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Neuropsychological Assessment Battery - deutschsprachige Adaptation

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007181
 

NAB - Neuropsychological Assessment Battery - deutschsprachige Adaptation (PSYNDEX Tests Review)

 

Neuropsychological Assessment Battery (NAB; Stern, R. A. & White, T., 2003) - German adaptation/author

 Petermann, F., Jäncke, L. & Waldmann, H.-C.
 (2016). NAB. Neuropsychological Assessment Battery. Deutschsprachige Adaptation der Neuropsychological Assessment Battery von Robert A. Stern und Travis White. Unter Mitarbeit von Mona Bornschlegl [Test komplett mit Modul Screening, Modul Aufmerksamkeit, Modul Sprache, Modul Wahrnehmung, Modul Gedächtnis, Modul Exekutive Funktionen, 5 Gesamt-Profilbögen und Video-Tutorial; separat: Testmaterialien sowie Auswerteprogramme (Online- oder Offline-Version)]. Bern: Hogrefe.

Preis: 1.890,00 Euro (Test komplett; Stand: 9.5.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o PD Dr. Monika Daseking, Professur für Pädagogische Psychologie, Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg, Professurvertretung für Pädagogische Psychologie PD Dr. Monika Daseking, Holstenhofweg 85, D-22043 Hamburg ; E-Mail: dasekinm@hsu-hh.de ; URL: https://legacy.hsu-hh.de/paepsy/ ; Stand: 9.5.2018
o Prof. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke, Universität Zürich, Psychologisches Institut, Lehrstuhl für Neuropsychologie, Binzmühlestrasse 14/25, CH-8050 Zürich, Switzerland ; E-Mail: sekretariat-neuropsychologie@psychologie.uzh.ch ; URL: https://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/nec/neuropsy/Team/Leitung/jaencke.html ; Stand: 25.1.2018
o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
o Dorota Buczylowska, Universität Bremen, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Grazer Straße 6, D-28359 Bremen ; E-Mail: buczylowska@uni-bremen.de ; URL: https://www.zkpr.uni-bremen.de/zentrum/mitarbeiter/dorota-buczylowska/ ; Stand: 9.5.2018
o Dr. Mona Bornschlegl, Georg-August-Universität Göttingen, Universitätsmedizin Göttingen, Zentrum 16 Psychosoziale Medizin, Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Waldweg 37A, D-37073 Göttingen ; E-Mail: mona.bornschlegl@med.uni-goettingen.de ; URL: https://ecampus.uni-goettingen.de/sb/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoPerson&publishSubDir=personal&keep=y&purge=y&personal.pid=135616&showsearch=n ; Stand: 25.1.2018
 WWW-Informationen:
  • NAB - Neuropsychological Assessment Battery - deutschsprachige Adaptation (Informationen von der Testzentrale mit Bestellmöglichkeit sowie weiterem Online-Informationsmaterial: Übersicht zu sämtlichen Untertests und Aufgaben, NAB-Fallbeispiele zu Screening, Aufmerksamkeit, Sprache, Wahrnehmung, Gedächtnis, Exekutive Funktionen und einem Hinweis auf kostenlose Webinare zu dem Verfahren) (https://www.testzentrale.de/shop/neuropsychological-assessment-battery.html) (Stand: 25.1.2018)
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Neuropsychological Assessment Battery (NAB) erlaubt eine umfassende neuropsychologische Diagnostik bei Personen ab 18 Jahren bis ins hohe Alter in der klinischen Neuropsychologie, in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten sowie bei spezifischen Fragestellungen in der klinischen Psychologie und Psychiatrie.


Aufbau:
Die NAB ist modular aufgebaut und besteht aus einem übergreifenden Screening-Modul sowie aus fünf vertiefenden Modulen für einzelne neuropsychologische Funktionsbereiche: (1) Aufmerksamkeit, (2) Sprache, (3) Gedächtnis, (4) Wahrnehmung und (5) Exekutive Funktionen. Im Screening-Modul werden diese fünf Funktionsbereiche in Kurzform erfasst. Es werden jeweils unterschiedliche Aufgabentypen und Antwortformate verwendet (offene Fragen zur Orientierung, Wiederholung von Wörtern und Zahlen oder Kurzgeschichten, Nachzeichnen vorgegebener Figuren, Puzzleaufgaben, Bilder benennen, vergleichen, freie Wortproduktion, Labyrinthe lösen, Zeitpläne erstellen, Stadtplan lesen, Medikation oder Anschrift erinnern, Straßenszenen vergleichen, Rechnung bezahlen, Risiken im täglichen Leben beurteilen).


Grundlagen und Konstruktion:
Es handelt sich um die deutschsprachige Adaptation der amerikanischen Fassung von Stern und White (2003). Die modulare Struktur des Originals wurde beibehalten und das Material der sprachfreien Aufgaben weitgehend übernommen. Im Zuge der Adaptation wurden einige Anpassungen vorgenommen: Sprachbasierte Aufgaben wurden nicht nur übersetzt, sondern an die hiesigen Gegebenheiten angepasst. Es wurden Aufgaben neu erstellt (im Screening-Modul Screening Sprachproduktion, Screening Planen und Screening Wortflüssigkeit; im Modul Exekutive Funktionen Planen und Wortflüssigkeit), dafür andere Aufgaben gestrichen (Aufgabe Screening Sprachverständnis und Screening Wörter bilden). Einige Aufgaben wurden gekürzt (im Modul Aufmerksamkeit: Aufgabe Punkte sowie Aufgabe Zahlen und Buchstaben Teil A; im Modul Sprache: Aufgabe Sprachproduktion, Aufgabe Sprachverständnis - Formen und Aufgabe Sprachverständnis Farben/Formen/Zahlen; im Modul Wahrnehmung: Aufgabe Bilder unterscheiden).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Reliabilitäten liegen für die Modulwerte zwischen Cronbachs Alpha = .70 und Alpha = .88 und für den NAB-Gesamtwert bei Alpha = .93. Die Retestreliabilitäten nach durchschnittlich zwei Monaten liegen für den Gesamtwert bei rtt = .89 (Teilnehmer bis 69 Jahre) und bei rtt = .91 (Teilnehmer ab 70 Jahre). Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
Validität: Die ökologische Validität wurde für die amerikanische Originalversion durch Korrelationen mit funktionellen Einschränkungen im Alltag und mit Spätfolgen bei Schädel-Hirntrauma-Patienten nachgewiesen und zudem durch die Aufnahme alltagsbezogener Aufgaben gesichert. Die Konstruktvalidität der NAB-Aufgabe Benennen wurde ebenfalls für die amerikanische Originalversion durch Vergleiche mit anderen Instrumenten zur neuropsychologischen Diagnostik nachgewiesen. Belege für die Konstruktvalidität weiterer NAB-Untertests sowie für die deutsche Fassung stehen noch aus. Die Kriteriumsvalidität ist laut Autorenaussage in mehreren Untersuchungen nachgewiesen, die aber nicht näher benannt werden.
Normen: Es liegen nach Alter differenzierte Normen (z-Werte, T-Werte, Standardwerte, Perzentile) sowie kumulierte Prozentwerte für deskriptive Werte aus Repräsentativerhebungen im Zeitraum zwischen Februar 2014 und April 2015 vor (N = 880).

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Neuropsychological Assessment Battery (NAB; Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016a) ist eine umfangreiche, modular aufgebaute Testbatterie für die neuropsychologische Diagnostik. Es handelt sich um die deutschsprachige Adaptation des amerikanischen Originals von Stern und White (2003).
In der deutschsprachigen neuropsychologischen Diagnostik fehlte bislang eine Testbatterie, die verschiedene Funktionsbereiche abdeckt, aktuelle Konzepte der Kognitiven Psychologie einbezieht und an der gleichen, aktuellen Stichprobe normiert ist. Viele Neuropsychologen würden sich behelfen, indem sie je nach Anforderung und Fragestellung eigene Testbatterien aus verschiedenen Einzelverfahren zusammenzustellten, so die Autoren (Petermann et al., 2016a, S. 18). Diese Praxis habe verschiedene psychometrische Mängel. So verfügten diese Tests meist nicht über passende Screeningtests und zudem fehlten geeignete Parallelformen. Als besonders problematisch an dieser Praxis sehen die Testautoren aber, dass die verschiedenen Tests nicht an den gleichen Stichproben normiert wurden und sich folglich die Ergebnisse auf unterschiedliche, mitunter veraltete Normen beziehen (S. 18). Mit den Materialien und Normwerten für die neuropsychologische Diagnostik (MNND; Balzer et al., 2011) läge zwar eine an einer Stichprobe normierte Testbatterie vor, die jedoch keine vollumfängliche Erhebung der Funktionsbereiche gewährleiste (Petermann et al., 2016a, S. 19). Mit der NAB soll diese Lücke geschlossen und ein Instrument vorgelegt werden, das sich an den Erkenntnissen der modernen Neuropsychologie orientiert, alle wichtigen kognitive Funktionen abdeckt und dessen Bestandteile alle an einer Stichprobe normiert sind. Das Instrument sollte zudem auch für ältere Menschen über 85 Jahre normiert sein.
Der Aufbau der NAB folgt einem hierarchischen Modell, bei dem der Aufmerksamkeit eine grundlegende Funktion zukommt, weil sie bei vielen psychologischen Funktionen essenziell ist (Petermann et al., 2016a, S. 63). Die Autoren bilden dieses hierarchische Modell als Pyramide ab, deren Fundament die Aufmerksamkeit bildet. Sie schlüsselt sich auf in die fünf Teilbereiche (a) Daueraufmerksamkeit, (b) Arbeitsgedächtnis, (c) geteilte Aufmerksamkeit, (d) selektive Aufmerksamkeit und (e) psychomotorische Geschwindigkeit. Wenn die Aufmerksamkeit einer Person beeinträchtigt ist, dann wird sie auch Defizite bei der Interaktion mit der Umwelt aufweisen und dementsprechend auch Schwierigkeiten bei der Bearbeitung der anderen NAB-Module haben. Die zweite hierarchische Ebene beinhaltet Sprache (Verständnis und Produktion verbaler Information) und Wahrnehmung (visuelle Wahrnehmung, räumliche und geografische Orientierung, Beurteilung von Winkeln und räumlichen Relationen, mentale Organisation bzw. Repräsentation von visuellen Stimuli, verschiedene Konstruktionsleistungen). Lernen und Gedächtnis bilden die dritte Ebene neuropsychologischer Funktionen. Als vierte und oberste Ebene sehen die Autoren Exekutive Funktionen (auch als "höhere kognitive oder kortikale Funktionen" bezeichnet, S. 64), die nötig sind, um Verhalten zu organisieren, zu planen und mit den externen und internen Bedürfnissen abzustimmen. Sie haben eine herausragende Bedeutung für das soziale und berufsbezogene Verhalten von Menschen. Die Autoren weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dem hierarchischen Modell der neuropsychologischen Funktionen um eine Heuristik und nicht um ein empirisch abgesichertes Modell handelt (S. 64). Das Modell soll dem Testanwender eine hypothesengeleite Untersuchung ermöglichen und eine Orientierung bei der Interpretation bieten.
Im Zuge der Adaptation wurden einige Veränderungen vorgenommen, sodass sich gegenüber dem amerikanischen Original viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Abweichungen ergeben. So wurde dessen Modulstruktur beibehalten, ebenso die Modulinhalte. Das Testmaterial der sprachfreien Aufgaben wurde unverändert übernommen. Bei den sprachbasierten Aufgaben wurde im Zuge der Adaptation unterschiedlich verfahren (S. 25): Nur ein Teil der sprachbasierten Aufgaben wurde lediglich übersetzt, der größte Teil wurde an die hiesigen Gegebenheiten angepasst und in einigen Fällen auch neu konstruiert. Einige Aufgaben des US-Vorbildes wurden auch nicht übernommen, im Modul "Exekutive Funktionen" wurden Aufgaben neu aufgenommen, die in der neuropsychologischen Diagnostik im deutschsprachigen Raum etabliert sind. Bildmaterial wurde an das Deutsche angepasst, z. B. im Modul "Aufmerksamkeit" die Straßenszenen mit im deutschsprachigen Raum üblichen Ampelanlagen und Beschriftungen von abgebildeten Polizei- oder Krankenwagen (Petermann et al., 2016a, S. 29).
Als Ergebnis dieser Veränderungen ist die deutsche Fassung im Vergleich zur amerikanischen insgesamt kürzer in der Durchführung. Nicht enthalten im NAB sind motorische und sensorisch-perzeptuelle Fähigkeiten, weil die vor der NAB-Konstruktion durchgeführte Bedarfsanalyse ergeben hat, dass diese Funktionsbereiche von sekundärer Bedeutung sind (Petermann et al., 2016a, S. 64).
Als übergeordnetes Adaptationsziele nennen die Autoren, dass sie alle Redundanzen bei der Testdurchführung vermeiden und zugleich das Original so getreu wie möglich an die Anforderungen des deutschsprachigen Raumes übertragen wollten (Buczylowska et al., 2013, S. 225).
 

Testaufbau

Das Verfahren ist eine modular aufgebaute Testbatterie, bestehend aus einem übergreifenden Screening-Modul sowie fünf vertiefenden Modulen für einzelne neuropsychologische Funktionsbereiche (Aufmerksamkeit, Sprache, Gedächtnis, Wahrnehmung und Exekutive Funktionen; Petermann et al., 2016a, S. 13). Die sechs Module können unabhängig voneinander eingesetzt werden. Alle NAB-Aufgaben sind Papier-Bleistift-Aufgaben und räumlich flexibel einsetzbar.
Nachfolgend sind die kognitiven Leistungsbereiche aufgeführt, die mit den sechs Modulen erfasst werden. In Klammern finden sich die im Verfahren verwendeten Abkürzungen für Module, einzelne Aufgaben und Indexwerte, eine Kurzbeschreibung der Aufgabe sowie des neuropsychologischen Funktionsbereiches.

A. Screening (SC; 15 Aufgaben zur Erfassung des übergeordneten neuropsychologischen Funktionsniveaus; Kurzerfassung von Aufmerksamkeit, Sprache, Gedächtnis, Wahrnehmung und Exekutive Funktionen):
(1) Screening Orientierung (S-ORN; 16 Items zur Orientierung in Zeit, Raum und Situation);
(2) Screening Zahlen vorwärts (S-ZAV und SC-AU; mündlich präsentierte Ziffern wiederholen; auditive Aufmerksamkeitsspanne);
(3) Screening Zahlen rückwärts (S-ZAR und SC-AU; mündlich präsentierte Ziffern umgekehrt wiederholen; Arbeitsgedächtnis für mündlich präsentierte Informationen);
(4) Screening Sprachproduktion (S-SPR und SC-SP; mündlich ein Bild mit einer Familienszene beschreiben; Sprachproduktion und Redefluss);
(5) Screening Formen lernen: unmittelbares Wiedererkennen (S-FL und SC-GE; visuelles Lernen von fünf Zeichnungen mit unmittelbarem Wiedererkennen bei vier Auswahlmöglichkeiten; explizites Lernen und Gedächtnis für visuelle Informationen);
(6) Screening Geschichte lernen: unmittelbarer Abruf (S-GL und SC-GE; verbales Lernen von Zwei-Satz-Geschichten mit unmittelbarem Abruf; explizites Lernen und Gedächtnis für zusammenhängende verbale Informationen);
(7) Screening Labyrinthe (S-LAB und SC-EX; drei Papier-Bleistift-Labyrinthe zunehmender Komplexität bearbeiten; Planung, Impulskontrolle und psychomotorische Geschwindigkeit);
(8) Screening Zahlen & Buchstaben (S-Z&B und SC-AU; Teil A: Buchstaben durchstreichen, Teil B: kombiniert Buchstaben durchstreichen und Zahlen addieren; psychomotorische Geschwindigkeit, Konzentration, geteilte Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit);
(9) Screening Formen lernen: verzögertes Wiedererkennen (S-FL und SC-GE; visuelles Lernen von fünf Zeichnungen mit verzögertem Wiedererkennen bei vier Auswahlmöglichkeiten; explizites Lernen und Gedächtnis für visuelle Informationen);
(10) Screening Geschichte lernen verzögerter Abruf (S-GL und SC-GE; verbales Lernen von Zwei-Satz-Geschichten mit verzögertem Abruf; explizites Lernen und Gedächtnis für zusammenhängende verbale Informationen);
(11) Screening Benennen (S-BEN und SC-SP; Bezeichnung eines abgebildeten Objektes nennen; visuelles Benennen und Wortfindung);
(12) Screening Planen (S-PLA; Zeitplan für 10 Termine erstellen mit Berücksichtigung von Öffnungszeiten; Planungsfähigkeit, Umstellungsvermögen sowie abstraktes und strategisches Denken);
(13) Screening Figuren legen (S-FIG und SC-WA; zwei-dimensionale Figuren mit Tangram-Plättchen nachlegen; Visuo-Konstruktion und visuo-räumliche Fähigkeiten);
(14) Screening Bilder unterscheiden (S-BIU und SC-WA; Zielbild aus vier ähnlichen Bildern auswählen; visuelle Wahrnehmung, visuo-räumliche Fähigkeiten, Detailgenauigkeit und Sorgfalt);
(15) Screening Wortflüssigkeit (S-WFL und SC-EX; freie Wortproduktion mit vorgegebenem Anfangsbuchstaben; phonematische Wortflüssigkeit).

B. Aufmerksamkeit (AU; 6 Aufgaben zu Aufmerksamkeitskapazität, Arbeitsgedächtnis, psychomotorischer Geschwindigkeit, selektiver und geteilter Aufmerksamkeit, Ablenkbarkeit, Daueraufmerksamkeit, Detailgenauigkeit, mentaler Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit):
(1) Orientierung (ORN; 16 Items zur Orientierung in Zeit, Raum und Situation);
(2) Zahlen vorwärts (ZAV; mündlich präsentierte Ziffern umkehrt wiederholen; auditive Aufmerksamkeitsspanne);
(3) Zahlen rückwärts (ZAR; Arbeitsgedächtnis für mündlich präsentierte Informationen);
(4) Punkte (PUN; Kurz-Präsentation einer Seite mit mehreren Punkten, danach einer farbigen Seite und anschließend erneute Präsentation der Seite mit Punkten, ergänzt um einen neuen Punkt, der zu erkennen ist; visuelles Arbeitsgedächtnis und visuelle Übertragungsleistung);
(5) Zahlen und Buchstaben (Z&B; Teil A: Buchstaben durchstreichen, Teil B: Buchstaben zählen, Teil C: Zahlen addieren, Teil D: gleichzeitig Buchstaben durchstreichen und Zahlen addieren; psychomotorische Geschwindigkeit, Konzentration, kontinuierliche und geteilte Aufmerksamkeit, fokussierte oder selektive Aufmerksamkeit sowie Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit);
(6) Straßenszenen (STR; alltagsnahe Aufgabe; bei einer Serie von sechs Zeichnungen von Straßenszenen sind Unterschiede im Vergleich zur vorherigen Szene zu benennen; visuelles Arbeitsgedächtnis und visuelle Suche, Detailgenauigkeit und Sorgfalt sowie selektive Aufmerksamkeit).

C. Sprache (SP; 6 Aufgaben zu Sprachstörungen oder anderweitig beeinträchtigter verbaler Kommunikationsfähigkeit und Wortfindung):
(1) Sprachproduktion (SPR; mündlich ein Bild mit einer Familienszene beschreiben; Sprachproduktion und Redefluss);
(2) Sprachverständnis (SPV; sechsteilige Aufgabe, verstehen und ausführen mündlicher Instruktionen; auditives Sprachverständnis);
(3) Benennen (BEN; Bezeichnung eines abgebildeten Objektes nennen; visuelles Benennen und Wortfindung);
(4) Leseverständnis (LEV; auf einzelne Wörter oder Sätze zeigen, die zu einem visuellen Stimulus passen; Leseverständnis einzelner Wörter und ganzer Sätze);
(5) Schreiben (SCH; Diktat einzelner Buchstaben, Wörter und Sätze; Schreiben nach Diktat, Lesbarkeit, auditives Sprachverständnis und Rechtschreibung);
(6) Rechnung bezahlen (REC; alltagsbezogene Aufgabe mit fünf Fragen zu einer Rechnung, einem Kontoauszug und einer SEPA-Überweisung, komplettes Ausfüllen der Überweisung; auditives Sprachverständnis, Sprachproduktion, Leseverständnis sowie Schreiben in ein Formular).

D. Gedächtnis (GE; 10 Aufgaben zu expliziter verbaler und visueller Lernfähigkeit, verzögerter Abruf verbaler Informationen, verzögertes Wiedererkennen verbaler und visueller Information):
(1) Wortliste lernen: unmittelbarer und kurz verzögerter Abruf (WL; Lernen von Liste A und B mit je 12 Wörtern aus drei unterschiedlichen semantischen Kategorien und unmittelbarer Abruf, anschließend Wiedergabe der Liste A ohne erneute Präsentation für den kurz verzögerten Abruf; explizites Lernen und Gedächtnis für verbale Informationen über mehrere Lerndurchgänge);
(2) Formen lernen: unmittelbares Widererkennen (FL; visuelles Lernen einer Folge von neun Zeichnungen in drei Lerndurchgängen mit unmittelbarem und verzögertem Wiedererkennen; explizites Lernen und Gedächtnis für visuelle Informationen über mehrere Lerndurchgänge);
(3) Geschichte lernen: unmittelbarer Abruf (GL; verbales Lernen einer Fünf-Sätze-Geschichte in zwei Lerndurchgängen mit unmittelbaren Abruf; explizites Lernen, Gedächtnis und freier Abruf zusammenhängender verbaler Informationen);
(4) Wortliste lernen: lang verzögerter Abruf und Wiedererkennen (WL; freier, lang verzögerter Abruf der Liste A aus der Aufgabe 1 sowie lang verzögertes Wiedererkennen der gleichen Liste; explizites Lernen und Langzeitgedächtnis für verbale Informationen);
(5) Alltagsgedächtnis Medikation: unmittelbarer Abruf (AG; verbales Lernen alltagsrelevanter Information zur Medikation in drei Lerndurchgängen mit unmittelbarem Abruf; explizites Lernen, Gedächtnis und freier Abruf verbaler Informationen aus dem täglichen Leben);
(6) Alltagsgedächtnis Anschrift: unmittelbarer Abruf (AG; verbales Lernen alltagsrelevanter Information zu Anschriften in drei Lerndurchgängen mit unmittelbarem Abruf; explizites Lernen, Gedächtnis und freier Abruf verbaler Informationen aus dem täglichen Leben);
(7) Formen lernen: verzögertes Wiedererkennen (FL; visuelles Lernen einer Folge von neun Zeichnungen in drei Lerndurchgängen mit verzögertem Wiedererkennen sowie verzögertes Forced-Choice-Wiedererkennen; explizites Lernen und Langzeitgedächtnis für visuelle Informationen);
(8) Geschichte lernen: verzögerter Abruf (GL; verbales Lernen einer Fünf-Sätze-Geschichte in zwei Lerndurchgängen mit verzögertem Abruf; explizites Lernen, Langzeitgedächtnis und freier Abruf zusammenhängender verbaler Informationen);
(9) Alltagsgedächtnis Medikation: verzögertes Wiedererkennen (AG; Auswahl der richtigen Medikationsanweisung von Aufgabe 5 aus vier Alternativen; Langzeitgedächtnis und Konsolidierung);
(10) Alltagsgedächtnis Anschrift: verzögerter Abruf (AG; freier Abruf der Anschriften-Details aus Aufgabe 6; Langzeitgedächtnis und Konsolidierung).

E. Wahrnehmung (WA; 4 Aufgaben zur visuellen Wahrnehmung, visuo-räumliche Fähigkeiten, Visuo-Konstruktion, räumliche Orientierung, Links-Rechts-Unterscheidung, visuelle Suche):
(1) Bilder unterscheiden (BIU; visueller Vergleich eines Zielbildes mit vier ähnlichen Bildern; visuelle Wahrnehmung, visuoräumliche Fähigkeiten, Detailgenauigkeit und Sorgfalt);
(2) Figuren legen (FIG; zweidimensionale Figuren mit Tangram-Plättchen nachlegen; Visuo-Konstruktion und visuoräumliche Fähigkeiten);
(3) Zeichnen (ZEI; Nachzeichnen einer vorgegebenen Strichzeichnung zunächst als Kopie der sichtbaren Zeichnung, dann Abruf der Zeichnung aus dem Gedächtnis ohne sichtbare Vorlage; Visuo-Konstruktion und visuoräumliche Fähigkeiten, visuelle Organisation und Gedächtnis für visuoräumliches Material);
(4) Stadtplan lesen (STA; alltagsbezogene Aufgabe mit Beantwortung von Fragen zu einem Stadtplan; visuoräumliche Fähigkeiten, räumliche und Rechts-Links-Orientierung, visuelle Suche).

F. Exekutive Funktionen (EX; sechs Aufgaben zur Planungsfähigkeit, zu Urteilsvermögen, Begriffs- und Konzeptbildung, kognitiven Antwortschemata, mentaler Flexibilität, verbaler Flüssigkeit und divergentem Denken):
(1) Planen (PLA; Zeitplan für fünf Termine erstellen mit Berücksichtigung von Öffnungszeiten, Termindauer und Wegzeiten; Planungsfähigkeit, Umstellungsvermögen sowie abstraktes und strategisches Denken);
(2) Labyrinthe (LAB; sieben Papier-Bleistift-Labyrinthe mit zunehmender Komplexität müssen möglichst schnell gelöst werden, d. h. der Weg vom Startpunkt im Zentrum bis zum Ziel respektive Ausgang muss mit einem Bleistift abgefahren werden; Planung, Impulskontrolle sowie psychomotorische Geschwindigkeit);
(3) Wortflüssigkeit (WFL; freie Wortproduktion mit vorgegebenem Anfangsbuchstaben; phonematische Wortflüssigkeit);
(4) Urteilen (URT; alltagsbezogene Aufgabe mit freier Beantwortung von acht Fragen zu Risiken im häuslichen Umfeld, in Bezug auf die Gesundheit und im medizinischen Kontext; Urteils- und Entscheidungsfähigkeit bei Alltagsthemen und -situationen);
(5) Kategorien (KAT; sechs Fotos von Personen anhand von geschriebenen Informationen (wie z. B. Name, Beruf, Geburtsort) möglichst vielen, plausiblen und selbstbestimmten Zweier-Kategorien zuordnen; Begriffs- und Konzeptbildung, kognitive Antwortschemata sowie geistige Flexibilität und Kreativität);
(6) Wörter bilden (WOR; aus acht visuell vorgegebenen Buchstaben Wörter mit drei Buchstaben in 120 Sekunden bilden; Wortflüssigkeit und Kreativität).
 

Auswertungsmodus

Das Verfahren enthält unterschiedliche Aufgaben- bzw. Antwortformate, denen jeweils spezifische Auswertungsmodi zugeordnet sind:
(1) Sprache: Für Aufgaben mit offener verbaler Beantwortung (z. B. Modul Aufmerksamkeit: Orientierung; siehe unter "Testaufbau") sind je Item tabellarisch Bewertungskriterien für Antworten und zu vergebende Rohpunktwerte zusammengestellt.
(2) Figuren legen oder Zeichnen: Für Aufgaben, bei denen Figuren zu legen sind (z. B. Modul Wahrnehmung: Figuren legen oder Zeichnen; siehe unter "Testaufbau"), sind den Antworten anhand von Bewertungsbeispielen im Manual bzw. Protokollbogen Punktwerte zuzuordnen.
(3) Für Aufgaben mit geschlossenem Antwortformat (z. B. Modul Gedächtnis: Wortliste lernen, Modul Aufmerksamkeit: Zahlen und Buchstaben; siehe unter "Testaufbau") sind Punktwerte entlang von Bewertungsvorschriften im Protokollbogen zu vergeben. Zum Teil werden neben richtig oder falsch weitere Bearbeitungsaspekte wie etwa die Geschwindigkeit (Modul Aufmerksamkeit: Zahlen und Buchstaben) bewertet und notiert.

Die Testauswertung auf Modulebene umfasst im Wesentlichen drei Schritte:
(A) Umrechnung der Rohwerte in Skalenwerte. Die Rohwerte sind in die zum jeweiligen Modul gehörenden Protokollbögen einzutragen. Es werden drei Typen von Rohwerten bzw. Skalen unterschieden, die unterschiedlich weiterverwendet werden und sich in ihrem diagnostischen Informationsgehalt unterscheiden:
(1) Primärskalen. Diese bilden die wichtigsten Kennwerte zur Interpretation der einzelnen Aufgaben ab (Petermann et al., 2016a, S. 66). Primärskalenrohwerte werden anhand von Normtabellen im Manual des jeweiligen Moduls in z-Werte, T-Werte und Perzentile umgerechnet. Aus den T-Werten, die im Protokollbogen in farbig unterlegten Feldern notiert sind, wird eine T-Wert-Summe gebildet (z. B. Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016b, S. 32).
(2) Sekundärskalen. Diese Kennwerte werden in der Interpretation erst an zweiter Stelle betrachtet, weil sie weniger reliabel sind, aber dennoch wichtige differenzialdiagnostische Hinweise geben können (Petermann et al., 2016a, S. 66). Für Sekundärskalenrohwerte werden anhand von Normtabellen des Moduls Perzentile ermittelt.
(3) Deskriptive Werte. Diese Werte sind eher als qualitative Leistungsmerkmale zu verwenden, da sie eine eingeschränkte Varianz aufweisen, aber wie die Sekundärskalen zusätzliche diagnostische Hinweise geben können (Petermann et al., 2016a, S. 66). Die deskriptiven Werte werden anhand von Normtabellen des Moduls kumulativen Prozenten zugeordnet (z. B. Modul Gedächtnis: Wortliste lernen - semantische Kategorien, Perseverationen und Intrusionen; Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016c, S. 201 f.).
(B) Umrechnung der T-Wert-Summe in Standardwerte. Die T-Wert-Summen der Primärskalen werden anhand von modulspezifischen Normtabellen in Standardwerte (M = 100, SD = 15) umgerechnet und bilden den Indexwert für den betreffenden Funktionsbereich. Zusätzlich werden jeweils der Perzentilrang und das Konfidenzintervall aus den Normtabellen entnommen und im Protokollbogen notiert.
(C) Die T-Werte der Primärskalen sowie der Standard- bzw. Indexwert des Moduls werden in einen Profilbogen zur grafischen Darstellung des Leistungsprofils übertragen.

Modulübergreifende Testauswertung. Die Standard- bzw. Indexwerte der fünf Module können zu einem NAB-Gesamtwert summiert werden. Er bildet ein standardwertbasiertes Maß für das übergeordnete neuropsychologische Funktionsniveau und erlaubt, mit einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15 die allgemeine Leistungsfähigkeit einer Testperson einzuschätzen; höhere Werte stehen dabei für bessere Leistungen. NAB-Gesamtwerte unter 85 bzw. mehr als eine Standardabweichung unter dem Mittelwert indizieren eine beeinträchtigte Leistungsfähigkeit (Petermann et al., 2016a, S. 73).

Screening-basierte Testung. Als Reihenfolge für die Testdurchführung empfehlen die Autoren ein sequenzielles Vorgehen, bei dem zunächst das Screening-Modul eingesetzt wird und bei auffälligen Werten anschließend entweder die gesamte Testbatterie eingesetzt wird oder nur einzelne, im Screening auffällige Funktionsbereiche mit den Hauptmodulen überprüft werden. Ebenso sind nach Therapie- oder Rehabilitationsabschluss Messwiederholungen möglich, bei denen die Parallelform eingesetzt werden kann (Petermann et al., 2016a, S. 43 f.). Im Anschluss an das Screening sollten die Module in folgender Standardreihenfolge durchgeführt werden: Aufmerksamkeit, Sprache, Gedächtnis, Wahrnehmung und Exekutive Funktionen. Die Reihenfolge sollte auch eingehalten werden, wenn einzelne Module nicht angewendet werden (S. 58 f.). Die Umrechnung der Screeningrohwerte wird wie bei den Hauptmodulen vorgenommen (siehe Schritte A bis C); im Screening-Modul jeweils für die darin in Kurzform erfassten fünf Funktionsbereiche. Die bereichsbezogenen Standardwerte werden zu einem Indexwert Screening aufsummiert und aus den Screening-Normtabellen der zugehörige Standardwert, Perzentilrang sowie die Werte für das Konfidenzintervall abgelesen. Als Profilwerte werden zum einen je Funktionsbereich die T-Werte und der bereichsspezifische Standardwert im Profilbogen eingetragen und zusätzlich das Profil der Standardwerte je Screeningbereich sowie der Standardwert des Indexwertes Screening einer eigenen grafischen Übersicht zum gesamten Modul (Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016d, S. 67-73).
 

Auswertungshilfen

Zur Ermittlung der Rohwerte stehen Auswertungsbeispiele in den Modul-Manualen sowie auf den Protokollbögen zur Verfügung. Die Rohwerte können je nach Skalentyp (siehe unter "Auswertungsmodus") in z-Werte, altersspezifische T-Werte, Standardwerte sowie Perzentile oder kumulierte Prozente umgerechnet werden. Die Normwerte können mit Hilfe von Testprofilen und Konfidenzintervallen interpretiert werden. Zudem können Leistungsprofile anhand von kritischen Differenzen mit Bezug auf das Alter (18-69 Jahre; 70-99 Jahre; Petermann et al., 2016a, S. 67, S. 125) und anhand von Grundraten für Differenzen in der Population interpretiert werden (S. 67, S. 132). Zu jedem Modul wird darüber hinaus ein ausführliches Fallbeispiel vorgestellt. Im Screening-Modul werden für Standardwertebandbreiten Empfehlungen für die Anwendung der NAB-Hauptmodule gegeben (Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016d, S. 76).
Es steht ein computergestütztes Auswertungsprogramm zur Verfügung, das die Rohwertetransformationen vornimmt. Die gespeicherten Ergebnisprofile können exportiert werden. Das Programm gibt zudem Interpretationshinweise, basierend auf dem modulspezifischen Manual (Petermann et al., 2016a, S. 39).
 

Auswertungszeit

Zu der für die Auswertung benötigten Zeit werden im Manual keine Angaben gemacht. Sie dürfte jedoch bei entsprechender Übung des Testleiters innerhalb weniger Minuten je Modul zu bewältigen sein. Bei der computergestützten Auswertung ist nur die Eingabe der Rohdaten erforderlich.
 

Itembeispiele

Itembeispiele sind unter "Testaufbau" beschrieben.
 

Durchführung

 

Testformen

Die NAB-Bestandteile sind als Einzelverfahren durchzuführen. Es liegen zwei äquivalente Parallelformen als Testform 1 und Testform 2 vor (Petermann et al., 2016a, S. 24, S. 93).
 

Altersbereiche

Das Verfahren wurde für den Altersbereich 18 bis 99 Jahre konzipiert.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit der NAB liegt im Durchschnitt bei etwa drei Stunden insgesamt und für die einzelnen Module durchschnittlich zwischen 25 und 44 Minuten. Tabelle 1 gibt Richtwerte für die Durchführungszeiten in Abhängigkeit vom Alter der Testperson wieder.

Tabelle 1
Richtwerte für die Durchführungszeiten in Minuten der NAB-Module in Abhängigkeit vom Alter (Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016a, S. 25)
 ------------------------------------------------------------ ---------- 
Module bis 50 J. bis 70 J. > 70 J. Durchschnitt
------------------------------------------------------------ ----------
Screening 30 33 37 33
Aufmerksamkeit 24 25 27 25
Sprache 22 23 28 25
Gedaechtnis 31 33 36 33
Wahrnehmung 22 26 30 26
Exekutive Funktionen 40 44 46 44
------------------------------------------------------------ ----------
alle sechs Module 169 184 204 186
------------------------------------------------------------ ----------
Anmerkungen. J. = Jahre.
 

Material

Das Verfahren ist modular aufgebaut und kann als komplettes Testpaket mit allen Modulen und mit dem vollständigen Testmaterial bezogen werden. Daneben können die Module einzeln bezogen werden und enthalten dann jeweils das modulspezifische Manual und das zugehörige vollständige Testmaterial. Verbrauchsmaterial (Aufgabenhefte, Protokollbögen, Profilbögen) kann separat bezogen werden. Stimulusbücher und Zusatzmaterialien (Tangram-Plättchen, Stadtplan, Auswertefolien) sind wieder verwendbar. Als ergänzende Materialen werden ein Klemmbrett, Stoppuhr, ein Stift für den Testleiter, ein Bleistift für die Testperson sowie vier Fineliner in blau, grün, rot und schwarz benötigt. Eventuell (mit Einverständnis der Testperson) kann auch ein Diktiergerät zur Aufnahme freier Sprachantworten verwendet werden.
Für die elektronische Auswertung kann ein Computerprogramm bezogen werden. Des Weiteren gibt es ein Video-Tutorial mit einer Einführung in die Testdurchführung.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind auf den Protokollbögen der Module abgedruckt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter sollte über fundierte Kenntnisse der untersuchten psychologischen Funktionen und der Testtheorie verfügen und nach Möglichkeit ein Klinischer Neuropsychologe sein. Kliniker aus anderen Bereichen als der Psychologie sollten über umfassendes Fachwissen zur Neuropsychologie, Neurologie und Testanwendung verfügen (Petermann et al., 2016a, S. 57). Vor der Testdurchführung sollte sich der Testleiter intensiv mit dem Testmaterial, den Durchführungsbedingungen, Abbruch- und Protokollierregeln vertraut machen.
Die Testdurchführung sollte ungestört und ohne Ablenkungen und bei angemessener Raumtemperatur und Beleuchtung erfolgen. Bettlägerige Patienten sollten während der Testdurchführung aufrecht sitzen. Es sollte genügend Platz für das Stimulusbuch und das Aufgabenheft verfügbar sein und das Testmaterial sollte in Reichweite des Testleiters liegen. Der Protokollbogen sollte nicht von der Testperson eingesehen werden können.
Bei bestimmten Patientengruppen ist die Testdurchführung zu modifizieren. So ist bei Aphasie-Patienten zu berücksichtigen, dass sie generell Schwierigkeiten bei den Sprachtests im Screening-Modul und im Modul Sprache haben werden. Für Patienten mit einer Broca-Aphasie wird daher die Verwendung einer Ja-Nein-Tafel für die entsprechenden Testaufgaben oder der Einsatz eines Pointers empfohlen (Petermann et al., 2016a, S. 59). Modifikationen der Testdurchführung können bei Patienten mit motorischen oder sensorischen Einschränkungen nötig sein. Im Manual sind die entsprechenden Aufgaben aufgeführt, bei denen die Testleistung durch visuelle, akustische oder motorische Einschränkung der Testperson beeinträchtigt sein kann (S. 60 f.). Modifikationen können beispielsweise sein, dass bei Sehbeeinträchtigung das Stimulusbuch näher gehalten werden oder eine Lupe verwendet werden kann oder dass bei Hörbeeinträchtigungen die Anweisungen nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich gegeben werden.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die deutsche Version der NAB wurde in enger Anlehnung an das US-amerikanische Vorbild von Stern und White (2003) entwickelt (siehe unter "Theoretischer Hintergrund"). Vieles wurde beibehalten, einiges jedoch auch verändert. Beibehalten wurde die Modulstruktur und die Untergliederung in die sechs Module Screening, Aufmerksamkeit, Sprache, Gedächtnis, Wahrnehmung und Exekutive Funktionen. Auch das Material der sprachfreien Aufgaben wurde weitgehend übernommen.
Die sprachbasierten Aufgaben wurden zum größten Teil nicht lediglich übersetzt, sondern an die hiesigen Gegebenheiten angepasst und in einigen Fällen neu konstruiert. Bei der Adaptation wurde darauf geachtet, dass die Komplexität und die Länge der Items, die Wortfrequenz sowie die Distraktorstruktur vergleichbar mit dem amerikanischen Vorbild sind und die Parallelität der Testformen gewährleistet ist (Petermann et al., 2016a, S. 26). Im Modul Sprache wurde beispielsweise die amerikanische Aufgabe "Writing" vollständig neu gestaltet als deutsche Aufgabe "Schreiben" nach Diktat. Ebenso wurde die Aufgabe "Bill Payment" vollkommen neu gestaltet und an deutsche Zahlungsgewohnheiten bei Rechnungen angepasst, wenngleich der Grundgedanke der Aufgaben (Lesen, Verstehen und Bezahlen einer Rechnung) beibehalten wurde (S. 29).
Auch das Bildmaterial wurde an das Deutsche angepasst, so wurden z. B. im Modul Aufmerksamkeit die Straßenszenen verändert und die Färbung und Beschriftung von Polizei-, Kranken- und Postwagen angepasst (Petermann et al., 2016a, S. 29).
In das Modul Screening wurden drei neue Aufgaben aufgenommen, um es zu "stärken", so die Autoren (Petermann et al., 2016a, S. 29): (1) Sprachproduktion (quantitative und qualitative Bewertung der Spontansprache während einer Bildbeschreibung); (2) Planen (in enger Anlehnung an den kleinen Bogenhausener Planungstest, Terminplanung mit Terminlisten) sowie (3) Wortflüssigkeit (Erfassen der phonematischen Wortflüssigkeit mit Vorgabe des Anfangsbuchstabens). Im Modul Exekutive Funktionen wurden die beiden Aufgaben Wortflüssigkeit (identisch mit der gleichnamigen Aufgabe im Screening-Modul) und Planen (ebenfalls in enger Anlehnung den Bogenhausener Planungstest entwickelt, Terminplanung formeller und informeller Termine) neu aufgenommen (S. 30).
Im Modul Screening wurden zwei Aufgaben des amerikanischen Vorbildes gestrichen: (1) die Aufgabe Sprachverständnis, weil sie in zwei weiteren Aufgaben (Screening Sprachproduktion und Screening Benennen) repräsentiert ist; (2) die Aufgabe Wörter bilden, weil der Verzicht darauf keine Auswirkung auf die Abbildung des Funktionsbereiches hat (Petermann et al., 2016a, S. 31). In den drei Modulen Aufmerksamkeit, Sprache und Wahrnehmung wurden mehrere Aufgaben im Vergleich zur US-Fassung gekürzt.
Durch die vorgenannten Änderungen ist die deutsche Fassung im Vergleich zur amerikanischen insgesamt kürzer in der Durchführung.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität ist durch die schriftlichen Instruktionen und genaue Angaben im Manual zur Aufzeichnung der Antworten und Abbruchregeln gegeben. Auswertungsobjektivität (ausführliche Bewertungsbeispiele und Auswertungsregeln, Schablonen) und Interpretationsobjektivität (Testprofil, Normen) sind gewährleistet.
 

Reliabilität

Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die Primärskalen zwischen Alpha = .26 (Modul Screening, S-BIU Bilder unterscheiden) und Alpha = .88 (Modul Aufmerksamkeit, Z&BA-e Zahlen und Buchstaben Teil A: Effizienz), für die Modulwerte zwischen Alpha = .70 (Wahrnehmung) und Alpha = .89 (Gedächtnis) sowie für den NAB-Gesamtwert bei Alpha = .93 (Petermann et al., 2016a, S. 113 f.). Die Retestreliabilitäten nach durchschnittlich zwei Monaten liegen zwischen rtt = .48 (Screening, Wahrnehmung; Teilnehmer bis 69 Jahre) und rtt = .91 (Modul Aufmerksamkeit; Teilnehmer ab 70 Jahre). In Tabelle 2 sind jeweils die niedrigsten und höchsten Reliabilitätskennwerte je Modul aufgeführt. Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.

Tabelle 2
Interne Konsistenzen (Cronbachs Alpha) und Retestreliabilitäten, minimale und maximale Werte je Modul sowie Modulwerte (Petermann, Jäncke & Waldmann, 2016a, S. 113 f., S. 120)
------------------------------------------------------------ 
Modul/ Interne Retestreliabilität
a) Skala min. Konsistenz R1 R2
b) Skala max.
------------------------------------------------------------
Aufmerksamkeit .88 .85 .91
a) PUN .55
b) Z&BA-e .88
Sprache .74 .70 .63
a) SPV .32
b) BEN .69
Gedaechtnis .89 .64 .87
a) FL-vw .37
b) GL-ua:se .86
Wahrnehmung .70 .73 .65
a) STA .46
b) ZEI-ko .72
Exekutive Funktionen .82 .89 .86
a) URT .40
b) LAB .77
------------------------------------------------------------
NAB-Gesamtwert .93 .89 .91
------------------------------------------------------------
Screening-Gesamtwert .83 .73 .75
SC-Aufmerksamkeit .80 .75 .81
a) S-Z&BB-e .45
b) S-Z&BA-e .79
SC-Sprache .50 .62 .63
a) S-BEN .29
b) S-SPR .58
SC-Gedaechtnis .80 .74 .74
a) S-FL-vw .51
b) S-GL-va .70
SC-Wahrnehmung .45 .48 .50
a) S-BIU .26
b) S-FIG .47
SC-Exekutive Funktionen .69 .77 .73
a) S-LAB/S-WFL .66
b) wie a
------------------------------------------------------------
n 880 77 23
------------------------------------------------------------
Anmerkungen. Interne Konsistenz = Werte für alle Altersgruppen zusammengefasst; Retestreliabilität = Erhebung nach durchschnittlich zwei Monaten; R1 = Altersgruppe 18 bis 69 Jahre; R2 = Altersgruppe 70 Jahre und älter; PUN = Punkte; Z&BA-e = Zahlen und Buchstaben, Teil A: Effizienz; SPV = Sprachverständnis; BEN = Benennen; FL-vs = Formen lernen: verzögertes Wiedererkennen; GL-ua:se = Geschichte lernen - unmittelbarer Abruf: Satzeinheiten; STA = Stadtplan lesen; ZEI-ko = Zeichnen Kopie; URT = Urteilen; LAB = Labyrinthe; SC = Screening; S-Z&BB-e = Screening Zahlen und Buchstaben Teil B: Effizienz; S-Z&BA-e = Screening Zahlen und Buchstaben Teil A: Effizienz; S-BEN = Screening Benennen; S-SPR = Screening Sprachproduktion; S-FL-vw = Screening Formen lernen: verzögertes Wiedererkennen; S-GL-va = Screening Geschichte lernen: verzögerter Abruf; S-BIU = Screening Bilder unterscheiden; S-FIG = Screening Figuren legen; S-LAB = Screening Labyrinthe; S-WFL = Screening Wortflüssigkeit.
 

Validität

Zum Beleg der Validität der NAB zitieren die Autoren verschiedene Studien, die zu der amerikanischen Version durchgeführt wurden. Eigene Studien zur deutschen Adaptation werden nicht aufgeführt. Die zitierten Ergebnisse werden im Manual nur zusammenfassend berichtet.
Ökologische Validität. Temple et al. (2009) haben überprüft, ob der Screeninggesamtwert mit funktionellen Einschränkungen im Alltag bei hirngeschädigten Patienten (N = 70, Alter M = 36.0, SD = 13.6) zusammenhängt. Die funktionellen Einschränkungen im Alltag wurden mit dem Functional Independence Measure (FIM; Hamilton, Granger, Sherwin, Zielezny & Tashman, 1987; Fischer, 2015) untersucht. Bei Kontrolle von Alter und Geschlecht klärte der NAB-Indexwert Screening 26% der Varianz des FIM-Gesamtwertes auf, 11% der Varianz des FIM-Wertes für motorische Alltagsfunktionen (Selbstversorgung, Kontinenz, Transfer, Fortbewegung) und 53% der Varianz des FIM-Wertes für die kognitiven Alltagsfunktionen auf (Kommunikation mit Verstehen und sich Ausdrücken sowie soziale Kognitionen mit sozialer Interaktion, Problemlösen und Gedächtnis). Die gleiche Arbeitsgruppe hat in einer Folgestudie eine ähnliche Fragestellung untersucht und konnte signifikante Zusammenhänge zwischen Spätfolgen bei Schädel-Hirntrauma-Patienten und Werten im Screening Modul der NAB nachweisen (Zgaljardic, Yancy, Temple, Watford & Miller, 2011). Eine weitere Untersuchung konnte die inkrementelle Validität der Aufgabe "Urteilen" im Modul Exekutive Funktionen für die Vorhersage von Alltagstätigkeiten älterer Heimbewohner nachweisen (MacDougall & Mansbach, 2013). Zusammenfassend sehen die Testautoren die von ihnen zitierten Studien als Beleg für eine gute Vorhersagekraft der NAB für alltagsrelevantes Verhalten (Petermann et al., 2016a, S. 45). Zur weiteren Unterstützung der ökologischen Validität wurden für alle Module (mit Ausnahme des Screenings) Aufgaben mit realem Lebensbezug konstruiert (S. 24): So wird Aufmerksamkeit anhand von Straßenszenen geprüft, Sprache über die Alltagsaufgabe "Rechnung bezahlen". Im Modul Gedächtnis wird das Alltagsgedächtnis für Medikation und für eine Anschrift geprüft, im Modul Wahrnehmung ist eine Aufgabe zum Lesen eines Stadtplanes integriert, bei der Prüfung der exekutiven Funktionen ist eine alltagsbezogene Aufgabe zum Urteilen aufgenommen (siehe unter "Testaufbau").

Konstruktvalidität. Die NAB-Aufgabe "Benennen" der US-Version wurde von Yochim, Kane und Mueller (2009) hinsichtlich ihrer konvergenten und diskriminanten Validität geprüft - jeweils getrennt für die Testformen 1 und 2. Beide Formen korrelierten mit dem "Boston Naming Test" (BNT; Kaplan, Goodglass & Weintraub, 2001; Form 1: r = .45, p < .001, Form 2: r = .50, p < .001), was für die konvergente Validität des amerikanischen NAB-Verfahrens spricht. Als Belege für die diskriminante Validität werden mittlere Korrelationen mit Verfahren angeführt, die vom Benennen unterscheidbare, aber damit in Beziehung stehende Fähigkeiten messen: Yochim et al. (2009, S. 579) fanden mittlere Zusammenhänge der beiden NAB-Formen mit dem visuell-räumlichen Gedächtnis (gemessen mit dem Brief Visuospatial Memory Test-Revised, BVMT-R; Benedict, 1997; Form 1: r = .35, p < .01, Form 2: r = .35, p < .01). Des Weiteren korrelierten Leistungen in der NAB-Aufgabe "Benennen" nicht mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit (gemessen mit der Wechsler Adult Intelligence Scale, WAIS-III Processing Speed Index; Wechsler, 1997) oder der Abstraktionsfähigkeit (gemessen mit dem Delis-Kaplan Executive Function System, D-KEFS; Delis, Kaplan & Kramer, 2001). Weitere Studien zur Konstruktvalidität anderer Untertests des NAB oder aus dem deutschsprachigen Raum werden nicht genannt (Petermann et al., 2016a, S. 46).

Kriteriumsvalidität. Die Autoren geben hierzu nur den allgemeinen Hinweis, dass bislang eine Reihe von Studien publiziert worden seien, die die Kriteriumsvalidität der NAB für verschiedene kognitive Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen und in verschiedenen praktischen Anwendungsfeldern belegten (Petermann et al., 2016a, S. 47). Genaue Quellen werden an dieser Stelle jedoch nicht angegeben.
 

Normierung

Es liegen nach Alter differenzierte Normen vor (Primärskalen: z-Werte, T-Werte, Standardwerte; Primär- und Sekundärskalen: Perzentile). Für deskriptive Werte werden kumulative Prozentwerte ohne Altersdifferenzierung angegeben. Die Daten stammen aus Repräsentativerhebungen, die im Zeitraum von Februar 2014 bis April 2015 in verschiedenen Regionen Deutschlands durchgeführt wurden (N = 880; 53% Frauen, 47% Männer; 11% 18-29 Jahre, 10% 30-39 Jahre, 10% 40-49 Jahre, 10% 50-59 Jahre, 10% 60-64 Jahre, 10% 65-69 Jahre, 10% 70-74 Jahre, 10% 75-79 Jahre, 9% 80-84 Jahre, 8% 85 Jahre und älter; 2% noch in Schulausbildung, 24% Volks-/Hauptschule, 4% polytechnische Oberschule, 37% Realschule/Mittlere Reife, 31% Fachhochschulreife/Allgemeine Hochschulreife, 1% ohne Abschluss, 1% ohne Angabe; 3% noch in Ausbildung, 63% Lehre im dualen System, 9% Fachschule, 5% Fachhochschule, 9% Hochschule, 11% kein Abschluss, 1% keine Angabe; 12% mit Migrationshintergrund, 88% ohne Migrationshintergrund; Petermann et al., 2016a, S. 80-92).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die NAB kann vor allem in der Klinischen Neuropsychologie bei Erwachsenen ab 18 Jahren für die neuropsychologische Diagnostik in Einzelsitzungen angewendet werden. So kann sie in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten (Phasen B, C und D) sowie bei spezifischen Fragestellungen in der Klinischen Psychologie und Psychiatrie zum Einsatz kommen. Ferner ist sie für den Einsatz in der Fahreignungsdiagnostik und als Forschungsinstrument zur kognitiven Entwicklung im Erwachsenenalter und in der Gerontopsychologie geeignet. Dank der durchgängigen Papier-Bleistift-Ausführung ist die Testung räumlich flexibel möglich und kann auch am Krankenbett durchgeführt werden (Petermann et al., 2016a, S. 13).
 

Bewertung

Die deutsche Fassung der NAB bietet ein umfangreiches, gut gestaltetes und gut dokumentiertes Instrumentarium für die neuropsychologische Diagnostik. Besonders positiv zu bewerten ist die Möglichkeit der sequenziellen Testung Dank des Screening-Moduls und der darin enthaltenen Empfehlungen für die gezielte vertiefende Diagnostik. So kann die Belastung der untersuchten Personen gering gehalten werden nach dem Prinzip "So viel Diagnostik wie nötig, aber so wenig wie möglich". In ihrer nach der Testveröffentlichung durchgeführten Studie belegen Bornschlegel, Speer, Daneil, Vogt und Petermann (2016) überzeugend die Validität dieser Vorgehensweise. Ein begrüßenswertes Novum für den deutschsprachigen Raum ist auch die Tatsache, dass alle Untertests mit der gleichen Stichprobe normiert wurden und so Profilanalysen möglich werden. Somit bietet die NAB eine wertvolle Praxisunterstützung für die neuropsychologische Diagnostik. Sehr anschaulich und hilfreich für die Auswertung sind außerdem die Fallbeispiele in jedem Modul.
Die einzelnen Manuale und Testmaterialien unterstützen den Anwender sehr gut bei der Testdurchführung und Auswertung. Die modulare Struktur und Umsetzung in einzelnen Manualen und separat erhältlichen Testteilen ist einerseits vorteilhaft, da sie die flexible und bedarfsgerechte Testung gut unterstützt. Die Verteilung relevanter Informationen auf das jeweilige Modul-Manual und das Grundmanual sind allerdings in der praktischen Handhabung eher gewöhnungsbedürftig. Die manuelle Auswertung der Testergebnisse erfordert ein Nachblättern in zahlreichen Normtabellenseiten. Daher ist es sicher empfehlenswert, die computergestützte Auswertungsmöglichkeit zu nutzen.

Ein gewisser Mangel ist, dass Validierungsstudien nur qualitativ zusammengefasst dargestellt werden und es zudem nur solche zur amerikanischen Originalfassung sind. Eigene Validierungsstudien zur deutschsprachigen Fassung werden im Testmanual nicht berichtet. Umso begrüßenswerter ist es, dass kurz nach dessen Erscheinen entsprechende Studien veröffentlicht wurden (Bornschlegl et al. 2016; Buczylowska, Daseking & Petermann, 2016; Diener, Bornschlegl, Menke & Petermann, 2016). Die Reliabilität ist gemischt zu bewerten: Für den NAB-Gesamtwert ist sie mit einer internen Konsistenz von Cronbachs Alpha = .93 sehr gut, für die Module Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutive Funktionen und Screening ist sie annehmbar (Alpha = .82-.89), für die Module Wahrnehmung (Alpha = .70) und Sprache (Alpha = .74) ist sie hingegen für die Individualdiagnostik eher unbefriedigend.
 

Literatur

  • Balzer, C., Berger, J.-M., Caprez, G., Gonser, A., Gutbrod, K. & Keller, M. (2011). Materialien und Normwerte für die neuropsychologische Diagnostik (MNND). Rheinfelden: Verlag Normdaten.
  • Benedict, R. H. B. (1997). Brief Visuospatial Memory Test-Revised: Professional manual. Lutz, FL: Psychological Assessment Resources.
  • Bornschlegel, M., Speer, P., Daneil, W., Vogt, T. & Petermann, F. (2016). Interne Validität der Neuropsychological Assessment Battery (NAB): Zusammenhang der Testwerte im Screening mit den vertiefenden Modulen bei Patienten mit Schlaganfall und Gesunden. Zeitschrift für Neuropsychologie, 27 (3), 133-146.
  • Buczylowska, D., Bornschlegl, M., Daseking, M., Jäncke, L. & Petermann, F. (2013). Zur deutschen Adaptation der Neuropsychological Assessment Battery (NAB). Zeitschrift für Neuropsychologie, 24 (4), 217-227. (DOI: 10.1024/1016-264X/a000108) -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0272578
  • Buczylowska, D., Daseking, M. & Petermann, F. (2016). Age-related differences in the predictive ability of executive functions for intelligence - Analysis of NAB Executive Functions Module and WAIS-IV scores. Zeitschrift für Neuropsychologie, 27, 159-171.
  • Delis, D., Kaplan, E., & Kramer, J. (2001). Delis-Kaplan Executive Function System (D-KEFS): Technical manual. San Antonio, TX: The Psychological Corporation.
  • Diener, C., Bornschlegl, M., Menke, B. & Petermann, F. (2016). Subjektive Einschätzung und objektive kognitive Leistung bei psychisch Gesunden. Zeitschrift für Neuropsychologie, 27 (3), 147-157.
  • Fischer, W. (2015). Funktionaler Selbstständigkeitsindex (FIM) und Zusatzkriterien des FAM. Online im Internet, URL http://fischer-zim.ch/notizen/FIM-FAM-9711.htm (Stand: 17.11.2017).
  • Hamilton, B. B., Granger, C. V., Sherwin, F. S., Zielezny, M. & Tashman, J. S. (1987). A uniform national data system for medical rehabilitation. In J. M. Fuhrer (Ed.), Rehabilitation outcomes: analysis of measurement (pp. 137-147). Baltimore: Brookes.
  • Kaplan, E. F., Goodglass, H. & Weintraub, S. (2001). The Boston Naming Test (2nd ed.). Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins.
  • MacDougall, E. E. & Mansbach, W. E. (2013). The Judgment Test of the Neuropsychological Assessment Battery (NAB): psychometric considerations in an assisted-living sample. Clinical Neuropsychology, 27, 827-839.
  • Petermann, F., Jäncke, L. & Waldmann, H.-C. (2016a). NAB Neuropsychological Assessment Battery - Grundlagen und Psychometrie. Deutschsprachige Adaptation der Neuropsychological Assessment Battery von Robert A. Stern und Travis White. Unter Mitarbeit von Mona Bornschlegl. Bern: Hogrefe.
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  • Petermann, F., Jäncke, L. & Waldmann, H.-C. (2016g). NAB Modul Screening. Durchführung und Auswertung. Deutschsprachige Adaptation der Neuropsychological Assessment Battery von Robert A. Stern und Travis White. Unter Mitarbeit von Mona Bornschlegl. Bern: Hogrefe.
  • Stern, R. A. & White, T. (2003). The Neuropsychological Assessment Battery (NAB). Lutz, FL: Psychological Assessment Resources.
  • Temple, R. O., Zgaljardic, D. J., Abreu, B. C., Seale, G. S., Ostir, G. V. & Ottenbacher, K. J. (2009). Ecological validity of the Neuropsychological Assessment Battery Screening Module in post-acute brain injury rehabilitation. Brain Injury, 23 (1), 45-50.
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Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Stern, R. A. & White, T. (2003a). The Neuropsychological Assessment Battery. Lutz, FL: Psychological Assessment Resources.
  • Stern, R. A. & White, T. (2003b). The Neuropsychological Assessment Battery (NAB). Administration, scoring, and interpretation manual. Lutz, FL: Psychological Assessment Resources.
  • White, T. & Stern, R. A. (2003c). The Neuropsychological Assessment Battery (NAB). Psychometric and technical manual. Lutz, FL: Psychological Assessment Resources.
 

Rezensionen

  • Hartman, D. E. (2006). "The Weight is Over:" A review of R. A. Stern & T. White, Neuropsychological Assessment Battery (NAB). Applied Neuropsychology, 13 (1), 58-61.
  • Koch, J. (2017). Franz Petermann, Lutz Jäncke, Hans-Christian Waldmann: Neuropsychological Assessment Battery. Hogrefe Verlag, Göttingen 2016, Test-Paket aus 5 Hauptmodulen, 1 890,00 Euro (Testrezension). Deutsches Ärzteblatt, 114 (1), S. 37.
  • Makatura, T. J. (2005). Review of the Neuropsychological Assessment Battery. In R. A. Spies & B. S. Plake (Eds.), The sixteenth mental measurements yearbook. Lincoln, NE: Buros Institute of Mental Measurements.
  • Van Gorp, W. G. & Hassenstab, J. (2005). Review of the Neuropsychological Assessment Battery. In R. A. Spies & B. S. Plake (Eds.), The sixteenth mental measurements yearbook (pp. 686-688). Lincoln, NE: Buros Institute of Mental Measurements.
 

Bibliographien im Internet

 
 Dörthe Beurer (21.11.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computer Assisted Testing; Screening Tests; Pictorial Stimuli; Neuropsychological Assessment; Test Norms; Neuropsychology; Cognitive Ability; Attention; Language Disorders; Memory Disorders; Visual Perception

Klassische Testtheorie; Computerunterstütztes Testen; Screening Tests; Bild-Stimuli; Neuropsychologische Messung; Testnormen; Neuropsychologie; Kognitive Fähigkeiten; Aufmerksamkeit; Sprachstörungen; Gedächtnisstörungen; Visuelle Wahrnehmung

 weitere Schlagworte:

2003 (englischsprachige Originalversion); 2016 (deutsche Adaptation); Parallelformen; Fahreignungsdiagnostik; Schlaganfallpatienten; 185 Items; ab 18 Jahre; bis 99 Jahre; Bereiche: 1 Screening, 2 Aufmerksamkeit, 3 Sprache, 4 Gedächtnis, 5 Exekutive Funktionen, 6 Wahrnehmung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2015; Stichprobe(n): 880
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Neuropsychologische Diagnostik; Neurologische Störungen und Hirnschädigung
Neuropsychologische Verfahren
11.22
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis, Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201801
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