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Verhaltensskalen für das Kindergartenalter

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007121
 

VSK - Verhaltensskalen für das Kindergartenalter (PSYNDEX Tests Review)

 

Behavioral Scales for Preschool Age/zpid
Synonym(e): Fragebogen zur Erfassung von Verhaltensproblemen und Verhaltensstärken

 Koglin, U. & Petermann, F.
 (2016). VSK. Verhaltensskalen für das Kindergartenalter [Testbox komplett mit Manual, 10 Fragebögen für Eltern VSK-EL, 10 Fragebögen für pädagogische Fachkäfte VSK-PF, 10 Auswertungsbögen, 10 Profilbögen und ein Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 105,00 Euro (Test komplett; Stand: 6.3.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Ute Koglin, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Fachgruppe Sonder- und Rehabilitationspädagogische Psychologie, Ammerländer Heerstraße 114-118, D-26129 Oldenburg ; E-Mail: ute.koglin@uni-oldenburg.de ; URL: https://www.uni-oldenburg.de/ute-koglin/ ; Stand: 22.7.2016
o Prof. Dr. Franz Petermann bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00366FP
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die Verhaltensskalen für das Kindergartenalter (VSK; Koglin & Petermann, 2016) dienen zur Erfassung von Verhaltensproblemen und sozial-emotionalen Ressourcen drei- bis sechsjähriger Kinder. Sie werden von Eltern und Erziehern angewendet, um so eine Grundlage für die Eltern- und Erziehungsarbeit zu schaffen und Fördermaßnahmen ableiten und umsetzen zu können. Darüber hinaus können Psychologen, Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderärzte und (Sonder-)Pädagogen das Verfahren einsetzen. Es kann auch in der Forschung angewendet werden.


Aufbau:
Die VSK liegen in einer parallelen Version für Eltern (VSK-EL) und für pädagogische Fachkräfte (VSK-PF) vor und bestehen aus je 49 Items mit identischer Formulierung und verteilt auf sieben Skalen. Sie umfassen die vier Problemskalen (1) Ängstlichkeit, (2) Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, (3) Aggressives Verhalten und (4) Emotionsdysregulation und die drei Ressourcenskalen (5) Soziale Kompetenz, (6) Emotionswissen/Empathie und (7) Selbstregulation. Die Fragen werden auf einer vierstufigen Skala beantwortet.


Grundlagen und Konstruktion:
Das Verfahren wurde auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie, fundierter theoretischer Modelle und mithilfe von Erzieher- und Elternurteilen konstruiert. In einer Konstruktionsphase (n = 271 Kinder) wurde die psychometrische Güte überprüft. Das Ziel war es, eine Parallelversion für Eltern und Erzieher zu entwickeln. Die Skalenstruktur wurde vor und nach der Eliminierung von Items faktorenanalytisch überprüft. Die Trennschärfe der Problemskalen variieren innerhalb der Skalen stark, die der Ressourcenskalen dahingegen weniger stark.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz liegt zwischen Cronbachs Alpha = .64 und Alpha = .82 (Elternversion) und zwischen Alpha = .78 und Alpha = .92 (VSK-PF). Die Retestreliabilitäten nach einem 3-Monatsintervall bewegen sich zwischen rtt = .30 und rtt = .74 (Elternversion) bzw. zwischen rtt = .51 und rtt = .82 (Version für pädagogische Fachkräfte). Die Profilreliabilität wurde nicht überprüft.
Validität: Die Konstruktvalidität wurde faktorenanalytisch überprüft und bestätigt die gewählte Skalenstruktur. Auch die Skaleninterkorrelationen wurden berechnet und zeigen konforme Zusammenhänge (negative Korrelation zwischen konträren Skalen und positive Korrelation zwischen ähnlichen Skalen). Die höchsten Zusammenhänge finden sich zwischen den einzelnen Skalen und der Gesamtskala (Gesamt-Problemskala: r = .29-.83; Gesamt-Ressourcenskala: r = .51-.81). Zudem wurden Korrelationsberechnungen zwischen den Ressourcen- und Problemskalen durchgeführt. Die höchste Korrelation wurde zwischen "Aggressives Verhalten" und "Selbstregulation" gefunden mit r = -.61 (mit der VSK-PF-Version). Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden die VSK mit dem SDQ-Deu korreliert. Signifikant negative Korrelationen ergeben sich erwartungsgemäß mit komplementären Skalen und signifikant positive Korrelationen zwischen ähnlichen Skalen. Z. B. korreliert die Gesamt-Ressourcenskala mit r = .82 (VSK-PF) bzw. r = .67 (VSK-EL) mit der SDQ-Deu-Skala "Prosoziales Verhalten" und mit r = -.72 (VSK-PF) bzw. r = -.55 (VSK-EL) mit dem SDQ-Deu-Gesamtproblemwert. In der Konstruktionsphase wurden auch Alters- und Geschlechterunterschiede gefunden. Ältere Kinder werden von den Erziehern als sozial-emotional kompetenter eingeschätzt. Bei Eltern weichen die Werte für sozial-emotionale Kompetenzen der beiden Altersgruppen nicht so stark voneinander ab. Für Eltern und Erzieher zeigen Jungen ein aggressiveres Verhalten als Mädchen. Weiterhin berichten Eltern über signifikant mehr Verhaltensprobleme und zugleich mehr sozial-emotionale Kompetenzen als Erzieher.
Normen: Die Eichung wurde zwischen 2014 und 2015 an N = 783 drei- bis sechsjährigen Kindern (45.8% weiblich) aus den Bundesländern Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Hessen durchgeführt. Für beide Versionen wurden jeweils geschlechtsspezifische sowie geschlechtsübergreifende Normen in Form von Prozentrang- und T-Werten für zwei Altersgruppen (3;0-4;6 Jahre, 4;7-6;6 Jahre) berechnet.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Verhaltensskalen für das Kindergartenalter (VSK; Koglin & Petermann, 2016) erfassen Verhaltensprobleme und sozial-emotionale Ressourcen von Kindergartenkindern (S. 5-6). Auch bei sehr kleinen Kindern werden immer häufiger Auffälligkeiten im Verhalten beobachtet, was sich sehr ungünstig auf die Entwicklung auswirkt. Umso eher sollten Verhaltensprobleme und Verhaltensstärken festgestellt werden. Das Ziel der Verfahrensentwicklung war es, sowohl die Verhaltensstärken als auch die Verhaltensprobleme durch Eltern und Erzieher parallel einschätzen zu lassen. Diese Einschätzliste stellt eine Ergänzung zu den Beobachtungsverfahren Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation (EBD 3-48, Petermann, Petermann & Koglin, 2015, PSYNDEX Tests-Nr. 9006268; EBD 48-72, Koglin, Petermann & Petermann, 2017, PSYNDEX Tests-Nr. 9006557) dar (Koglin & Petermann, 2016, S. 5).
 

Testaufbau

Das Verfahren liegt in den Parallelversionen VSK-EL für Eltern und VSK-PF für pädagogische Fachkräfte vor, die die vier Problemskalen (1) Ängstlichkeit, (2) Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, (3) Aggressives Verhalten und (4) Emotionsdysregulation und die drei Ressourcenskalen (5) Soziale Kompetenz, (6) Emotionswissen/Empathie und (7) Selbstregulation umfassen. Insgesamt bestehen die beiden parallelen Versionen aus 49 Fragen mit vierstufigem Antwortformat und weiteren 12 ergänzenden Fragen, die die allgemeine Gesundheit und Entwicklung des Kindes betreffen (Koglin & Petermann, 2016, S. 6, S. 35).
 

Auswertungsmodus

Jede Frage ist auf einem vierstufigen Antwortformat mit den Stufen 0 = "trifft nicht zu", 1 = "trifft eher nicht zu", 2 = "trifft eher zu" und 3 = "trifft zu" kodiert, sodass maximal drei Punkte pro Item erreicht werden können. Pro Skala sollte nicht mehr als eine Itemantwort fehlen. Das fehlende Item kann durch den Skalenmittelwert ersetzt werden. Invertierte Items müssen umkodiert werden (gilt für Item 12, 22, 24 & 34). Für die Auswertung steht ein Schablonensatz zur Verfügung, bei dem die Umpolung beachtet wurde. Die Ergebnisse (Itemrohwerte, Subkalenrohwerte, zwei Gesamtskalenwerte, Normwerte) werden in den Profilbogen übertragen: Für die Problemskalen "Ängstlichkeit" mit acht Items können maximal 24 Punkte, für "Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit" mit fünf Items maximal 15 Punkte, für "Aggressives Verhalten" mit 10 Items maximal 30 Punkte und für "Emotionsdysregulation" mit acht Items maximal 24 Punkte erzielt werden. Für die Ressourcenskalen "Soziale Kompetenz" bestehend aus sechs Items sind 18 Punkte, dann für "Emotionswissen/Empathie" aus sieben Items maximal 21 Punkte und für "Selbstregulation" aus fünf Items maximal 15 Punkte möglich. Aus den Summen der vier Problemskalen kann ein Wert für die Gesamt-Problemskala (max. 93 Punkte) und aus den Summen der drei Ressourcenskalen ein Wert für die Gesamt-Ressourcenskala (max. 54 Punkte) ermittelt werden. Auf dem Protokollbogen können, nachdem die Normwerte für die Skalenwerte und Gesamtskalenwerte aus den Normtabellen im Anhang abgelesen wurden, in die Spalten PR (= Prozentrangwert) und T (= T-Wert) eingetragen werden. Ebenso werden Konfidenzintervalle (KI) angegeben. Eine Profildarstellung der T-Werte ist ebenso möglich. Es werden drei Cut-off-Werte für die beiden Gesamtskalen vorgegeben, die zur besseren Veranschaulichung des Profils farblich abgestuft sind: (1) Der hellgraue Wertebereich steht für eine unauffällige Entwicklung; (2) Werte aus dem mittelgrauen Bereich beschreiben grenzwertige Ergebnisse; (3) Eine auffällige Entwicklung wird beim Erreichen von Werten aus dem dunkelgrauen Bereich angezeigt (Koglin & Petermann, 2016, S. 6, S. 35, S. 37, S. 49-50).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen zur Verfügung ein Schablonensatz, Normtabellen im Anhang, ausführliche Auswertungs- und Interpretationshinweise, die Profildarstellung und Cut-off-Werte sowie ein Fallbeispiel (Koglin & Petermann, 2016, S. 37-50, S. 67 ff.).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung dauert pro Version ca. 5-10 Minuten (Koglin & Petermann, 2016, S. 6).
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird Item 1 (VSK-EL und VSK-PF) vorgestellt.

Item 1: "Teilt Spielsachen mit anderen Kindern."
 

Durchführung

 

Testformen

Die VSK liegen in den Formen VSK-EL und VSK-PF vor, sodass für jedes Kind stets zwei Fremdurteile abgegeben werden. Die Items sind identisch formuliert, sodass sich die beiden Versionen lediglich in der Instruktion unterscheiden (Koglin & Petermann, 2016, S. 35).
 

Altersbereiche

Die VSK wurden für Kinder im Alter von 3;0 bis 6;6 Jahre konzipiert.
 

Durchführungszeit

Für die Versionen VSK-EL und VSK-PF werden je 10 bis 15 Minuten benötigt (Koglin & Petermann, 2016, S. 6).
 

Material

In der Testbox sind folgende Materialien enthalten: das Manual, je 10 Fragebögen für Eltern und Erzieher, Auswertungs- und Profilbögen sowie zwei Schablonen. Verbrauchsmaterial kann separat bezogen werden. Es wird zusätzlich ein Schreibgerät benötigt.

Materialliste Testbox VSK (Stand: 18.07.2016):
- Manual (Artikelnr.: 0145202)
- 10 Fragebögen für Eltern (VSK-EL) (Artikelnr.: 0145203)
- 10 Fragebögen für pädagogische Fachkräfte (VSK-PF) (Artikelnr.: 0145204)
- 10 Auswertungsbögen (Artikelnr.: 0145205)
- 10 Profilbögen (Artikelnr.: 0145206)
- 1 Schablonensatz (Artikelnr.: 0145207).
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf den jeweiligen Bögen abgedruckt. Für Eltern mit Leseschwäche oder schwachen Deutschkenntnissen können die Instruktionen und Fragen vorgelesen werden (Koglin & Petermann, 2016, S. 37).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse werden testtheoretische Kenntnisse sowie Wissen zu sozial-emotionaler Kompetenz und möglichen Verhaltensproblemen vorausgesetzt. Pädagogische Fachkräfte sollten als Testleiter das Manual gelesen und für die Fragebogenauswertung und Interpretation der Normwerte geschult werden. Der ausgefüllte Fragebogen sollte direkt im Anschluss auf Vollständigkeit überprüft werden und bei fehlenden Itemantworten sollen diese von den Testpersonen erfragt werden (Koglin & Petermann, 2016, S. 36, S. 37).
 

Testkonstruktion

Das Verfahren wurde auf der Basis der Klassischen Testtheorie konzipiert. Die Autoren stützten sich auf Theorien zur sozial-emotionalen Kompetenz (z. B. Modell sozial-emotionalen Lernens nach Denham et al., 2003) und zu weit verbreiteten Verhaltensproblemen aus dem Kindergarten (Ängstlichkeit, Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, aggressives Verhalten sowie Emotionsdysregulation). In einer Konstruktionsphase wurde die psychometrische Güte überprüft. Es wurde stark darauf geachtet, eine parallele Version für Eltern und Erzieher zu entwickeln, die eine optimale Vergleichbarkeit ermöglicht, um den bisherigen Diskrepanzen zwischen Eltern- und Erzieherurteilen entgegenzuwirken. Es nahmen N = 306 Kinder aus 13 Kindergärten teil, wobei fünf Kinder eliminiert wurden, weil sie unter 3;0 Jahren waren, und weitere 30 Kinder, von denen die Daten unvollständig waren. Insgesamt verblieben N = 271 Daten (n = 127 Mädchen, n = 144 Jungen; M = 55.12 Monate alt, SD = 10.81). Die Eltern und die Kindergärten wurden per Anschreiben über die Studie informiert und für die Teilnahme pro Kind mit 6 Euro "entschädigt". Der Itempool zur Erfassung von Verhaltensproblemen wurde faktorenanalytisch für beide Versionen überprüft. Eine Maximum-Likelihood-Schätzung mit Promax-Rotation ergab erwartungsgemäß vier Faktoren für jede Version. Dabei konnte die VSK-PF eine Varianz von 44.83% und die VSK-EL 32.89% aufklären. Es wurden solche Items eliminiert, die nicht in beiden Versionen auf demselben Faktor über a = .30 luden oder keinem einzigen Faktor zugeordnet werden konnten. Dies führte zur Elimination von sechs Items. Eine erneute Faktorenanalyse ergab höhere Werte und mehr Varianzaufklärung pro Version. Einige Items mit schwacher Ladung wurden zugunsten der Parallelstruktur zwischen VSK-PF und VSK-EL und unter Zuhilfenahme der Erzieherurteile beibehalten. Die Trennschärfen der Problemskalen variieren innerhalb der Skalen stark und liegen zwischen rit = .22-.80 (VSK-PF) bzw. rit = .35-.64 (VSK-EL). Für die Gesamt-Problemskala wird ein Wertebereich von rit = .15-.65 (VSK-PF) bzw. rit = .13-.57 (VSK-EL) angegeben. Der Itempool zur Erfassung von Ressourcen wurde ebenfalls faktorenanalytisch für beide Versionen überprüft. Sechs Items wurde herausgenommen, da sie eine geringe Ladung aufwiesen oder sich nicht eindeutig einem der drei festgelegten Faktoren zuordnen ließen. Die Trennschärfen für die Ressourcenskalen variierten weniger stark. So bewegen sich die Trennschärfeindices der VSK-PF innerhalb der Skalen zwischen rit = .46-.63 und für die Gesamt-Ressourcenskala zwischen rit = .36-.71. Die Trennschärfe für die VSK-EL-Ressourcenskalen liegen zwischen rit = .27-.57 (Koglin & Petermann, 2016, S. 19-29).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität werden durch die standardisierten Instruktionen sowie den Auswertungs- und Interpretationshilfen gewährleistet (Koglin & Petermann, 2016, S. 51).
Die Beurteilerübereinstimmung wurde durch den Vergleich der Ergebnisse der Eltern- und Erziehereinschätzungen berechnet. Die Intraklassenkorrelationen (ICC) für die Problemskalen und die Ressourcenskalen wurden allesamt auf einem Signifikanzniveau von p = .001 signifikant (Problemskalen: r = .27-.50, Ressourcenskalen: r = .41-.55; S. 25, Tabelle 11, S. 30, Tabelle 18). Rademacher, Koglin und Petermann (2016) ermittelten zusätzlich die ICC für die 12 Zusatzfragen zur Gesundheit und Entwicklung. Eltern und Erzieher schätzen Gesundheitsprobleme wie Allergien, Sehschwäche oder Sprachauffälligkeiten gleichermaßen ein (ICC = .35-.99). Die ICC-Werte wurden alle signifikant bis auf eine Ausnahme (Bauchschmerzen: ICC = -.05). Koglin (2015) ermittelte die Beurteilerübereinstimmung an einer Stichprobe mit N = 1 054 Kindern. Die Stichprobe setzt sich zusammen aus den Kindern der Konstruktions- und Normierungsphase der VSK. Sie ermittelte einen Wert von Kappa = .17 für die kategoriale Übereinstimmung bei der Einschätzung von Verhaltensproblemen und einen Wert von Kappa = .15 bei der Einschätzung von sozial-emotionalen Kompetenzen. Hinsichtlich der Verhaltensprobleme konnten 64% der Kinder von beiden Parteien als unauffällig und 8% als auffällig eingeschätzt werden, während bei 28% der Kinder keine Übereinstimmung der Ergebnisse vorliegt. Was die Einschätzung von sozial-emotionalen Kompetenzen angeht, so werden 71% von beiden Parteien als unauffällig und lediglich 5% als auffällig eingeschätzt. Bei den restlichen 24% der Kinder werden unterschiedliche Urteile von Erziehern und Eltern abgegeben.
 

Reliabilität

Für die Überprüfung der Reliabilität wurden die interne Konsistenzen nach Cronbachs Alpha sowie die Retestreliabilitäten berechnet. Die interne Konsistenz liegt zwischen Alpha = .64 und Alpha = .82 für die Skalen der Elternversion und zwischen Alpha = .78 und Alpha = .92 für die Skalen der VSK-PF. Die Retestreliabilitäten nach einem 3-Monatsintervall bewegen sich zwischen rtt = .30 und rtt = .74 (Elternversion) bzw. zwischen rtt = .51 und rtt = .82 (Version für pädagogische Fachkräfte) (Koglin & Petermann, 2016, S. 51-52).
Die Profilreliabilität wurde nicht überprüft.
 

Validität

Die Konstruktvalidität wurde faktorenanalytisch überprüft und bestätigt die gewählte Skalenstruktur (siehe unter "Testkonstruktion"). Auch die Skaleninterkorrelationen wurden berechnet. So wurden die Korrelationen zwischen den Problemskalen und Ressourcenskalen untereinander signifikant und liegen im mittleren bis hohen Bereich (Problemskalen: r = -.18-.58; Ressourcenskalen: r = .11-.50). Die höchsten Zusammenhänge finden sich zwischen den einzelnen Skalen und der Gesamtskala (Gesamt-Problemskala: r = .29-.83; Gesamt-Ressourcenskala: r = .51-.81). Zudem wurden Korrelationsberechnungen zwischen den Ressourcen- und Problemskalen durchgeführt. Die höchste Korrelation wurde zwischen "Aggressives Verhalten" und "Selbstregulation" gefunden mit r = -.61 (in der VSK-PF-Version). Keine signifikante Korrelation zeigt sich bei "Selbstregulation-Ängstlichkeit" (bei beiden VSK-Versionen) und bei "Soziale Kompetenz-Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit" in der Elternversion. Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurde die Korrelation mit einem ähnlichen Verfahren, dem Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu; Goodmann, 1999-2001) anhand der Datensätze der Konstruktionsstichprobe und der Vorversion der VSK berechnet. Negative Korrelationen ergeben sich erwartungsgemäß mit komplementären Skalen und positive Korrelationen zwischen ähnlichen Skalen. Z. B. korreliert die Gesamt-Ressourcenskala mit r = .82 (VSK-PF) bzw. r = .67 (VSK-EL) mit der SDQ-Deu-Skala "Prosoziales Verhalten" und mit r = -.72 (VSK-PF) bzw. r = -.55 (VSK-EL) mit dem SDQ-Deu-Gesamtproblemwert. Fast alle Korrelationen wurden signifikant (Koglin & Petermann, 2016, S. 24, Tabelle 9, S. 25, Tabelle 10, S. 32, S. 52-54).
In der Konstruktionsphase wurden auch Alters- und Geschlechterunterschiede gefunden. So werden beispielsweise ältere Kinder (3;6-4;6 Jahre vs. 4;7-6;6 Jahre alt) von den Erziehern als sozial-emotional kompetenter eingeschätzt als jüngere Kinder. Bei Eltern weichen die Werte für sozial-emotionale Kompetenzen der beiden Altersgruppen nicht so stark voneinander ab. Weiterhin schätzen Eltern und Erzieher das aggressive Verhalten bei Jungen übereinstimmend höher ein als bei Mädchen (Koglin & Petermann, 2016, S. 30-31).
In einer groß angelegten Befragung (N = 1 054 Kinder) konnte Koglin (2015) den Befund, dass Jungen mehr Verhaltensprobleme und weniger Kompetenzen zugesprochen werden, erneut belegen. Weiterhin konnte sie zeigen, dass Eltern über signifikant mehr Verhaltensprobleme und zugleich mehr sozial-emotionale Kompetenzen berichten als Erzieher.
 

Normierung

Die Eichung wurde zwischen Oktober 2014 und März 2015 durchgeführt. Hierfür gingen Daten von N = 783 drei- bis sechsjährigen Kindern (45.8% weiblich) aus den Bundesländern Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Hessen ein. Für beide Versionen wurden jeweils geschlechtsspezifische sowie geschlechtsübergreifende Normen in Form von Prozentrang- und T-Werten für zwei Altersgruppen (3;0-4;6 Jahre, 4;7-6;6 Jahre) berechnet (Koglin & Petermann, 2016, S. 55-57, S. 67-101).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Testverfahren wurde für Eltern (VSK-EL) und pädagogische Fachkräfte (VSK-PF) konzipiert. Ein Vergleich der Einschätzungen zwischen Eltern und Erziehern kann eine Grundlage für die Elternarbeit und für eine optimale Entwicklungsförderung darstellen. Das Verfahren erfasst dabei umfassend und ökonomisch die Verhaltensstärken und -probleme. Aus dem daraus gewonnenen Verhaltensprofil kann über mehrere Jahre hinweg ein angepasstes Erziehungs- und Förderplan erarbeitet und umgesetzt werden. Ebenso helfen die VSK bei Entwicklungsaussagen und Entscheidungen im Hinblick auf die Schulreife. Darüber hinaus können Psychologen, Kinder- und Jugendpsychiater, Kinderärzte, (Sonder-)Pädagogen das Verhaltensprofil von stark auffälligen Kindern als Grundlage für eine differenzierte Entwicklungsdiagnostik heranziehen. Die Autoren empfehlen den Einsatz von allgemeinen Entwicklungstests (z. B. den Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahre, ET 6-6; Petermann & Macha, 2015), um auch aus anderen Entwicklungsbereichen Defizite aufdecken zu können. Die VSK können auch als Forschungsinstrument eingesetzt werden (S. 6, S. 36).
 

Bewertung

Die VSK-Versionen für Eltern und Erzieher erfassen Verhaltensprobleme und sozial-emotionale Ressourcen von Kindergartenkindern. Die Testkonstruktion ist nachvollziehbar, die psychometrische Güte wurde bis auf die Profilreliabilität überprüft und es liegen repräsentative Normen vor. Die VSK zeichnen sich zudem durch eine ökonomische Durchführung und Auswertung aus. Ganz besonders sollte hervorgehoben werden, dass die VSK mit den parallelen Versionen eine Grundlage für eine optimale Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern zu schaffen in der Lage ist.
 

Literatur

  • Denham, S. A., Blair, K. A., DeMulder, E., Levitas, J., Sawyer, K., Auerbach-Major, S. & Queenan, P. (2003). Preschool emotional competence: Pathway to social competence? Child Development, 74 (1), 238-256.
  • Goodman, R. (1999-2001). Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ-Deu). London: Institute of Psychiatry, Department of Child and Adolescent Psychiatry.
  • Koglin, U. (2015). Ergebnisse aktueller Studien zur Arbeitshilfe EBD (Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation) und zur Übereinstimmung von Eltern- und Erzieherinnenurteil (Vortrag zur 8. Jahrestagung: "Eltern und Familie: Basis für gelingende Teilhabe von Kindern" am 24.11.2015).
  • Koglin, U. & Petermann, F. (2016). VSK. Verhaltensskalen für das Kindergartenalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U. (2017). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. EBD 48-72 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kindertagesstätten (5., aktualisierte Auflage). Berlin: Cornelsen Scriptor.
  • Petermann, F. & Macha, T. (2015). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision (2., korrigierte Auflage). Frankfurt am Main: Pearson.
  • Petermann, U., Petermann, F. & Koglin, U. (2015). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. EBD. 3-48 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Krippen und Kindergärten (5., überarbeitete Auflage) [Beilage: CD-ROM]. Cornelsen: Scriptor.
  • Koglin, U., Petermann, F. & Petermann, U. (2017). Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation. EBD 48-72 Monate. Eine Arbeitshilfe für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Kindertagesstätten (5., aktualisierte Auflage). Berlin: Cornelsen Scriptor.
  • Rademacher, A., Koglin, U. & Petermann, F. (2016). Psychosoziale Gesundheit von Kindergartenkindern im Urteil von Eltern und Pädagogischen Fachkräften. Monatsschrift für Kinderheilkunde, 164 (5), 386-392.
 
 Gülay Karadere (06.03.2018)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Rating Scales; Test Norms; Clinical Psychology; Early Childhood Development; Behavior Disorders; Behavior Problems; Social Skills; Resource Allocation

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Rating-Skalen; Testnormen; Klinische Psychologie; Entwicklung in der frühen Kindheit; Verhaltensstörungen; Verhaltensprobleme; Soziale Fertigkeiten; Ressourcenzuweisung

 weitere Schlagworte:

2016; Fremdeinschätzung; ab 3 Jahre; bis 6 Jahre 6 Monate; 12 Fragen zur Gesundheit und Entwicklung; 49 Items; VSK-EL (Elternversion); VSK-PF (Version für pädagogische Fachkräfte); Problemskalen: 1 Ängstlichkeit, 2 Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, 3 Aggressives Verhalten, 4 Emotionsdysregulation; Ressourcenskalen: 5 Soziale Kompetenz, 6 Emotionswissen/Empathie, 7 Selbstregulation; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2015; Stichprobe(n): 783
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Verhaltensstörungen, antisoziales und selbstdestruktives Verhalten; Interaktion, Anpassung und Einstellungen
Verhaltensskalen im Bereich der Klinischen Psychologie
11.20
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2016
 Änderungsdatum: 201803
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID