber auch zur gezielten Beeinflussung der Lernmotivation, zur schulischen Laufbahnberatung, zur Begabtenförderung etc. Beim praktischen Einsatz der Skala sollte beachtet werden, diese immer "im Kontext bereits umfassend untersuchter und (...) etablierter Merkmale wie z. B. der Intelligenz oder dem Fähigkeitsselbstkonzept" zu nutzen (Preckel & Strobel, 2017, S. 33).
 

Bewertung

Mit der NFC-KIDS liegt erstmals ein deutschsprachiges Verfahren zur Erfassung von Need for Cognition im Grundschulalter vor. Im Vergleich zu anderen Verfahren für jüngere Kinder weist das Verfahren gute bis sehr gute psychometrische Kennwerte auf. Dementsprechend kann NFC nicht länger nur im Erwachsenenalter valide und reliabel erfasst werden, sondern zusammen mit der NFC-Teens nun über die gesamte Lebensspanne hinweg. Damit besitzt das Verfahren einen hohen Nützlichkeitswert.
Die Angaben im Testmanual sind sehr strukturiert und hinreichend detailliert. Alle für den Testeinsatz notwendigen Informationen sind enthalten und der Anwender findet diese schnell (wieder). Dabei erscheint der Umfang des Fragebogens praktikabel zu sein, und zwar sowohl für den Einsatz in der Praxis als auch für den Einsatz in der Forschung. Das hohe Ausmaß der Standardisierung resultiert in einer sehr hohen Objektivität in allen Bereichen (Durchführung, Auswertung, Interpretation). Weiterhin sind die bislang erfassten Reliabilitätskennwerte durchweg als sehr gut zu beurteilen. Die bisherigen Untersuchungen zur Validität unterstützen ferner sowohl die konvergente als auch die divergente Validität des Verfahrens. Letztlich sind die berechneten Normwerte gut für die intendierte Altersgruppe geeignet, wobei die zugrundeliegende Normstichprobe repräsentativ und hinreichend groß war. Alles in allem liegt hier also ein durchdachtes und gut konstruiertes Verfahren vor, das den psychometrischen Ansprüchen zur Erfassung des Konstrukts in vollem Umfang genügt.
 

Literatur

  • Baudson, T. G. (2011). The (mis-)measure of children's cognitive abilities. Unpublished doctoral dissertation, University of Trier, FB I Psychology. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0245104
  • Baudson, T. G. & Preckel, F. (2011). Validierung einer modifizierten Kurzfassung des Fragebogens zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen für die Klassen 1 bis 3. Saarbrücken: Vortrag bei der 11. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik.
  • Baudson, T. G., Wollschläger, R. & Preckel, F. (2016). THINK 1-4. Test zur Erfassung der Intelligenz im Kindesalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Bless, H., Wänke, M., Bohner, G., Fellhauer, R. F. & Schwarz, N. (1994). Need for Cognition: Eine Skala zur Erfassung von Engagement und Freude bei Denkaufgaben. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 25, 147-154.
  • Cacioppo, J. T. & Petty, R. E. (1982). The need for cognition. Journal of Personality and Social Psychology, 42, 116-131.
  • Cacioppo, J. T., Petty, R. E., Feinstein, J. A. & Jarvis, B. G. (1996). Dispositional differences in cognitive motivation: The life and times of individuals varying in need for cognition. Psychological Bulletin, 119, 197-253.
  • Cacioppo, J. T., Petty, R. E. & Kao, C. E. (1984). The efficient assessment of need for cognition. Journal of Personality Assessment, 48, 306-307.
  • Cacioppo, J. T., Petty, R. E. & Morris, K. J. (1983). Effects of need for cognition on message evaluation, recall and persuasion. Journal of Personality and Social Psychology, 45, 805-818.
  • Cattell, R. B. (1943). The measurement of adult intelligence. Psychological Bulletin, 40, 153-193.
  • Cattell, R. B. (1987). Intelligence: its structure, growth, and action. Amsterdam: Elsevier.
  • Dickhäuser, O. & Reinhard, M.-A. (2010). How students build their performance expectancies: The importance of need for cognition. European Journal of Psychology of Education, 25, 399-409.
  • Evans, C. J., Kirby, J. R. & Fabringar, L. R. (2003). Approaches to learning, need for cognition, and strategic flexibility among university students. British Journal of Educational Psychology, 73, 507-528.
  • Ginet, A. & Py, J. (2000). Le besoin de cognition: Une échelle francaise pour enfants et ses conséquences au plan sociocognitif. L'Année Psychologique, 100, 585-627.
  • Latimer, A. E., Katulak, N. A., Mowad, L. & Salovey, P. (2005). Motivating cancer prevention and early detection behaviors using psychologically tailored messages. Journal of Health Communication, 10 (Suppl. 1), 137-155.
  • Mussel, P. (2012). Persönlichkeitsaspekte intellektueller Leistungen. Report Psychologie, 37, 440-448.
  • Mussel, P. (2013). Intellect: A theoretical framework for personality traits related to intellectual achievements. Journal of Personality and Social Psychology, 104, 885-906.
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  • Preckel, F. (2014). Assessing need for cognition in early adolescence. Validation of a German adaption of the Cacioppo/Petty Scale. European Journal of Psychological Assessment, 30 (1), 65-72.
  • Preckel, F. (2016). NFC-Teens: Eine deutsche Need for Cognition Skala für ältere Kinder und Jugendliche. In D. Danner & A. Glöckner-Rist (Hrsg.), Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen. Mannheim: GESIS.
  • Preckel, F. & Strobel, A. (2017). NFC-KIDS. Need for Cognition - Kinderskala. Eine Skala zur Erfassung der kognitiven Motivation bei Grundschulkindern. Göttingen: Hogrefe.
  • See, Y. H. M., Petty, R. E. & Evans, L. M. (2009). The impact of perceived message complexity and need for cognition on information processing and attitudes. Journal of Research in Personality, 43, 880-889.
  • Strobel, A. & Strobel, A. (2016). Freude am Denken: Grundlagen und Anwendungsperspektiven des Need for Cognition. Report Psychologie, 41 (7/8), 298-306.
  • Stumm, S. von & Ackerman, P. L. (2013). Investment and intellect: a review and meta-analysis. Psychological Bulletin, 139, 841-869.
  • Verplanken, B., Hazenberg, P. T. & Palenewen, G. R. (1992). Need for cognition and external information search effort. Journal of Research in Personality, 26, 128-136.
 
 Jennifer Schroth (04.10.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Test Norms; Personality Measures; Needs; Motivation; Need for Cognition; Personality Traits

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Testnormen; Persönlichkeitstests; Bedürfnisse; Motivation; Erkenntnisstreben; Persönlichkeitsmerkmale

 weitere Schlagworte:

2017; Investment Traits; 14 Items; ab 1. Schuljahr; bis 4. Schuljahr; ab 5 Jahre; bis 12 Jahre; Faktoren: 1 Think, 2 Seek, 3 Conquer; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2014; Stichprobe(n): 441+587+653+1082
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Motivation und Emotion; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Tests zur Erfassung spezifischer Motive und Bedürfnisse
9.7
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2017
 Änderungsdatum: 201801
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID