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Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007170
 

EMK 3-6 - Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen (PSYNDEX Tests Review)

 

Inventory for the Acquisition of Emotional Competencies of 3 to 6 Year Old Children/zpid

 Petermann, F. & Gust, N.
 (2016). EMK 3-6. Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen [Testbox mit Manual, Stimulusbuch, 10 Protokollbögen, 10 Auswertungsbögen, Holzfigurenset, Geschenktasche, 10 Fragebögen EMK Screening, 10 Auswertungsbögen EMK-Screening, Schablone EMK-Screening und 10 Stickerblättern]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 298,00 Euro (Test komplett; Stand: 21.2.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2017.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
o Dr. Nicole Gust, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen, Grazer Straße 6, D-28359 Bremen ; E-Mail: ngust@uni-bremen.de ; URL: https://www.zkpr.uni-bremen.de/zentrum/mitarbeiter/nicole-gust/ ; Stand: 21.2.2018
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen (EMK 3-6) von Petermann und Gust (2016a) erfasst die emotionalen Kompetenzen im Vorschulalter und unterstützt die Anwender bei der Förderplanung und Verlaufsdokumentation. Als Testanwender kommen pädagogische Fachkräfte, Kinderpsychologen/-psychotherapeuten, -ärzte und -psychiater sowie Berater aus der Frühförderung und Kinder- und Jugendhilfe in Frage.


Aufbau:
Das EMK 3-6 besteht aus den folgenden fünf Untertests: (1) Primäre Emotionen (PE), (2) Sekundäre Emotionen (SE), (3) Prosoziales Verhalten (PV), (4) Empathie (EM) und (5) Belohnungsaufschub (BA). Das EMK-Screening erfasst mit 17 Items und einer vierstufigen Antwortskala die drei Kompetenzbereiche Emotionswissen, Empathie/prosoziales Verhalten und Selbstregulation.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie, auf Theorien und bisherigen Verfahren zur emotionalen Kompetenz (z. B. IDS-P) sowie Expertenurteilen. Bei der Aufgabenentwicklung wurden schüchterne oder sprachlich noch nicht weit entwickelte Kinder mitberücksichtigt und das Material kindgerecht gestaltet (echte Fotos von Kindern und alltagsnahen Szenen aus Gruppensituationen, Holzfiguren, eine Geschenktasche mit Stickern). In der Pilotphase wurden 23 Kinder (Alter: 3;0-6;5 Jahre) einer Kindertagesstätte rekrutiert und getestet. Dies führte zu einer Überarbeitung des Stimulusbuchs, der Instruktionen, der Fragen und des Protokollbogens. Das Verfahren wurde von den Kindern positiv aufgenommen. In einem zweiten Schritt wurden in der Konstruktionsphase (n = 241 Kinder: M = 58.94 Monate alt, SD = 11.39 Monate; 44.8% weiblich) die Itemkennwerte bestimmt. Zudem wurden die Materialien, die Durchführungszeit sowie die Instruktionen erneut überprüft. Die Itemschwierigkeiten sowie Trennschärfen für die einzelnen Untertests variieren stark.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz des EMK 3-6 liegt zwischen Cronbachs Alpha = .78 und Alpha = .90 und die des EMK-Screenings zwischen Alpha = .90 und Alpha = .94. Die Retestreliabilität (nach Pearson) des EMK 3-6 wurde mit vierjährigen Kindern (Alter: M = 53 Monate, Range: 46-60 Monate) überprüft. Nach einem Zeitintervall von 25 bis 37 Tagen konnten Reliabilitätskoeffizienten von rtt = .75 ("Sekundäre Emotionen") bis rtt = .82 ("Prosoziales Verhalten") erzielt werden. Die Profilreliabilität wurde nicht überprüft.
Validität: Das Verfahren gilt als inhaltsvalide, da es theoriegeleitet und unter Zuhilfenahme von Expertenurteilen konstruiert wurde. Zur Überprüfung der Konstruktvalidität des EMK 3-6 konnte ein Vierfaktorenmodell extrahiert werden, bei dem die Items der Untertests Empathie und Prosoziales Verhalten auf einem Faktor luden. Es konnten 62.86% der Varianz aufgeklärt werden. Bis auf eine Ausnahme (Sekundäre Emotionen-Belohnungsaufschub mit r = .10) korrelieren die Untertests zwischen r = .20 und r = .73 signifikant untereinander. Die dreifaktorielle Struktur des EMK-Screenings konnte nachgewiesen werden mit einer Hauptachsenfaktorenanalyse mit Varimax-Rotation und 71.92% Varianzaufklärung. Die Skaleninterkorrelationen zwischen den drei Skalen liegen mit r = .51 bis r = .69 im hohen Bereich. Die konvergente Validität der einzelnen Untertests des EMK 3-6 konnte durch signifikante Korrelation mit einem oder mehreren ähnlichen Verfahren nachgewiesen werden (z. B. Untertests "Primäre Emotionen" und "Sekundäre Emotionen" mit der Skala "Regulationsverhalten" des BIKO 3-6 mit r = .20). Auch zeigt sich, dass das EMK 3-6 und EMK-Screening signifikant miteinander korrelieren (r = .25-.37), was für die konvergente Validität des Inventars insgesamt spricht. Weiterhin wurden alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede für das EMK 3-6 gefunden: Ältere und zumeist weibliche Kinder erreichen die höchsten Punkte in fast allen Untertests. Wurden Verhaltensauffälligkeiten bei einem Kind festgestellt, zeigten sich lediglich in dem Untertest "Prosoziales Verhalten" signifikant niedrigere Leistungen als bei Kindern ohne Angaben. Die Spezifität und die Sensitivität des EMK-Screenings für alle drei Skalen liegen zwischen 82-96% (Spezifität) bzw. zwischen 64-74% (Sensitivität).
Normen: Die Normierung fand 2015 an n = 470 Kindern aus Kindertagesstätten und Grundschulen aus den Regionen Bremen, Niedersachen, Baden-Württemberg, Hessen und Saarland statt. Normen (Prozentrang- und T-Werte) liegen getrennt nach Geschlecht, Altersstufe (3;0-4;11, 5;0-6;5 Jahre) und Untertests vor, wobei für den Untertest "Belohnungsaufschub" als Vergleichswerte Mittelwerte und Standardabweichungen angegeben werden. Hierfür liegen Daten von n = 466 Kindern vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen - kurz EMK 3-6 - sowie der Fragebogen zur Fremdeinschätzung, EMK-Screening, von Petermann und Gust (2016a) dienen der differenzierten Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Kindergartenkindern, die zwischen drei und sechseinhalb Jahren alt sind (S. 13). Emotionen spielen in der Entwicklung eines Kindes eine wichtige Rolle. Sie werden bei der Bewertung von Situationen benötigt und steuern das Handeln. Sie werden nach Hülshoff (2012) definiert als körperlich-seelische Reaktionen auf Ereignisse aus der Umwelt. Dabei werden Emotionen aufgenommen, klassifiziert, verarbeitet, interpretiert und anschließend bewertet. Weitere Bestandteile sind Ausdruck, Motivation, Kognition, Verhalten, Gefühle und psychophysiologische Reaktionen (Sloan & Kring, 2007). Hinzu kommen auch neuronale Prozesse (Ochsner & Gross, 2005). Für die Entwicklung sozialer Kompetenzen sind emotionale Kompetenzen wichtig. Im Manual werden drei Komponenten der emotionalen Entwicklung unterschieden: Emotionswissen, Emotionsregulation und Empathie (Petermann & Gust, 2016a, S. 17).
Bisher fehlte ein validiertes Verfahren, welches zum einen alle emotionalen Kompetenzbereiche und zum anderen diese im Vorschulalter differenziert erfasst. Auch die Möglichkeit der Fremdeinschätzung, z. B. durch einen Erzieher oder einen Elternteil, fehlte gänzlich (Petermann & Gust, 2016a, S. 15-16).
 

Testaufbau

Die emotionale Kompetenz wird mit dem EMK 3-6 mit folgenden fünf Untertests erfasst (Petermann & Gust, 2016a, S. 13):
(1) Primäre Emotionen (PE) mit vier Aufgaben (Freude, Trauer, Angst, Wut);
(2) Sekundäre Emotionen (SE) mit drei Aufgaben (Stolz, Schuld, Scham);
(3) Prosoziales Verhalten (PV) mit sieben Aufgaben (Geschichten 1-7);
(4) Empathie (EM) mit vier Aufgaben (Angst, Trauer, Wut, Freude);
(5) Belohnungsaufschub (BA) mit vier Aufgaben (Warten mit oder ohne Geschenk, Bewertung Strategien mit oder ohne Geschenk).
Aus den Aufgaben ergeben sich insgesamt 19+14+21+15+4=73 Items (Petermann & Gust, 2016a, S. 30, Tabelle 13). Die Reihenfolge der Untertests soll eingehalten werden und ermöglicht genug Abwechslung. Der Test beginnt mit einer Übungsaufgabe, zu der der Testleiter eine Rückmeldung abgeben darf. Das Kind sollte alle Untertests ohne Unterbrechung bearbeiten (S. 32).
Das EMK-Screening enthält 17 Items, die den drei Kompetenzbereichen Emotionswissen (EW; Item 1, 4, 8, 14), Empathie/prosoziales Verhalten (EM; Item 2, 5, 6, 9, 10, 12, 13, 15) und Selbstregulation (SE; Item 3, 7, 11, 16, 17) zugeordnet werden und ein vierstufiges Antwortformat (trifft nicht zu - trifft kaum zu - trifft etwas zu - trifft zu) haben (Petermann & Gust, 2016a, S. 14).
 

Auswertungsmodus

Für die Auswertung wird zunächst auf dem Protokollbogen das Alter des Kindes bestimmt und entweder der Altersgruppe 3;0-4;11 oder 5;0-6;5 Jahre zugeordnet. Dann werden Angaben zur allgemeinen und sprachlichen Entwicklung gemacht und es wird auf einer fünfstufigen Skala eingeschätzt, wie kooperativ, interessiert, konzentriert, impulsiv, sicher und fröhlich sich das Kind in der Testsituation verhält. Auch andere in der Testsituation vorgefallene Auffälligkeiten können auf dem Testbogen unter "Sonstige Anmerkungen" notiert werden (Petermann & Gust, 2016a, S. 13, S. 40).
Für jede Aufgabe erhalten die Kinder pro richtige Lösung ein bzw. zwei Punkte. Null Punkte werden bei keiner oder falscher Antwort vergeben. Es werden mehrere Tabellen bereitgestellt, in denen man nachlesen kann, wie die Punkte vergeben werden und wie die Antwort zu bewerten ist (Petermann & Gust, 2016a, S. 42-48). Es sind feste Abbruchregeln in den Untertests "Primäre Emotionen" (für alle vier Aufgaben), "Sekundäre Emotionen" (für alle drei Aufgaben) und "Empathie" (für alle vier Aufgaben) festgelegt. Aus der Addition der Punkte pro Untertest kann jeweils ein Summenwert ermittelt werden, sodass insgesamt fünf Summenwerte berechnet werden. Für den Untertest "Primäre Emotionen" können maximal 34 Punkte, für "Sekundäre Emotionen" maximal 22 Punkte, für "Prosoziales Verhalten" maximal 28 Punkte und für den Untertest "Empathie" maximal 22 Punkte erzielt werden (S. 30, S. 41). Der Untertest "Belohnungsaufschub" wird anders erfasst. Hier werden für die insgesamt vier Aufgaben Punkte zwischen 0 und 2 vergeben (Petermann & Gust, 2016a, S. 49):
- 2 Punkte können erzielt werden, wenn ausschließlich effektive Strategien beobachtet werden,
- 1 Punkt wird bei der Beobachtung einer effektiven und einer neutralen Strategie erzielt,
- 0 Punkte werden vergeben, wenn neben effektiven und/oder neutralen Strategien auch ineffektive beobachtet werden.
Hieraus werden zwei Rohwerte bestimmt: Strategien beim Warten ohne vs. mit Geschenk. Diese beiden Werte werden dann auf dem Auswertungsbogen festgehalten, die jedoch nicht in Normwerte umgewandelt werden. Für den Untertest "Belohnungsaufschub" kann ein Wert eingetragen werden.
Die Rohwerte der Untertests werden auf den Auswertungsbogen eingetragen. Aus den Normtabellen im Anhang werden die entsprechenden Normwerte abgelesen und neben den Rohwerten in der jeweiligen Spalte eingetragen. In die Spalte "Ergebnis" kann für jeden Untertest angegeben werden, ob es sich um ein auffälliges vs. unauffälliges vs. Ergebnis im Risikobereich handelt. Hierfür existiert eine zweite Tabelle auf dem Auswertungsbogen, die diese drei Cut-off-Bereiche für die Prozentrangwerte definiert.
Das EMK-Screening wird mit einer Schablone ausgewertet und in den dafür vorgesehenen Auswertungsbogen übertragen. Zunächst werden die Rohwerte pro Item eingetragen und anschließend aufaddiert. Es können maximal 3 Punkte pro Item erzielt werden. Für die nicht zutreffende Antwort wird kein Punkt vergeben (Petermann & Gust, 2016a, S. 75). Es können maximal zwei Werte fehlen, die dann durch den Mittelwert der übrigen Items ersetzt werden. Für die Unterskala "Emotionswissen" können maximal 12 Punkte, für "Empathie/prosoziales Verhalten" maximal 24 Punkte und für die Unterskala "Selbstregulation" maximal 15 Punkte erzielt werden. Die Summen werden dann in eine weitere Tabelle eingetragen, in der zwei Cut-off-Werte für jede Unterskala aufgeführt werden. Fällt der Wert in die Kategorie "auffällig", wird das Ergebnis als auffällig bejaht und umgekehrt.
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen liegen neben den Protokoll- und Auswertungsbögen Durchführungs- und Auswertungshinweise (Petermann & Gust, 2016a, S. 33 ff.), Interpretationshilfen (S. 49-50), ein ausführlich beschriebenes Fallbeispiel für das EMK 3-6 sowie EMK-Screening (S. 50-64, S. 76-78), die Tabellen mit den Punktvergaben sowie Bewertungshilfen (S. 42-48), eine Auswertungsschablone für das EMK-Screening und Normtabellen vor (S. 29, S. 83-86).
 

Auswertungszeit

Für die Auswertung des EMK 3-6 werden ca. 10 Minuten und für die des EMK-Screenings nur wenige Minuten benötigt (Petermann & Gust, 2016a, S. 13-14).
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird der erste Teil des Untertests "Belohnungsaufschub" vorgestellt sowie das erste Item aus dem EMK-Screening.
"Du hast prima mitgearbeitet! Ich habe ein besonders tolles Geschenk für dich vorbereitet. Möchtest du dieses tolle Geschenk bekommen?"
"Aber ich muss es noch schön einpacken. Dreh dich bitte um und schaue nicht hin. Ich sage dir Bescheid, sobald ich fertig bin, dann kannst du schauen."
"Rascheln Sie 60 Sekunden lang mit dem Geschenk."

Teilaufgabe Warten - ohne Geschenk
0 = komplett zum Testleiter umgedreht und hingeschaut
1 = versucht, über die Schulter zu schauen
2 = nicht zum Testleiter umgedreht und nicht zum Geschenk geschaut

EMK-Screening
"Das Kind"
"1. Drückt seine Gefühle mimisch angemessen aus."
Trifft nicht zu - trifft kaum zu - trifft etwas zu - trifft zu
 

Durchführung

 

Testformen

Das EMK 3-6 wurde als Beobachtungsverfahren für das Einzelsetting entwickelt. In der Testbox ist auch das EMK-Screening erhältlich, welches zur Fremdeinschätzung dient (Petermann & Gust, 2016a, S. 13-14). Daneben bieten die Autoren das EMK-Förderprogramm an (Petermann & Gust, 2016b).
 

Altersbereiche

Die Verfahren EMK 3-6 und EMK-Screening wurden für Kinder im Alter von 3;0 bis 6;5 Jahren entwickelt (Petermann & Gust, 2016a, S. 13-14).
 

Durchführungszeit

Die Testung des EMK 3-6 dauert etwa 30 Minuten und die des EMK-Screening etwa 5 Minuten (Petermann & Gust, 2016a, S. 13-14).
 

Material

In der Testbox sind neben dem Manual enthalten ein Stimulusbuch, 10 Protokollbögen, 10 Auswertungsbögen, ein Holzfigurenset und eine Geschenktasche mit 10 Stickerblättern. Für das EMK-Screening werden 10 Fragebögen, 10 Auswertungsbögen sowie eine Schablone zur Verfügung gestellt. Es werden zudem ein Schreibgerät und eine Stoppuhr benötigt (Petermann & Gust, 2016a, S. 30).

Materialliste Testbox (Stand: Februar 2018):
- Manual (Artikelnummer 0150702)
- Stimulusbuch (Artikelnummer 0150703)
- 10 Protokollbögen
- 10 Auswertungsbögen
- Holzfigurenset (Artikelnummer 0150706)
- Geschenktasche (Artikelnummer 0150707)
- 10 Stickerblätter
- 10 Fragebögen EMK Screening
- 10 Auswertungsbögen EMK-Screening
- Schablone EMK-Screening (Artikelnummer 0150710).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf den Bögen abgedruckt. Instruktionen für die Kinder stehen in Anführungsstrichen und sollen vom Testleiter wortwörtlich vorgelesen werden. Die restlichen Instruktionen betreffen das Verhalten des Testleiters und sind klar vorgegeben.
Der Fragebogen "EMK-Screening" enthält die Instruktionen für die auszufüllende Person.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Testung muss sich der Testleiter einen guten Überblick über die Testunterlagen verschaffen und einen Probedurchlauf (z. B. mit Kollegen) machen, um sich mit dem Manual vertraut zu machen und so geübt zu sein, dass der Test ohne Manual und für alle Kinder standardisiert ablaufen kann. Er sollte Erfahrung mit der Zielgruppe haben. Bei sehr jungen und verunsicherten Kindern kann eine Bezugsperson anwesend sein, die sich hinter das Kind setzt und passiv bleibt (Petermann & Gust, 2016a, S. 31). Es wird erwähnt, dass der Untertest "Sekundäre Emotionen" bei den jüngeren Kindern optional eingesetzt werden kann, da sich der Untertest in der Konstruktionsphase als sehr schwierig erwiesen hat (S. 23, S. 31). Weiterhin sollen die Antworten der Kinder während der Testung in den Protokollbogen übertragen werden (S. 30). Alle nötigen Instruktionen für den Testleiter befinden sich im Protokollbogen (S. 31).
Der Testraum sollte die richtige Temperatur haben, durchlüftet, gut belichtet sowie frei von Ablenkung sein. Der Testleiter sollte für eine angenehme Atmosphäre sorgen und ein freundliches und selbstsicheres Auftreten zeigen. Es gibt eine Sitzordnung für Testleiter und Proband, die eingehalten werden soll, nämlich im 45 bis 90 Grad-Winkel, sodass auch der Testleiter die Bilder vom Stimulusbuch (ca. 40 cm entfernt vom Kind) sehen kann. Hinter dem Stimulusbuch soll der Protokollbogen platziert werden, sodass dieses für das Kind nicht sichtbar ist. Auf einem dritten Stuhl sollten die Testunterlagen am besten verdeckt abgelegt werden. Bewertende Aussagen oder Fragen, die das Verhalten des Kindes beeinflussen können, sollten vermieden werden. Sollte es zu einer Unterbrechung eines Untertests kommen, sollten vor dem Untertest "Belohnungsaufschub" alle fehlenden Aufgaben bearbeitet werden (Petermann & Gust, 2016a, S. 31-32).
 

Testkonstruktion

Das Inventar wurde auf der Basis der Klassischen Testtheorie entwickelt. Es wurden Theorien und bisherige Verfahren zur emotionalen Kompetenz herangezogen, so z. B. die Intelligenz- und Entwicklungsskalen für das Vorschulalter (IDS-P; Grob, Reimann, Gut & Frischknecht, 2013). Anschließend wurde das Verfahren Experten vorgelegt und hinsichtlich der Passform und seiner Praxistauglichkeit überprüft. Bei der Aufgabenentwicklung wurde darauf Wert gelegt, dass auch schüchterne oder sprachlich noch nicht weit entwickelte Kinder diese bearbeiten können. Zur Bearbeitung der Aufgaben "Primäre Emotionen" wurden statt Abbildungen von Emotionen Fotos von vier 5- bis 6-jährigen Kindern mit unterschiedlichen Emotionsausdrücken gewählt. Für die Erfassung der sekundären Emotionen sowie des prosozialen Verhaltens wurden alltagsnahe Szenen aus Gruppensituationen genommen. Die Skala "Empathie" soll mithilfe von Holzfiguren erfasst werden. Für den Untertest "Belohnungsaufschub" wurde eine Geschenktasche mit Stickern erstellt (Petermann & Gust, 2016a, S. 22-23).
In der Pilotphase wurden 23 Kinder (Alter: 3-6;5 Jahre) einer Kindertagesstätte rekrutiert und getestet. Hierbei wurde geschaut, ob die Materialien geeignet und die Instruktionen verständlich sind. Die Testungsdauer wurde ebenfalls bestimmt. Das Stimulusbuch, die Instruktionen, die Fragen und der Protokollbogen wurden überarbeitet. Das Verfahren wurde von den Kindern positiv aufgenommen (Petermann & Gust, 2016a, S. 23).
Nach der Pilotphase folgte die Konstruktionsphase mit n = 241 Kindern (Alter: M = 58.94 Monate, SD = 11.39 Monate; 44.8% weiblich), in der die Itemschwierigkeit und die Trennschärfe bestimmt werden konnte. Zudem sollten die Materialien, die Durchführungszeit sowie die Instruktionen erneut überprüft werden. Es wurden für den Untertest "Primäre Emotionen" Itemschwierigkeiten zwischen p = .21 und p = .97 und Trennschärfen zwischen rit = .16 und rit = .60 erzielt. Für den Untertest "Sekundäre Emotionen" liegt die Itemschwierigkeit zwischen p = .08 und p = .40 und die Trennschärfe zwischen rit = .02 und rit = .63. Bei "Prosoziales Verhalten" liegt p zwischen p = .33 und p = .82 und rit zwischen rit = .20 und rit = .71. Für den Untertest "Empathie" werden Itemkennwerte angegeben, die zwischen p = .18 und p = .83 und rit = .18 und rit = .53 variieren. Die Werte für "Belohnungsaufschub" bewegen sich für p bei p = .45-.90 und für rit bei rit = .10-.34 (Petermann & Gust, 2016a, S. 23-27).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität sind durch die standardisierten Instruktionen, die genaue Vorgabe der Auswertungsschritte und -hilfen sowie durch das Vorliegen von Normwerten und Interpretationshilfen als gegeben anzunehmen (Petermann & Gust, 2016a, S. 65).
Die Beurteilerübereinstimmung (Kappa) wurde mit drei Ratern für alle Items berechnet. Mit Ausnahme von vier Items liegen die Kappa-Werte über Kappa = .70 (Petermann & Gust, 2016a, S. 66-67).
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurden die Retestreliabilität sowie die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) der Untertests berechnet (Petermann & Gust, 2016a, S. 13, S. 65). Die interne Konsistenz liegt zwischen Alpha = .78 und Alpha = .90. Die Retestreliabilität (nach Pearson) wurde mit vierjährigen Kindern (Alter: M = 53 Monate, Range: 46-60 Monate) überprüft. Nach einem Zeitintervall von 25 bis 37 Tagen konnten Reliabilitätskoeffizienten von rtt = .75 ("Sekundäre Emotionen") bis rtt = .82 ("Prosoziales Verhalten") erzielt werden.
Die internen Konsistenzen (Cronbachs Alpha) des EMK-Screenings für die drei Skalen liegen mit Alpha = .90 ("Selbstregulation"), Alpha = .91 ("Emotionswissen") und Alpha = .94 ("Empathie/prosoziales Verhalten") im hohen Bereich (Petermann & Gust, 2016a, S. 14).
 

Validität

Das Verfahren gilt als inhaltsvalide, da es theoriegeleitet und unter Zuhilfenahme von Expertenurteilen konstruiert wurde. Zur Überprüfung der Konstruktvalidität des EMK 3-6 wurden die faktorielle Struktur sowie die Skaleninterkorrelationen analysiert. In einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation konnte ein Vierfaktorenmodell extrahiert werden, bei dem die Items der Untertests Empathie und Prosoziales Verhalten auf einem Faktor luden. Es konnten 62.86% der Varianz aufgeklärt werden. Bis auf eine Ausnahme (Sekundäre Emotionen-Belohnungsaufschub mit r = .10) finden sich signifikante Korrelationen zwischen den Untertests, die zwischen r = .20 und r = .73 betragen. Die konvergente Validität wurde durch Korrelation mit einem ähnlichen Verfahren untersucht. So korrelieren die Untertests "Primäre Emotionen" und "Sekundäre Emotionen" mit der Skala "Regulationsverhalten" des BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige (BIKO 3-6; Souvignier et al., 2014) zu r = .20. Die Untertests "Prosoziales Verhalten" und "Empathie" zeigen Zusammenhänge mit der Skala "Prosoziales Verhalten" der deutschen Version des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ), der Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu; Goodmann, 1999-2001), die in Höhe von r = .19-.21 liegen. Der Untertest "Belohnungsaufschub" wurde mit drei ähnlichen Verfahren korrelativ verglichen. Auch hier finden sich signifikante Korrelationen (r = .26-.40). Weiterhin wurden alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede für das EMK 3-6 gefunden: Ältere und zumeist weibliche Kinder erreichen die höchsten Punkte in fast allen Untertests. Keine bedeutsamen Unterschiede zeigten sich in Hinblick auf den sozioökonomischen Status (mit vs. ohne Migrationshintergrund) und die Mono- vs. Bilingualität. Wurden Verhaltensauffälligkeiten bei einem Kind festgestellt, zeigten sich lediglich in dem Untertest "Prosoziales Verhalten" signifikant niedrigere Leistungen als bei Kindern ohne Angaben (Petermann & Gust, 2016a, S. 67-71). Demgegenüber wurden für das EMK-Screening keine Mittelwertunterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund und Familiensprache sowie Verhaltensauffälligkeiten gefunden. Die dreifaktorielle Struktur konnte nachgewiesen werden mit einer Hauptachsenfaktorenanalyse mit Varimax-Rotation und einer 71.92%igen Varianzaufklärung (S. 73-74). Die Skaleninterkorrelationen zwischen den drei Skalen liegen mit r = .51 bis r = .69 im hohen Bereich. Auch zeigt sich, dass das EMK 3-6 und EMK-Screening signifikant miteinander korrelieren (r = .25-.37), was für die konvergente Validität des Inventars insgesamt spricht. Die Spezifität und die Sensitivität des EMK-Screenings wurden für alle drei Skalen getrennt berechnet. Die Werte für Spezifität liegen im Bereich 82-96% und die für Sensitivität im niedrigeren Bereich (64-74%).
In einer Studie von Gust, Fintel und Petermann (2017) mit derselben Stichprobe, mit der die Testautoren die Eichung durchgeführt haben (siehe unter "Normierung"), konnte festgestellt werden, dass sowohl der Einfluss von Emotionsregulationsstrategien auf das prosoziale Verhalten als auch der Zusammenhang zwischen den gewählten Emotionsregulationsstrategien und Empathie durch Emotionswissen als Mediator gesteuert werden.
 

Normierung

Die Normierung wurde im Herbst 2015 an einer bundesweiten Stichprobe bestehend aus n = 470 Kindern aus Kindertagesstätten und Grundschulen durchgeführt. Die Kinder wurden aus den Regionen Bremen, Niedersachen, Baden-Württemberg, Hessen und Saarland rekrutiert. Normen in Form von Prozentrang- und T-Werten liegen getrennt nach Geschlecht, Altersstufe (3;0-4;11, 5;0-6;5 Jahre) und Untertests vor, wobei für den Untertest "Belohnungsaufschub" als Vergleichswerte Mittelwerte und Standardabweichungen angegeben werden. Hierfür liegen Daten von n = 466 Kindern vor (Petermann & Gust, 2016a, S. 13, S. 28-29, S. 83-86).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das EMK 3-6 kann in erster Linie von Personen aus der Frühförderung sowie von Kindertagesstätten zur differenzierten Erfassung emotionaler Kompetenzen angewendet werden. Auch für Kinderpsychologen/-psychotherapeuten, -ärzte und -psychiater sowie in Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt Frühförderung und Kinder- und Jugendhilfe erweist sich das Verfahren als geeignet. Mit dem Screeningbogen kann zusätzlich oder alternativ eine schnelle (Fremd-)Einschätzung der emotionalen Fähigkeiten gemacht werden. Der Bogen kann von Erziehern für die Förderplanung sowie Verlaufsdokumentation eingesetzt werden. Für die Arbeit mit emotional unterentwickelten Kindern bieten die Autoren das EMK-Förderprogramm (Petermann & Gust, 2016b) an.
 

Bewertung

Das Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen (EMK 3-6) sowie der Fragebogen zur Fremdeinschätzung (EMK-Screening) von Petermann und Gust (2016a) dienen der differenzierten Erfassung emotionaler Kompetenzen bei drei- bis sechseinhalbjährigen Kindern. Im Manual werden das Inventar EMK 3-6 und das EMK-Screening getrennt beschrieben. Dies wird bereits bei den sehr hilfreichen Kurzangaben zu beiden Verfahren ganz am Anfang des Manuals ersichtlich. Beide Testteile werden im Hinblick auf die Theorie, Konstruktion, psychometrische Güte und Anwendungsgebiete sehr ausführlich und kompakt dargestellt. Es liegen Normen vor, sodass die Interpretationsobjektivität gewährleistet wird. Es werden hilfreiche Tipps für Testanwender gegeben. Die Testbox enthält alles Nötige für eine reibungslose Durchführung und Auswertung. Zudem kann der Test als anwenderfreundlich gelten, da er von den sehr jungen Probanden gerne akzeptiert wird.
 

Literatur

  • Goodman, R. (1999-2001). Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu). London: Institute of Psychiatry, Department of Child and Adolescent Psychiatry.
  • Grob, A., Reimann, G., Gut, J. & Frischknecht, M.-C. (2013). ids-P. Intelligence and Development Scales - Preschool. Intelligenz- und Entwicklungsskalen für das Vorschulalter. Bern: Huber.
  • Gust, N., Fintel, R. v. & Petermann, F. (2017). Emotionsregulationsstrategien im Vorschulalter. Kind und Entwicklung, 26 (3), 157-165. (DOI: 10.1026/0942-5403/a000227)
  • Hülshoff, T. (2012). Emotionen (4., aktualisierte Auflage). München: UTB.
  • Ochsner, K. N. & Gross, J. J. (2005). The cognitive control of emotion. Trends in cognitive sciences, 9 (5), 242-249.
  • Petermann, F. & Gust, N. (2016a). EMK 3-6. Inventar zur Erfassung emotionaler Kompetenzen bei Drei- bis Sechsjährigen. Göttingen: Hogrefe.
  • Petermann, P. & Gust, N. (2016b). Emotionale Kompetenzen im Vorschulalter fördern. Das EMK-Förderprogramm [Beilage: CD-ROM mit Materialien]. Göttingen: Hogrefe. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0317246
  • Sloan, D. M. & Kring, A. M. (2007). Measuring changes in emotion during psychotherapy: Conceptual and methodological issues. Clinical Psychology: Science and Practice, 14 (4), 307-322.
  • Souvignier, E., Holodynski, M., Seeger, D., Brunner, M., Krajewski, K., Schöler, H. & Zimmer, R. (2014). BIKO 3-6. BIKO-Screening zur Entwicklung von Basiskompetenzen für 3- bis 6-Jährige. Göttingen: Hogrefe.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Photographs; Pictorial Stimuli; Subtests; Test Norms; Screening Tests; Developmental Psychology; Emotional Development; Emotion Recognition; Prosocial Behavior

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Photographien; Bild-Stimuli; Untertests; Testnormen; Screening Tests; Entwicklungspsychologie; Emotionale Entwicklung; Emotionserkennung; Prosoziales Verhalten

 weitere Schlagworte:

2016; Emotionswissen; ab 3 Jahre; bis 6 Jahre 5 Monate; 73 Items; EMK-Screening mit 17 Items; Bereiche: 1 Emotionswissen, 2 Emotionsregulation, 3 Empathie; Untertests: 1 Primäre Emotionen, 2 Sekundäre Emotionen, 3 Prosoziales Verhalten, 4 Empathie, 5 Belohnungsaufschub; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2015; Stichprobe(n): 470
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Motivation und Emotion
Spezielle Tests zur sozialen und emotionalen Entwicklung
1.7
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201803
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