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Grazer Wortschatztest

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007348
 

GraWo - Grazer Wortschatztest (PSYNDEX Tests Review)

 

Graz Vocabulary Test/zpid

 Seifert, S., Paleczek, L., Schwab, S. & Gasteiger-Klicpera, B.
 (2017). GraWo. Grazer Wortschatztest [Testbox mit Manual, 5 Instruktionsblättern, 5 Testheften und 5 Auswertungsbögen]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 98,00 Euro (Test komplett; Stand: 26.1.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Susanne Schwab, Bergische Universität Wuppertal, Rainer-Gruenter-Straße 21, D-42119 Wuppertal ; E-Mail: schwab@uni-wuppertal.de ; URL: http://www.ifb.uni-wuppertal.de/de/arbeitsbereiche/lernen0/schwab-susanne-prof-dr.html ; Stand: 23.02.2017
o Prof. Dr. Barbara Gasteiger Klicpera, Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Arbeitsbereich für Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie, Merangasse 70/II, A-8010 Graz, Österreich ; E-Mail: barbara.gasteiger@uni-graz.at ; URL: http://erziehungs-bildungswissenschaft.uni-graz.at/de/institut/arbeitsbereich-integrationspaedagogik-und-heilpaedagogische-psychologie/team/gasteiger-klicpera-barbara-univ-profin-drin/ ; Stand: 09.02.2015
o Dipl.-Sprachwissenschaftlerin Susanne Seifert, Ph.D., Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Arbeitsbereich für Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie, Merangasse 70/II, A-8010 Graz, Österreich ; E-Mail: susanne.seifert@uni-graz.at ; URL: https://erziehungs-bildungswissenschaft.uni-graz.at/de/institut/arbeitsbereich-integrationspaedagogik-und-heilpaedagogische-psychologie/team/seifert-susanne-dipl-sprachwissenschaftlerin-phd/ ; Stand: 14.02.2018
o Mag.a Lisa Paleczek, M.Sc., Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Arbeitsbereich für Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie, Merangasse 70/II, A-8010 Graz, Österreich ; E-Mail: lisa.paleczek@uni-graz.at ; URL: https://erziehungs-bildungswissenschaft.uni-graz.at/de/institut/arbeitsbereich-integrationspaedagogik-und-heilpaedagogische-psychologie/team/paleczek-lisa-maga-msc/ ; Stand: 14.02.2018
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Ziel der Testkonstruktion war es, ein ökonomisch im Schulalltag einsetzbares Verfahren zur Erfassung des rezeptiven Wortschatzes (Wortverständnis) zu entwickeln. Der resultierende Leistungstest sollte in Form eines Screeningtests zur Identifikation potenzieller Wortschatzdefizite bzw. unterdurchschnittlicher Leistungen fungieren.


Aufbau:
Das Verfahren setzt sich aus zwei Beispielitems und 30 Testitems zusammen, welche den folgenden vier Wortformen bzw. sechs Itemsubkategorien zuzuordnen sind: 1 Verben (5 Items), 2 Adjektive (5 Items), 3 Präpositionen (5 Items) und 4 Nomen (15 Items), bestehend aus monomorphematischen Nomen (5 Items), Nomenkomposita (5 Items) und kategorialen Nomen (5 Items). Die Items wurden als Wort-Bild-Zuordnungsaufgaben mit jeweils vierstufigem Antwortformat konstruiert (Mehrfachwahlaufgaben).


Grundlagen und Konstruktion:
Die Konstruktion des GraWo erfolgte in Anlehnung an bereits etablierte Verfahren zur Überprüfung des Wortschatzes (z. B. WWT 6-10, MSVK, PDSS). Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Auswahl der Itemsets (jeweils 1 Zielitem und 3 Distraktoritems) gelegt. Die initale Rohfassung des Verfahrens (57 Items) wurde im Rahmen zweier Konstruktionstestungen zu Schuljahresbeginn (n = 183) und Schuljahresende (n = 183) überarbeitet. Im gesamten Revisionsprozess wurden ungeeignete Items (z. B. aufgrund zu geringer Trennschärfen) entfernt, sodass die finale Testversion schließlich 30 Items enthält.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die internen Konsistenzen der Gesamtstichprobe (N1 = 819, N2 = 763, N3 = 751) betrugen zwischen Alpha = .79 und Alpha = .88, die Split-half-Reliabilitäten zwischen rtt = .70 und rtt = .87. Die Retestreliabilität wurde an einer Teilstichprobe der Gesamtstichprobe berechnet (n = 244; Retestintervall: 2-3 Wochen) und betrug zwischen rtt = .88 und rtt = .93. Die internen Konsistenzen für Kinder mit L1 Deutsch betrugen zwischen Alpha = .61 und Alpha = .77 sowie für Kinder mit L2 Deutsch zwischen Alpha = .77 und Alpha = .85.
Validität: Die zur Überprüfung der Konstruktvalidität durchgeführten Faktorenanalysen unterstützen die a priori angenommene Einfaktorenstruktur des Verfahrens, welche zwischen 17.39% und 22.77% der Gesamtvarianz aufklären kann. Weiterhin liefern auch die zwischen GraWo und weiteren konstruktnahen sowie konstruktfernen Verfahren (WWT 6-10, ELFE 1-6, DiLe-V, DiLe-D) berechneten Korrelationen erwartungskonforme Zusammenhänge. Gleiches gilt für die durch Lehrpersonen erfolgten Einschätzungen der Wortschatzfähigkeiten und Leseleistungen der Kinder.
Normen: Die Normierung fand zu Schuljahresende im Mai/Juni 2015 (n = 1 415) sowie zu Schuljahresbeginn im September/Oktober 2015 (n = 1 226) in Österreich und Deutschland statt. Diese Gesamtstichprobe ist repräsentativ hinsichtlich ihres Anteils an Kindern mit L2 Deutsch. Darüber hinaus wurde eine Teilstichprobe L2 Deutsch mit n = 491 Kindern zu Schuljahresbeginn und n = 406 Kindern zu Schuljahresende erhoben. Im Manual liegen Normwerte in Form von Prozenträngen vor, die getrennt für die Gesamtstichprobe sowie für die Teilstichprobe L2 Deutsch aufgeführt werden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Sprachrezeption bildet eine notwendige Voraussetzung für die Sprachproduktion (Steinberg, Nagata & Aline, 2001) und damit für die Beherrschung einer Sprache. Schließlich ist es für eine erfolgreiche Kommunikation unerlässlich, die gesprochene Sprache zunächst zu verstehen. Dabei wird der Spracherwerb u. a. vom Erwerbsalter, der Erstsprache, sprachspezifischen Lebenswelten, dem Sprach- und Sprechangebot und dem familiären Bildungshintergrund bzw. sozioökonomischen Status beeinflusst (Niebuhr-Siebert & Baake, 2014; Seifert, Paleczek, Schwab & Gasteiger-Klicpera, 2017, S. 13). So weisen bspw. bilinguale Kinder, d. h. Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch (L2 Deutsch), gegenüber monolingualen Kindern häufig geringere Wortschatzleistungen auf (z. B. Cobo-Lewis, Pearson, Eilers & Umbel, 2002a, 2002b; Goldberg, Paradies & Crago, 2008; Klassert, 2011). Dieser Umstand ist insofern interessant, da mit steigender Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulklassen immer mehr Kinder der Unterrichtssprache nicht oder nur unzureichend folgen können (Seifert et al., 2017, S. 8).
Da das Sprachverständnis und damit der rezeptive Wortschatz jedoch als zentrale Faktoren bei der Entwicklung von Schulleistungen (z. B. der Entwicklung der Leseverständnisfähigkeiten) gelten (Seifert et al., 2017, S. 11 f.), ist es wichtig, entsprechende Defizite bereits frühzeitig zu identifizieren. Dies gelingt mit dem Grazer Wortschatztest (GraWo; Seifert et al., 2017), welcher den rezeptiven Wortschatz von Grundschulkindern erfasst und als Screeningtest zur Identifikation von potenziellen Wortschatzdefiziten bzw. unterdurchschnittlichen Wortschatzleistungen konzipiert wurde.
 

Testaufbau

Das Verfahren setzt sich aus zwei Beispielitems und 30 Testitems zusammen, welche den folgenden vier Wortformen bzw. sechs Itemsubkategorien zuzuordnen sind:
(1) Verben (5 Items);
(2) Adjektive (5 Items);
(3) Präpositionen (5 Items);
(4) Nomen (15 Items): monomorphematische Nomen (5 Items), Nomenkomposita (5 Items), kategoriale Nomen (5 Items).
Die Items wurden als Wort-Bild-Zuordnungsaufgaben mit jeweils vierstufigem Antwortformat konstruiert (Mehrfachwahlaufgaben). Somit muss das vom Testleiter vorgelesene Item (Wort) einem Zielitem (Bild) korrekt zugeordnet, d. h. von den vorhandenen drei Distraktoritems abgegrenzt werden. Dabei werden bei jeder Aufgabe verschiedene Distraktortypen dargeboten: ein phonologischer, ein semantischer und ein unrelatierter Distraktor.
 

Auswertungsmodus

Zur Auswertung können einerseits die Zielitems (richtig gelöste Aufgaben) und andererseits die Distraktoren (falsch gelöste Aufgaben) analysiert werden.
(1) Zielitems: Zunächst wird der Gesamtrohwert gebildet und im Auswertungsbogen eingetragen. Dieser ergibt sich, indem für alle richtigen Lösungen ein Punktwert vergeben wird. Der dem Gesamtrohwert entsprechende Prozentrang wird dann in der im Anhang des Testmanuals (Seifert et al., 2017, S. 58 f.) abgedruckten Normtabelle abgelesen. Dieser Schritt erfolgt zunächst für die Gesamtstichprobe (L1 Deutsch) sowie bei Schülern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch zusätzlich für die Normstichprobe L2 Deutsch (S. 21). Auf dem Auswertungsbogen kann darüber hinaus die Anzahl der richtig gelösten Aufgaben in den einzelnen Itemsubkategorien (Verben, Adjektive, Präpositionen, monomorphematische Nomen, kategoriale Nomen, Nomenkomposita) eingetragen werden.
(2) Distraktoren: Für eine genauere Analyse der falsch beantworteten Aufgaben kann der Anteil der ausgewählten Distraktortypen (phonologischer, semantischer, unrelatierter Distraktor) berechnet werden. Hierzu wird die Anzahl der gewählten Distraktortypen mit 100 multipliziert und anschließend durch 30 (Gesamtitemanzahl) dividiert.
 

Auswertungshilfen

Zur vereinfachten Auswertung liegen für jede Seite des Testhefts Auswertungsschablonen vor. Auf diesen ist das Zielitem jeweils grün markiert und die unterschiedlichen Distraktoritems mit den Farben blau (phonologischer Distraktor), rot (semantischer Distraktor) und schwarz (unrelatierter Distraktor). Darüber hinaus dient der Auswertungsbogen zur anschaulichen Darstellung der Testergebnisse. Dort können sowohl die Rohwerte und Prozentränge der richtig gelösten Items als auch die prozentualen Anteile der falsch gelösten Items eingetragen werden.
 

Auswertungszeit

Zur Auswertungszeit werden im Testmanual keine Angaben gemacht. Diese dürfte aufgrund der einfachen Auswertungsmodalität und der Auswertungsschablonen jedoch nicht länger als 10 Minuten betragen.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden werden die beiden Beispielitems dargestellt. Da die zur Auswahl stehenden Bilder an dieser Stelle nicht abgebildet werden können, wird lediglich beschrieben, was auf dem Zielitem zu sehen ist.
"In dieser Aufgabe geht es darum, dass ihr zu einem Wort, das ich sage, das richtige Bild ankreuzt. Ihr seht immer vier Bilder, aber nur eines passt zu dem Wort."
1. Erschrecken - ein Kind wird mit einer Teufelsmaske erschreckt.
2. Kleidung - ein Bild mit mehreren Kleidungsstücken.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren kann sowohl als Individual- als auch als Gruppentest eingesetzt werden.
 

Altersbereiche

Der GraWo findet Anwendung bei Kindern der 1. bis 3. Grundschulklasse.
 

Durchführungszeit

Zur Durchführung sind etwa 15 bis 30 Minuten zu veranschlagen.
 

Material

Das Material ist vollständig in der Testbox enthalten. Zur Durchführung wird darüber hinaus lediglich ein Stift benötigt.

Materialliste Testbox (Stand: 23.02.2017):
- Manual
- 5 Instruktionsblätter
- 5 Testhefte
- 5 Auswertungsbögen
- Schablonensatz.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf dem Instruktionsblatt abgedruckt. Die Kinder erhalten die Aufgabe, ein vom Testleiter vorgelesenes Wort (Item: z. B. "erschrecken") einem Bild korrekt zuzuordnen (Zielitem: z. B. ein Bild, auf dem ein Kind mit einer Teufelsmaske erschreckt wird). Die Distraktoritems hingegen (z. B. Bilder, auf denen ein Mädchen am Computer sitzt oder sich hinter einem Baum versteckt) sollen nicht ausgewählt werden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Es bestehen keine spezifischen Durchführungsvoraussetzungen. Es sollte jedoch selbstverständlich sein, für eine möglichst ruhige und angenehme Atmosphäre während der Bearbeitung zu sorgen. Dies gilt insbesondere bei der Durchführung des Verfahrens als Gruppentest.
Bei der Planung des Testeinsatzes sollte berücksichtigt werden, dass dieser nur in den ersten bzw. letzten sechs Wochen zu Schuljahresbeginn/Schuljahresende möglich ist. Schließlich liegen nur für diese Zeiträume Normwerte vor (Seifert et al., 2017, S. 20).
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Ziel der Testkonstruktion war es, ein ökonomisch im Schulalltag einsetzbares Verfahren zur Erfassung des rezeptiven Wortschatzes zu entwickeln. Der resultierende Leistungstest sollte in Form eines Screeningtests zur Identifikation potenzieller Wortschatzdefizite bzw. unterdurchschnittlicher Leistungen fungieren (Seifert et al., 2017, S. 32).
Die Konstruktion des GraWo erfolgte in Anlehnung an bereits etablierte Verfahren zur Überprüfung des Wortschatzes, wie z. B. den Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige (WWT 6-10; Glück, 2007), den Marburger Sprachverständnistest für Kinder (MSVK; Elben, 2002; Elben & Lohaus, 2000) und die Patholinguistische Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen (PDSS; Kauschke & Siegmüller, 2010). So wurde u. a. das in diesen Verfahren verwendete Aufgabenformat der Mehrfachwahlaufgaben auch für den GraWo übernommen. Darüber hinaus wurde ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl der Itemsets, bestehend aus Zielitem und Distraktoritems, gelegt (Bühner, 2011). Dabei stellten Wortfrequenz, Wortlänge, Zugehörigkeit zu einer Wortart bzw. zu einer Itemsubkategorie sowie Zugehörigkeit zu einem semantischen Bereich Kriterien zur Konstruktion der Itemsets dar. Durch die systematische Auswahl der Distraktoren sollten plausible Antwortalternativen generiert und der Test nicht zu einfach gestaltet werden. Die Itemreihenfolge wurde in Anlehnung an jene des WWT 6-10 festgelegt. Die Positionierung von Zielitem und Distraktoritems innerhalb eines Items erfolgte randomisiert.
Die initiale Rohfassung des GraWo (57 Items) wurde im Rahmen zweier Konstruktionstestungen überarbeitet. Konstruktionstestung I (N = 183) fand im Herbst 2014 innerhalb der ersten sechs Wochen nach Schulbeginn statt. Die Stichprobe setzte sich aus n = 94 Jungen und n = 89 Mädchen der 2. und 3. Klassenstufe zusammen, wobei relativ viele dieser Kinder (n = 134) eine andere Erstsprache als Deutsch (L2 Deutsch) hatten. Konstruktionstestung II (N = 183) fand im Frühjahr 2015, in der Mitte des gleichen Schuljahres, statt. Die Stichprobe bestand aus n = 89 Jungen und n = 94 Mädchen, wobei in dieser Stichprobe nur n = 92 Kinder mit L2 Deutsch vertreten waren. Im gesamten Revisionsprozess wurden ungeeignete Items (z. B. aufgrund zu geringer Trennschärfen, zu geringer oder zu hoher Itemschwierigkeiten) entfernt, sodass die finale Testversion schließlich 30 Items enthält.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der standardisierten Instruktionen, der einfachen und standardisierten Auswertung und der vorliegenden Normwerte sind Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität gesichert. Letztere wird darüber hinaus durch Informationen zur weiterführenden Diagnostik und Handlungsempfehlungen für einen wortschatzbasierten Unterricht ergänzt (Seifert et al., 2017, S. 31).
 

Reliabilität

Zur Bestimmung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha, Split-half-Reliabilitäten (Odd-Even, Spearman-Brown) und Retestreliabilitäten bestimmt. Dabei entsprechen die zugrundeliegenden Stichproben den Normierungsstichproben.
Die für die Gesamtstichprobe (N1 = 819, N2 = 763, N3 = 751) berechneten internen Konsistenzen betrugen zwischen Alpha = .79 (3. Klasse zu Schuljahresbeginn) und Alpha = .88 (1. Klasse zu Schuljahresbeginn), die Split-half-Reliabilitäten zwischen rtt = .70 (3. Klasse zu Schuljahresbeginn) und rtt = .87 (1. Klasse zu Schuljahresende). Die Retestreliabilität wurde an einer Teilstichprobe der Gesamtstichprobe berechnet (n = 244; Retestintervall: 2-3 Wochen) und betrug zwischen rtt = .88 und rtt = .93 (Seifert et al., 2017, S. 50).
Darüber hinaus wurden interne Konsistenzen, getrennt für Kinder mit L1 Deutsch (n = 1682) und L2 Deutsch (n = 668), berechnet. Diese betrugen für Kinder mit L1 Deutsch zwischen Alpha = .61 (2. Klasse zu Schuljahresbeginn) und Alpha = .77 (1. Klasse zu Schuljahresende) sowie für Kinder mit L2 Deutsch zwischen Alpha = .77 (2. Klasse zu Schuljahresbeginn) und Alpha = .85 (1. Klasse zu Schuljahresende). Die Stichprobenangaben der Teilstichprobe L2 Deutsch entsprechen der gewichteten Stichprobe.
 

Validität

Konstruktvalidität: Zur Überprüfung der Konstruktvalidität wurde für jede Klassenstufe der Gesamtstichprobe zu Schuljahresende eine Hauptkomponentenanalyse durchgeführt (Seifert et al., 2017, S. 44 f.). Deren Ergebnisse unterstützen die a priori angenommene Einfaktorenstruktur des Verfahrens, welche zwischen 17.39% und 22.77% der Gesamtvarianz aufklären kann.
Kriteriumsvalidität: Die Kriteriumsvalidität des GraWo wurde mittels Korrelationen zum Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige (WWT 6-10; Glück, 2007), dem Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler (ELFE 1-6; Lenhard & Schneider, 2006), dem Differenzierten Lesetest - Verständnis (DiLe-V; Schwab, Seifert, Paleczek & Gasteiger-Klicpera, in Vorb.), dem Differenzierten Lesetest - Dekodieren (DiLe-D; Paleczek, Seifert, Obendrauf, Schwab & Gasteiger-Klicpera, 2017) sowie zu Einschätzungen durch Lehrpersonen berechnet (Seifert et al., 2017, S. 51 f.). Erwartungskonform wurden relativ hohe Korrelationen zum WWT 6-10 (r = .55-.89) sowie vorwiegend moderate Korrelationen zum ELFE 1-6 (r = .29-.43 auf Wortebene, r = .31-.49 auf Satzebene) und DiLe-V (r = .30-.35 auf Wortebene, r = .30-.49 auf Satzebene, r = .31-.40 auf Textebene) erzielt. Ebenfalls erwartungskonform fielen die Zusammenhänge zum DiLe-D eher gering aus (r = .16-.27 auf Wortebene, r = .12-.16 auf Pseudowortebene).
Die Einschätzungen durch Lehrpersonen erfolgten hinsichtlich der Wortschatzfähigkeiten und Leseleistungen der Kinder auf einer vierstufigen Likert-Skala. Auch diese Zusammenhänge erzielten erwartungskonforme moderate Korrelationen, die für die Wortschatzfähigkeiten (r = .48-.56 für den rezeptiven Wortschatz, r = .53-.61 für den expressiven Wortschatz) etwas höher ausfielen als für die Leseleistungen (r = .45-.51 für das Leseverständnis, r = .20-.40 für die Lesegeschwindigkeit).
 

Normierung

Die Normierung des Verfahrens fand zu Schuljahresende im Mai/Juni 2015 (n = 1 415) sowie zu Schuljahresbeginn im September/Oktober 2015 (n = 1 226) in Österreich (Steiermark) und Deutschland (Nordrhein-Westfalen) statt. Diese Gesamtstichprobe ist repräsentativ hinsichtlich ihres Anteils an Kindern mit L2 Deutsch. Aufgrund eines gegenüber der Grundgesamtheit erhöhten Anteils von Kindern mit L2 Deutsch in der Stichprobe zu Schuljahresbeginn wurde diese mithilfe eines Gewichtungsfaktors korrigiert (n = 1 000). Da die berechneten Normwerte insbesondere bei Kindern mit L2 Deutsch, differenzieren sollten, wurde darüber hinaus eine entsprechende Teilstichprobe mit n = 491 Kindern zu Schuljahresbeginn und n = 406 Kindern zu Schuljahresende erhoben.
Im Anhang des Testmanuals (Seifert et al., 2017, S. 58 f.) liegen Normwerte in Form von Prozenträngen vor, die getrennt für die Gesamtstichprobe sowie für die Teilstichprobe L2 Deutsch aufgeführt werden. Die Normwerte werden für die ersten drei Klassenstufen sowie für Schuljahresbeginn und Schuljahresende angegeben. Darüber hinaus enthalten die Tabellen Mittelwerte, Standardabweichungen und Mediane sowie relevante Angaben zur Normstichprobe. Hinweise zur korrekten Interpretation der Normwerte sowie deren Vermittlung an Dritte (z. B. Eltern) können ebenfalls im Testmanual (S. 42 f.) nachgeschlagen werden.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Verfahren kann bei Kindern eingesetzt werden, bei denen Defizite im rezeptiven Wortschatz in Bezug auf die deutsche Sprache vermutet werden. Da eine Testung mit dem GraWo im Sinne eines Screenings erfolgt, sollten zur differenzierten Abklärung auffälliger Testleistungen weitere Verfahren hinzugezogen werden (Seifert et al., 2017, S. 33).
Die vorliegenden Normwerte erlauben Testungen sowohl bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache (L1 Deutsch) als auch bei Kindern mit einer anderen Erstsprache (L2 Deutsch). Wenngleich der GraWo vorrangig für den Einsatz in Schulklassen konzipiert wurde, erscheinen auch Sprachförderung/Sprachtherapie und Forschung als weitere sinnvolle Anwendungsfelder.
 

Bewertung

Mit dem GraWo liegt ein sorgfältig konstruiertes Instrument zur Erfassung rezeptiver Wortschatzleistungen im Grundschulalter vor. Das Verfahren erfasst einen für die Entwicklung ausgewählter Schulleistungen (z. B. Leseverständnisfähigkeiten) zentralen Teilbereich sprachlicher Leistungen und leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur frühzeitigen Identifikation entsprechender Defizite. Dabei erlaubt die Testkonstruktion sowohl quantitative als auch qualitative Analysen, sodass Ansätze für eine zielgerichtete Förderung gut herausgearbeitet werden können. Das Verfahren ist äußerst ökonomisch und kann sowohl in praktischen als auch in forschungsbasierten Settings eingesetzt werden. Es verfügt über gute bis sehr gute Reliabilitätskennwerte, die zudem durch unterschiedliche Reliabilitätsaspekte (interne Konsistenz, Split-half und Retest) erzielt werden konnten. Die zurzeit vorliegenden Studien unterstützen darüber hinaus die Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des GraWo. Weiterhin ist die Normstichprobe als hinreichend groß und repräsentativ zu bezeichnen. Die vorliegenden Normen sind praktikabel und erlauben sowohl einen Vergleich mit der Gesamtstichprobe als auch mit einer spezifischen "L2 Deutsch"-Stichprobe. Letztlich sprechen auch das ansprechend und kindgerecht gestaltete Testmaterial sowie die übersichtlichen Test- und Auswertungsbögen für das Verfahren.
 

Literatur

  • Bühner, M. (2011). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion (3. Auflage). München: Pearson Studium.
  • Cobo-Lewis, A. B., Pearson, B. Z., Eilers, R. E. & Umbel, V. C. (2002a). Chapter 4: Effects of bilingualism and bilingual education on oral and written English skills: A multifactor study of standardized test outcomes. In D. K. Oller & R. E. Eilers (Eds.), Language and literacy in bilingual children (pp. 64-97). Clevedon, UK: Multilingual Matters.
  • Cobo-Lewis, A. B., Pearson, B. Z., Eilers, R. E. & Umbel, V. C. (2002b). Chapter 5: Effects of bilingualism and bilingual education on oral and written Spanish skills: A multifactor study of standardized test outcomes. In D. K. Oller & R. E. Eilers (Eds.), Language and literacy in bilingual children (pp. 98-117). Clevedon, UK: Multilingual Matters.
  • Elben, C. E. (2002). Sprachverständnis bei Kindern. Untersuchungen zur Diagnostik im Vorschul- und frühen Schulalter (Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie, Band 28). Münster: Waxmann.
  • Elben, C. E. & Lohaus, A. (2000). Marburger Sprachverständnistest für Kinder (MSVK). Göttingen: Hogrefe.
  • Glück, C. W. (2007). Wortschatz- und Wortfindungstest für 6- bis 10-Jährige (WWT 6-10). München: Urban & Fischer.
  • Goldberg, H., Paradies, J. & Crago, M. (2008). Lexical acquisition over time in minority L1 children learning English as a L2. Applied Psycholinguistics, 29 (1), 41-65.
  • Kauschke, C. & Siegmüller, J. (2010). Patholinguistische Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen (PDSS) (2. Auflage). München: Elsevier.
  • Klassert, A. (2011). Lexikalische Fähigkeiten bilingualer Kinder mit Migrationshintergrund. Eine Studie zum Benennen von Nomen und Verben im Russischen und im Deutschen. Dissertation, Phillips Universität Marburg.
  • Lenhard, W. & Schneider, W. (2006). Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler (ELFE 1-6). Göttingen: Hogrefe.
  • Niebuhr-Siebert, S. & Baake, H. (2014). Kinder mit Deutsch als Zweitsprache in der Grundschule. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Paleczek, L., Seifert, S., Obendrauf, T., Schwab, S. & Gasteiger-Klicpera, B. (2017). Differenzierter Lesetest - Dekodieren (DiLe-D). Göttingen: Hogrefe.
  • Schwab, S., Seifert, S., Paleczek, L. & Gasteiger-Klicpera, B. (in Vorb.). Differenzierter Lesetest - Verständnis (DiLe-V). Graz: Karl-Franzens-Universität.
  • Seifert, S., Paleczek, L., Schwab, S. & Gasteiger-Klicpera, B. (2017). GraWo. Grazer Wortschatztest. Göttingen: Hogrefe.
  • Steinberg, D. D., Nagata, H. & Aline, D. (2001). Psycholinguistics. Language, mind, and world (2nd ed.). Harlow: Longman Linguistics Library.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Screening Tests; Test Norms; Pictorial Stimuli; Elementary School Students; Developmental Measures; Developmental Psychology; Language Development; Verbal Ability; Vocabulary; Word Recognition

Klassische Testtheorie; Screening Tests; Testnormen; Bild-Stimuli; Grundschüler; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Sprachentwicklung; Sprachliche Fähigkeit; Vokabular; Worterkennen

 weitere Schlagworte:

2017; Rezeptiver Wortschatz; 30 Wort-Bild-Zuordnungsaufgaben; ab 1. Schuljahr; bis 3. Schuljahr; Bereiche: 1 Monomorphematische Nomen, 2 Kategoriale Nomen, 3 Nomenkomposita, 4 Verben, 5 Adjektive, 6 Präpositionen; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2015; Stichprobe(n): 2415
 Klassifikation:

Pädagogische Messung und Beurteilung; Entwicklungstests; Sprache und Sprechen; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung
Wortschatztests; Tests zur sprachlichen Entwicklung
6.2.3; 1.6
 Anwendungstyp: Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Austria
 Publikationsjahr: 2017
 Änderungsdatum: 201801
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID