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Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment & Prozessinstrument

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006947
 

PEAP - Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment & Prozessinstrument (PSYNDEX Tests Review)

 

Pediatric Ergotherapeutic and Processual Assessment/zpid
Synonym(e): Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment und Prozessinstrument

 Kraus, E. & Romein, E.
 (2015). PEAP. Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment und Prozessinstrument. Selbstversorgung. Produktivität. Spiel/Freizeit. Unter Mitarbeit von Ulrike Weise [Stülpschachtel mit Handbuch, Formularheft mit CD-ROM "Formulare", Formularsatz Altersstufe 5-6 Jahre, Formularsatz Altersstufe 7-8 Jahre, Bildkarten für die Altersstufen 5-6 Jahre und 7-8 Jahre, PEAP-Teich, PEAP-Rädchen, Holzküken und 4 Glaseier]. Idstein: Schulz-Kirchner.

ISBN: 978-3-8248-1189-2
Preis: 169,99 Euro (Test komplett; Stand: 22.01.2018)

 Bezugsquelle: Schulz-Kirchner Verlag GmbH, Mollweg 2, D-65510 Idstein ; E-Mail: info@schulz-kirchner.de ; URL: http://www.schulz-kirchner.de/ ; Stand: 15.4.2016.
 Adresse(n): o Ellen Romein, euMS.OT, La Grande Cotte, F-07270 Gilhoc sur Ormèze, France ; E-Mail: ellenromein@gmail.com ; URL: http://www.klientenzentrierte-ergotherapie.com/ ; Stand: 23.10.2015
o Prof. Dr. Elke Kraus, Professorin für Ergotherapie, Alice Salomon Hochschule Berlin, Alice-Salomon-Platz 5, D-12627 Berlin ; E-Mail: kraus@ash-berlin.eu ; URL: https://www.ash-berlin.eu/hochschule/lehrende/professor-innen/prof-dr-elke-kraus/ ; Stand: 22.01.2018
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das Pädiatrische Ergotherapeutische Assessment und Prozessinstrument (PEAP) unterstützt die pädiatrische Ergotherapie in zweierlei Hinsicht: (a) mit einem standardisierten Instrument zur Betätigungsanalyse (PEAP-Assessment) sowie (b) mit einer Formularsammlung und verschiedenen Strukturierungshilfen in allen Arbeitsphasen, angefangen bei der Befunderhebung über die Therapieplanung, Intervention und Prozessdokumentation bis zur Evaluation (PEAP-Prozessinstrument). Mit dem Verfahren lassen sich alterstypische Betätigungen aus Sicht der Kinder, Eltern, Erzieher, Lehrer und aus Therapeutensicht darstellen. Es soll sowohl die individuelle Behandlung als auch die Forschung zur pädiatrischen Ergotherapie unterstützen.


Aufbau:
Das PEAP besteht aus zwei Teilen: (1) Das PEAP-Assessment erlaubt mit verschiedenen Fragebögen und Strukturierungshilfen für erwachsene Bezugspersonen sowie mit kindgerechten Materialien die klientenzentrierte Identifikation von Betätigungsproblemen, Behandlungsplanung und Therapieevaluation. Es gibt eigene Versionen für 5-6 Jahre sowie für 7-8 Jahre. Mit einem Kartensatz wird der Betätigungsstatus in 15 alterstypischen Betätigungsfeldern in den drei Lebensbereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/Spiel erhoben und der Veränderungswunsch erfragt. Ein Holzküken und Spielzeugeier unterstützen das Kind dabei. (2) Das PEAP-Prozessinstrument ist eine Strukturierungs- und Dokumentationshilfe für den gesamten ergotherapeutischen Prozess. Es bietet dazu einen theoriebasierten Ablaufplan für fünf Prozessphasen (Vorbereitungsphase, Erfassungsphase, Analysephase, Phase der Zielsetzung, Maßnahmenplanung und Intervention sowie Evaluationsphase), zu denen eine umfassende Formularsammlung bereitgestellt wird. Das PEAP-Assessment ist in diesen Ablaufplan integriert.


Grundlagen und Konstruktion:
Das PEAP basiert auf dem Person-Environment-Occupation Model (PEO; Law et al., 1996) sowie dem Canadian Practice Process Framework (CPPF; Craik et al., 2007). Für die Operationalisierung und Materialentwicklung wurden internationale und deutschsprachige Assessments ausgewertet, die betätigungsorientiert und klientenzentriert angelegt sind; leitend für die Verfahrensentwicklung waren insbesondere das Ergotherapeutische Assessment (EA; Voigt-Radloff, Akkad & Seume, 2003), das Canadian Occupational Performance Model (COPM; Law et al., 2011), die Kids Activity Cards (Büscher et al., 2012), das Child Occupational Self Assessment (COSA; Pätzold et al., 2008) sowie das Prinzip der SMART-Zielsetzung (Doran, 1981).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Reliabilität des Verfahrens werden im Handbuch keine quantitativen Angaben gemacht, sondern auf eine abgeschlossene bzw. auf laufende Qualifikationsarbeiten verwiesen, die erste Hinweise auf Interraterreliabilität erbracht hätten.
Validität: Eigene Validierungsstudien werden im Handbuch nicht berichtet, sondern ebenfalls auf verschiedene laufende oder abgeschlossene Qualifizierungsarbeiten hierzu verwiesen.
Normen: Normen im engeren Sinne liegen nicht vor. Durch die Vorgabe der alterstypischen 15 Betätigungsfelder mit dem PEAP-Assessment kann jedoch der Entwicklungsstand des Kindes im Vergleich zu seiner Altersgruppe eingeschätzt werden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Das Pädiatrische Ergotherapeutische Assessment und Prozessinstrument (PEAP; Kraus & Romein, 2015) soll alle Phasen der ergotherapeutischen Arbeit unterstützen, angefangen bei der Befunderhebung, über die Therapieplanung, Intervention und Prozessdokumentation bis zur Evaluation. Es lassen sich damit alterstypische Betätigungen aus Sicht der Kinder, Eltern, Erzieher, Lehrer und aus Therapeutensicht darstellen. Das Instrument ist geeignet für Kinder mit leichten bis mittelschweren Behinderungen.
Der Begriff "Betätigung" wurde im Zuge der PEAP-Entwicklung spezifiziert und bezieht sich auf für das Individuum bedeutungsvolle Aktivitäten, die von dessen sozialer und kultureller Umwelt geprägt sind (Romein & Espei, 2007, S. 15): Als Summe der Aktivitäten und Aufgaben des täglichen Lebens sind Betätigungen ein Grundbedürfnis des Menschen und umfassen z. B. Tätigkeiten zur Versorgung der eigenen Person (Selbstversorgung), zum Genuss des Lebens (Freizeit), Beiträge zur sozialen und ökonomischen Entwicklung des Individuums und der Gemeinschaft (Produktivität). Betätigungen sind zielgerichtet und werden als bedeutsam, sinnvoll und wertvoll empfunden. Sie werden individuell unterschiedlich ausgeführt und sind Ausdruck der Persönlichkeit sowie Mittel zur fortlaufenden Interaktion mit der Umwelt. Ziel der Ergotherapie ist es, individuelle Betätigungsprobleme zu identifizieren und verändern zu helfen. Ausgehend von dieser Definition wurden bei der Entwicklung des PEAP-Instrumentariums drei Hauptmerkmale angezielt (Kraus & Romein, 2015, S. 25):
(1) Betätigungsorientierung: Betätigungen sollen als Ausdruck der Funktionsfähigkeit des Kindes im Zentrum des therapeutischen Vorgehens stehen.
(2) Kontextorientierung: Betätigungsprobleme sind im Alltagszusammenhang zu analysieren, weil sich ein Betätigungsproblem möglicherweise nur in einem bestimmten Kontext zeigt, wie etwa ein Kind, das sich in der ergotherapeutischen Praxis gut konzentrieren kann, in der Schule aber nicht bzw. erst nach einem Sitzplatzwechsel.
(3) Klientenzentrierung: Die Problemanalyse, Zieldefinition und Behandlung sollen in jedem Fall gemeinsam mit den Klienten (Kind, Eltern, Erzieher/Lehrer) erfolgen. So soll sichergestellt werden, dass die individuelle Bedeutsamkeit von Betätigungsproblemen identifiziert wird. Manche Betätigungsprobleme erscheinen dem Therapeuten möglicherweise nicht so wichtig und folglich als nicht behandlungsbedürftig, sind es aber vielleicht für das Kind und sein Umfeld, wie z. B. "Teig ausrollen können" (Romein & Espei, 2007, S. 16).
Daneben sollte das zu entwickelnde Instrumentarium auch eine theoretische Fundierung haben, für den Forschungseinsatz geeignet sein, sich an der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen (ICF-CY; World Health Organization, WHO, 2007) orientieren und den ergotherapeutischen Prozess strukturieren und gleichzeitig dessen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unterstützen (Kraus & Romein, 2015, S. 26; Kupitz, Mühlenstrodt, Sievering & Weber, 2013, S. 135).
Das PEAP-Instrumentarium erfüllt diesen Überlegungen und Vorgaben folgend zwei Funktionen: Zum einen ist es ein Erhebungsinstrument, mit dem Betätigungsstatus und Betätigungsanliegen gemeinsam mit dem Kind und dessen Bezugspersonen (Eltern, Erzieher/Lehrer) mit Hilfe des PEAP-Assessments ermittelt werden können. Die Erhebung der Betätigungsanliegen steht oft am Beginn des ergotherapeutischen Prozesses (Romein, Kraus & Weise, 2015b). Des Weiteren ist das PEAP ein Prozessinstrument, mit dessen Hilfe der Ergotherapeut zusammen mit der Klientengruppe Ziele und Maßnahmen auf der Betätigungsebene formulieren und umsetzen kann (Kruse & Strebel, 2014, S. 58). Die Autorinnen sprechen von der "Klientengruppe", um zu verdeutlichen, dass neben dem minderjährigen Kind auch seine Eltern und mit Erziehern oder Lehrern weitere wichtige Bezugspersonen seiner Lebensumwelt in den ergotherapeutischen Prozess einzubeziehen sind (Kraus & Romein, 2015, S. 21).
Für die theoretische Konzeption des Instrumentes waren zwei ergotherapeutische Modelle wichtige Bezugspunkte (Kraus & Romein, 2015, S. 26):
(1) In dem Person-Environment-Occupation Model (PEO; Law et al., 1996) wird die enge Verwobenheit von Person, Umwelt und Betätigung hervorgehoben. Das Verhältnis zwischen der Person, ihren Tätigkeiten und Rollen sowie ihrer sozialen und physischen Umwelt, in der sie lebt, arbeitet und spielt, wird als dynamisch angesehen. Mit dem Begriff der "Transaktion" wird diese wechselseitige, dynamische Abhängigkeit von Person und Umwelt betont. Eine Konsequenz dieser Sichtweise ist, dass Verhalten nicht losgelöst betrachtet werden kann von seinem Kontext. Die Untersuchungseinheit in einer transaktionalen Sicht ist ein Ereignis und dessen Bedeutung für die daran Beteiligten. Ergotherapeutische Interventionen müssen das Individuum und seinen Lebenskontext einbeziehen (Law et al., 1996, S. 10, S. 19). Im PEAP-Assessment ist dies umgesetzt mit der ausführlichen Kontextanalyse der Betätigung und dessen Berücksichtigung bei der Therapieplanung.
(2) Das Canadian Practice Process Framework (CPPF; Craik, Davis & Polatajko, 2007) bildet die Schritte eines ergotherapeutischen Vorgehens ab, das evidenzbasiert, klientenzentriert und betätigungsorientiert ist. Es diente als Grundlage für die Entwicklung des PEAP-Prozessmodells, das die ursprünglich acht Aktionspunkte des CPPF in fünf Phasen zusammenfasst (Vorbereitungsphase, Erfassungsphase, Analysephase, Phase der Zielsetzung, Maßnahmenplanung und Intervention sowie Evaluationsphase; Kraus & Romein, 2015, S. 23). Damit steht eine Struktur zur Verfügung, die dem Therapieablauf einen Rahmen vorgibt, jedoch nicht zwingend in der Reihenfolge durchlaufen werden muss und so genügend Flexibilität für die individuelle Anpassung lässt (S. 22).
 

Testaufbau

Bei dem Verfahren handelt es sich nicht um einen Test im engeren Sinne, sondern um ein umfangreiches Instrumentarium zur Unterstützung der ergotherapeutischen Behandlung von Kindern. Es lassen sich zwei Einheiten unterscheiden: das PEAP-Assessment sowie das PEAP-Prozessinstrument.

A) PEAP-Assessment. Es ist standardisiert und erfasst den Betätigungsstatus des Kindes in seiner Altersgruppe aus unterschiedlichen Perspektiven (Kind, Eltern, Erzieher/Lehrer, Therapeut) und führt sie zusammen (Romein, Kraus & Weise, 2015a, S. 26). Erfasst werden 15 alterstypische Betätigungsfelder mit sogenannten "Betätigungskarten" (je 5 zu Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit/Spiel). Ziel des Assessments ist es, die drei wichtigsten Betätigungsanliegen für die Therapieplanung zu identifizieren (Beispiel Betätigungsanliegen des sechsjährigen Joseph und seiner Mutter: "Zähne putzen", "Fahrrad fahren zum Kindergarten" und "zu Hause alleine spielen"). Zum Abschluss der Therapie kann das Assessment erneut eingesetzt werden, um den Erfolg zu prüfen.
B) Das Prozessinstrument begleitet und unterstützt den gesamten Therapieablauf. Es bietet eine Reihe von Formularen und Strukturierungshilfen, die den Anspruch der Betätigungsorientierung und Klientenzentrierung in der pädiatrischen Ergotherapie (siehe unter "Theoretischer Hintergrund") umsetzen helfen sollen. Das Prozessinstrument schlägt somit gleichzeitig eine bestimmte Arbeitsstruktur vor und unterstützt ihre Umsetzung und Dokumentation (Kraus & Romein, 2015, S. 15). Es werden insgesamt fünf Phasen unterschieden, zu denen das PEAP Materialien bereitstellt. Neben Arbeitsmaterialien, die für den Therapeuten gedacht sind, gibt es auch Material bzw. Formulare, die die Klienten in einer Therapiemappe ausgehändigt bekommen. Sie ist als eine praktische Umsetzung der Klientenzentrierung gedacht und soll die Klienten dabei unterstützen, aktiv und eigenverantwortlich am Therapieprozess teilzunehmen (S. 40). Die Mappe kann mit eigenen Beobachtungen, Zeichnungen oder Fotos ergänzt werden. Nachfolgend sind die PEAP-Materialien entlang der ergotherapeutischen Phasen aufgelistet, Klientenmaterial für die Therapiemappe ist dabei gesondert gekennzeichnet. Eine Gesamtübersicht des Materials für die Therapiemappe findet sich im Handbuch (S. 90). Sämtliche PEAP-Materialien sind mit Nummern entlang der fünf Phasen versehen; Material für die Therapiemappe ist mit dem Kürzel "TM" versehen.
(1) Vorbereitungsphase
Hier werden die Klienten auf das Vorgehen vorbereitet, erhalten Informationen zum Ablauf und füllen relevante Unterlagen aus (Therapeutenmaterial: Stammdatenbogen; Therapiemappe: Informationen über den Ablauf, Schweigepflichtentbindung, Einverständniserklärung zu Foto- und Videoaufnahmen, Betätigungsprofil = Bogen zur Erfassung gelingender und schwieriger Aktivitäten an einem typischen Wochentag durch Eltern sowie Erzieher oder Lehrer).
(2) Erfassungsphase
(a) Zunächst wird ein offenes Interview geführt, in dem die "spontanen" Betätigungsanliegen von Kind und Eltern formlos erfasst werden.
(b) Anschließend erfolgt das standardisierte PEAP-Assessment, bei dem 15 alterstypische Betätigungsfelder beurteilt werden, jeweils aus der Sicht des Kindes, der Eltern und gegebenenfalls weiterer relevanter Personen (Erzieher, Lehrer) und schließlich auch von dem Therapeuten.
Ziel dieser Phase ist es, zum einen die aktuelle Performanz und Zufriedenheit in verschiedenen Betätigungen zu ermitteln und zum anderen, die vorrangigen Betätigungsanliegen für die Therapie zu identifizieren (Kupitz et al., 2013, S. 136). Die Betätigungsfelder werden anhand von vier Hauptkategorien eingeschätzt: I "kein Problem", II "leichtes Problem", III "deutliches Problem" und IV "massives Problem" und können zusätzlich noch durch "-" oder "+" einer Zwischenkategorie zugeordnet werden, sodass sich 10 unterschiedliche Bewertungsabstufungen ergeben. Weiterhin ist jedes Betätigungsfeld danach zu beurteilen, wie wichtig eine Verbesserung für die jeweilige Person ist ("Nicht wichtig", "Etwas wichtig", "Wichtig" oder "Sehr wichtig").
Für die Befragung des Kindes zu seiner Selbsteinschätzung wird ein altersspezifischer Kartensatz mit Betätigungsfeldern verwendet (eine Einführungskarte, 15 Betätigungskarten mit Fotos von Kindern und Kurzbeschreibungen, je fünf zu den drei Performanzbereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit). Der PEAP-Teich ist als kindgerechtes Material entwickelt worden, um die Bewertung der Betätigungsfelder zu unterstützen. Er ist in vier konzentrische Ringe unterschiedlicher Farbe unterteilt, die die oben genannten Bewertungsstufen repräsentieren (Hauptkategorien von innen nach außen angeordnet: grün = kein Problem, gelb = leichtes Problem, orange = deutliches Problem, rot = massives Problem; Abstufungsmöglichkeiten -/+ für Zwischenkategorien; Romein et al., 2015a, S. 28 f.). Zur Bewertung stellt das Kind ein kleines Küken auf den entsprechenden Teichring. Bei problematischen Betätigungsfeldern gibt es mit Spielzeug-Eiern an, wie wichtig ihm eine Veränderung ist (1 Ei = "gar nicht wichtig" bis 4 Eier = "sehr wichtig"). Der Therapeut notiert die Befragungsergebnisse in einem Erfassungsbogen (2.1).
Während der Befragung des Kindes durch den Therapeuten notieren die Eltern in einem eigenen Fragebogen (2.2) ihre "stille" Bewertung der 15 Betätigungsfelder und ihre Veränderungswünsche dazu. Im Anschluss an die Befragung des Kindes besprechen Therapeut und Eltern diese Notizen in einem eigenen Durchgang anhand der 15 Betätigungskarten (Kraus & Romein, 2015, S. 57). Für die Erhebung der Erzieher- bzw. Lehrersicht kann ein analoger Fragebogen zur postalischen Befragung verwendet werden (2.3).
In einer "PEAP-Konferenz" werden die Ergebnisse des Assessments besprochen, drei Betätigungsanliegen für die Therapie ausgewählt und in einem vorbereiteten Bogen "Betätigungsanliegen" für die Therapiemappe (2.4) sowie in einer Strukturierungshilfe für die Gesamtbewertung (2.5) notiert, die vom Therapeuten ausgefüllt wird. Die Eltern werden gebeten, zu jedem der Betätigungsanliegen ein kurzes (3- bis 5-minütiges) Video zu drehen. Es soll eine typische alltägliche Situation in einem typischen Umfeld aufgenommen werden, bei dem sich das Kind so typisch und natürlich wie möglich verhält und auch eventuelle Hilfestellungen, die es normalerweise bekommt, festgehalten werden (Informationsblatt 2.6 für die Therapiemappe). Dieses PEAP-Video dient zur Dokumentation der Kontextbedingungen der Betätigungen (siehe unter "Theoretischer Hintergrund") und wird in der folgenden Analysephase gemeinsam systematisch ausgewertet.
(3) Analysephase. Hier werden die drei ausgewählten Betätigungsanliegen im Alltagszusammenhang analysiert. Hierfür wird das von den Eltern gedrehte Video gemeinsam besprochen. Basis bildet das Formular "Betätigungsanalyse" (TM 3.1), das in einem ersten Teil die Klientensicht erfasst. Hierzu werden das Kind und seine Eltern oder Erzieher/Lehrer befragt und bewerten die gefilmten Betätigungsausführungen hinsichtlich Effektivität, Sicherheit, Hilfestellung und Anstrengung in offener Form. In einem zweiten Teil notiert der Therapeut alle Teilschritte der Betätigung und bewertet zu diesen gemeinsam mit den Klienten (a) Kontextfaktoren, die die Betätigung positiv oder negativ beeinflussen (physische, sozio-kulturelle, institutionelle oder zeitliche) sowie (b) (motorische, wahrnehmungsbezogene, emotionale, kognitive, kommunikative oder soziale) Fertigkeiten des Kindes, die die Betätigung positiv oder negativ beeinflussen. Als Strukturierungs- und Bewertungshilfen kann der Therapeut hier zwei Instrumente alternativ oder gemeinsam verwenden: (1) das PEAP-Rädchen, ein Karton mit drei beweglichen Kreisen (für Umweltfaktoren sowie Personfertigkeiten bereits beschriftet, für Betätigungsanliegen mit Bleistift individuell beschreibbar); (2) das PEAP-Haus, ein Formular für die Therapiemappe (3.3), das die genannten Faktoren auf einem Blatt abbildet und mit den individuellen Betätigungsanliegen ergänzt wird. In einem eigenen, ebenfalls für die Therapiemappe bestimmten Formular (3.2) werden diejenigen Hauptprobleme der Betätigungsdurchführung in offener Form zusammengefasst und notiert, die tatsächlich veränderbar sind (bezogen auf Umwelt/Betätigungskontext, Person/Körperfunktionen sowie Betätigung/Betätigungsanforderungen).
Bei Bedarf können in dieser Phase weitere Tests bzw. Assessments eingesetzt werden, um Körperfunktionen zu erfassen, die bei den Betätigungsdurchführungen relevant sind (Kraus & Romein, 2015, S. 82).
(4) Zielsetzung, Maßnahmenplanung und Intervention. Die Klienten und der Therapeut legen gemeinsam die Betätigungsziele und den zugehörigen Aktionsplan fest und bestimmen die zur Zielerreichung notwendigen Maßnahmen. In Anlehnung an das in der Managementliteratur gängige Prinzip werden die Ziele als "B-SMART"-Ziele formuliert (B = Betätigung, S = spezifisch, M = messbar, A = ausführbar, R = relevant, T = terminiert) und im Formular "Zielformulierung" (4.1) für die Therapiemappe notiert (z. B. "In 4 Wochen fährt Peter jeden Tag die Strecke zum Kindergarten (500 m) mit seinem Fahrrad ohne Stützräder, die Mutter fährt daneben"; Kraus & Romein, 2015, S. 85). Notiert werden auch das Datum der Zielformulierung und der Zielerreichung. Als weiteres Klientenmaterial steht ein Formular für die Maßnahmenplanung und Verlaufsdokumentation (4.2) zur Verfügung, in dem der gemeinsam formulierte Maßnahmenplan in offener Form tabellarisch notiert wird (Felder für "B-SMART-Ziel", "Was wird wie oft gemacht?", "Wer macht es?", "Bis wann/Datum", "Rückmeldung" und "Ziel erreicht am:"). Für die anschließende Interventionsphase steht dem Therapeuten das Formular "Dokumentation fördernder und hindernder Faktoren" (4.3) zur Verfügung, in dem der Prozess strukturiert werden kann, um beispielsweise zu entscheiden, ob und wann Umtarierungen nötig sind (z. B. Weiterarbeit auf Körperfunktionsebene; Kraus & Romein, 2015, S. 93).
(5) Evaluation. Diese Phase ist in zwei Unterphasen gegliedert: (a) Zunächst werden die individuellen Betätigungsanliegen erneut überprüft, um zu entscheiden, ob sie erreicht wurden und die Therapie abgeschlossen werden kann oder ob sie fortgesetzt wird. Die Dokumentation erfolgt auf dem bereits in Phase 2b verwendeten gleichnamigen Formular (2.4). (b) Zum Therapieabschluss werden die 15 Betätigungsanliegen mit den gleichen Materialen wie in Phase 2b erneut abgefragt. Als neues Material für die Therapiemappe steht hier zum einen eine Evaluationstabelle (5.1) zur Verfügung, in der die Ergebnisse der Erst- und Zweiterhebung einander gegenübergestellt werden können. Des Weiteren existiert ein Formular "PEAP-Evaluationsbericht" (5.2, ebenfalls für die Therapiemappe gedacht), das zur Gesamtdokumentation der Behandlung für Außenstehende (Kinderärzte, Lehrer, Erzieher, Psychologen usw.) und die Eltern dient (Kraus & Romein, 2015, S. 98).
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung des PEAP-Assessments erfolgt qualitativ nach vorgegebenen Richtlinien und Bewertungsrastern und auf der Basis von Kommentarbeispielen zu unterschiedlichen Graden von Betätigungsproblemen (Kraus & Romein, 2015, S. 103-175; siehe auch unter "Testaufbau").
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen zu den einzelnen Prozessphasen und zum Assessment ausführliche Auswertungs- und Interpretationshilfen im Handbuch zur Verfügung. Für die Gesamtbewertung des PEAP-Assessments sind in drei eigenen Kapiteln Richtlinien und Bewertungsraster ausführlich erläutert (Kraus & Romein, 2015, Kapitel 12, S. 103-112) und mit umfangreichen Kommentarbeispielen zu Ausführungsproblemen für alle 15 Betätigungsfelder (Kapitel 13 für die Altersgruppe 5-6 Jahre, S. 113-143; Kapitel 14 für die Altersgruppe 7-8 Jahre) versehen.
 

Auswertungszeit

Der Aufwand pro Fall richtet sich nach den Merkmalen und Bedürfnissen des Kindes (Alter, Art der Beeinträchtigung) und der Erfahrung des Therapeuten.
 

Itembeispiele

Nachfolgend sind die Betätigungsfelder aufgelistet, die im PEAP-Assessment als "Betätigungskarten" umgesetzt sind. Eine Karte enthält jeweils mehrere Fotos von Kindern, die die betreffende Aktivität ausführen (z. B. sich ein Brot schmieren im Betätigungsfeld Selbstversorgung, "Essen und Trinken"). Unter der Überschrift "Umfasst" werden die Betätigungen sprachlich beschrieben, unter "Qualitätsmerkmale" sind in Stichworten Eckpunkte für die Bewertung zusammengestellt.

Betätigungsfelder für die Altersgruppe 5;0 bis 6;11 Jahre:
A Selbstversorgung
1) Essen und Trinken
2) Sich an- und ausziehen
3) Auf die Toilette gehen
4) Den Körper pflegen
5) Sich mit und ohne Geräte fortbewegen
B Produktivität
6) Etwas konstruieren
7) Werkzeug benutzen
8) Kulturtechniken erlernen
9) Aufgaben erledigen
10) In Gruppen interagieren
C Freizeit/Spiel
11) Zuhören und erzählen
12) Körperliche Spiele durchführen
13) Gemeinsam spielen
14) Alleine spielen
15) Fantasie- und Rollenspiele spielen.

Betätigungsfelder für die Altersgruppe 7;0 bis 8;11 Jahre:
A Selbstversorgung
1) Essen und Trinken
2) Sich an- und ausziehen
3) Den Körper pflegen und gesund halten
4) Sich fortbewegen und am Straßenverkehr teilnehmen
5) Den Lebensradius ausweiten
B Produktivität
6) Im Haushalt und Familienleben mithelfen
7) Kulturtechniken anwenden
8) Am Schulalltag teilnehmen
9) Hausaufgaben und Schulvorbereitungen ausführen
10) Konstruktionsaufgaben und Werktechniken ausführen
C Freizeit/Spiel
11) Alleine ruhigen Freizeitbetätigungen nachgehen
12) Alleine oder mit anderen aktiven Freizeitbetätigungen nachgehen
13) Gemeinsam spielen
14) Spezifische Hobbys ausführen
15) Verabredungen treffen und Ausflüge unternehmen.
 

Durchführung

 

Testformen

Das PEAP-Assessment wird in jedem Falle als Einzelassessment durchgeführt. Es liegt je ein Formular- und Betätigungskartensatz für 5-6 Jahre und 7-8 Jahre vor.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern in den Altersbereichen 5;0 bis 6;11 Jahre und 7;0 bis 8;11 Jahre angewendet werden. Der prozessbezogene Verfahrensteil (siehe unter "Testaufbau") ist für alle Altersgruppen gleich.
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung des PEAP-Assessments mit Kind und Eltern werden in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten benötigt (Kraus & Romein, 2015, S. 57).
 

Material

Die Testmappe bzw. Stülpschachtel enthält das vollständige Material. Daneben ist nur Schreibgerät erforderlich. Verbrauchsmaterial (Formulare) befindet sich auf der mitgelieferten CD und kann nach Bedarf ausgedruckt werden.
 

Instruktion

Die Instruktionen für den Therapeuten sind ausführlich im Handbuch abgedruckt. Daneben enthalten die Formulare je nach Bearbeitungsmodus unterschiedlich lange Hinweise zur Verwendung: Bei Formularen, die die Eltern bzw. Bezugspersonen ausfüllen, sind ausführliche Instruktionen vorangestellt; Formulare, die gemeinsam mit dem Therapeuten bzw. in dessen Anwesenheit ausgefüllt werden, enthalten nur Kurzinstruktionen von ein bis zwei Sätzen.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Das Verfahren sollte nur von geschulten Anwendern eingesetzt werden. Die Autorinnen empfehlen, hierzu einen PEAP-Grundkurs zu absolvieren (Kraus & Romein, 2015, S. 15). Um dem Anspruch des Verfahrens gerecht zu werden, sollte die durchführende Person in klientenzentrierter und betätigungsorientierter Gesprächsführung erfahren und kompetent sein. Des Weiteren wären Erfahrung mit bzw. Wissen über die zugrundeliegenden ergotherapeutischen Modelle und die ICF-Systematik wünschenswert (Kraus & Romein, 2015, S. 16).
Das Verfahren ist geeignet für Kinder mit unterschiedlichen Behinderungsgraden (leichte bis deutliche geistige oder körperliche Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen). Denkbar sei auch der Einsatz bei Kindern mit anderer Muttersprache oder mit Sprachverzögerungen, was aber noch genauer zu untersuchen wäre. Ausdrücklich nicht geeignet ist das Verfahren jedoch für Kinder mit schweren Mehrfachbehinderungen (Kraus & Romein, 2015, S. 19 f.). Die Eltern sollten bereit und fähig sein, aktiv "auf Augenhöhe" mitzuarbeiten und die Kommunikation sollte von allen Seiten gewollt und möglich sein, um das Konzept der Klientenzentrierung umsetzen zu können (S. 20).
 

Testkonstruktion

Das Instrument wurde von der PEAP-Arbeitsgruppe entwickelt, die als ein Projekt des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten (DVE) ins Leben gerufen wurde. Die Entwicklung erfolgte in vier Stadien, die zum Teil parallel verliefen. Die Entwicklungsarbeiten begannen im Jahr 2007 und dauern an (Kraus & Romein, 2015, S. 17). Sie wurden in großen Teilen im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten durchgeführt:
(1) Konzeptionsstadium.
Hier wurde der internationale Forschungsstand zur pädiatrischen Ergotherapie und der Bestand an wissenschaftlich fundierten Assessmentinstrumenten gesichtet, die betätigungsorientiert und nach Möglichkeit klientenzentriert sein sollten. Ausgewählt wurden Instrumente, die für Kinder zwischen zwei und 12 Jahren konzipiert und für Prä-Post-Vergleiche oder für Gruppenvergleiche geeignet waren. Geprüft wurde auch, ob bereits Instrumente im deutschsprachigen Raum existierten, die die gesetzten Anforderungen erfüllten (siehe unter "Theoretischer Hintergrund"). Als geeignete Operationalisierungs-Referenzen für das PEAP wurden herangezogen (Romein et al., 2015a, S. 26): (a) das Ergotherapeutische Assessment (EA; Voigt-Radloff, Akkad & Seume, 2003; Kupitz et al., 2013, S. 135); (b) das Canadian Occupational Performance Model (COPM; Law et al., 2011), ein klientenzentriertes Interview, mit dessen Hilfe Kinder und Eltern die wahrgenommen Betätigungsprobleme formulieren können; (c) die Kids Activity Cards (Büscher et al., 2012); (d) das Childrens Occupational Self Assessment (COSA; Pätzold, Wolf, Hörning & Hoven, 2008) sowie (e) das Prinzip der SMART-Zielsetzung (Doran, 1981).
(2) Vertiefungsstadium. Unter Berücksichtigung der internationalen und nationalen Referenzinstrumente wurden die Betätigungsfelder kategorisiert und ihre Qualitätsmerkmale spezifiziert. Hierzu wurden mittels Expertenbefragungen 15 typische Betätigungen den drei Lebensbereichen (Produktivität, Selbstversorgung und Freizeit/Spiel) zugeordnet. Die altersspezifischen Fassungen wurden in jeweils eigenen Studien - durchgeführt im Rahmen von Bachelorarbeiten - entwickelt (Kraus & Romein, 2015, S. 17 f.).
(3) Praktisches Stadium. Im praktischen Stadium wurden in verschiedenen Bachelorarbeiten die PEAP-Materialien (PEAP-Rädchen, PEAP-Karten, PEAP-Teich mit Küken und Eiern für die Bewertung von Betätigungen durch das Kind; siehe unter "Testaufbau") entwickelt.
(4) Anwendungsstadium. In diesem Stadium wurde das Verfahren von geschulten Anwendern erprobt und ihre Erfahrungen systematisch dokumentiert und ausgewertet. In Praktikabilitätsstudien wurden über 100 Ergotherapeuten einbezogen, die im Umgang mit dem gesamten PEAP geschult worden waren. Sie diskutierten und dokumentierten in Workshops ihre Einsatzerfahrungen. Die Autorinnen verweisen auf verschiedene abgeschlossene und noch laufende studentische Qualifizierungsarbeiten, in denen Daten zur Anwendbarkeit und die Testgüte bereits analysiert wurden. Details oder konkrete Ergebnisse aus diesen Arbeiten werden jedoch nicht genannt (Kraus & Romein, 2015, S. 19). Die Entwicklung und Validierung des PEAP-Instrumentariums ist demnach noch nicht abgeschlossen. So sind weitere Fassungen für die Altersgruppen 3-4 Jahre sowie für 9-10 Jahre in Arbeit und Validierungsstudien zu den einzelnen Instrumenten sowie dem Prozesskonzept des PEAP-Instrumentariums geplant. Seine Eignung als diagnostisches und prognostisches Instrument soll in künftigen Forschungsprojekten untersucht werden (S. 19).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Das PEAP-Prozessinstrument ist als eine variabel einsetzbare Unterstützung für den gesamten ergotherapeutischen Prozess gedacht. Da jeder Prozess individuell und in Abhängigkeit vom Klientenanliegen verläuft, ist hier keine Objektivität im engeren Sinne zu erzielen. In einem erweiterten Sinne erlauben aber die Anwendung der vorgeschlagenen Formulare, die darin vorgeschlagene Strukturierung des Arbeitsablaufs sowie die ausführlichen Auswertungs- und Interpretationshinweise im Manual eine gewisse Vergleichbarkeit verschiedener Therapieprozesse in Eckpunkten.
Das PEAP-Asssessment unterstützt durch seine Standardisierung die Durchführungsobjektivität. Durch ausführliche Angaben zur Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten im Vergleich zur Altersgruppe des Kindes werden Auswertungs- und Interpretationsobjektivität unterstützt (Kraus & Romein, 2015, S. 16).
 

Reliabilität

Zur Reliabilität des Verfahrens werden keine quantitativen Angaben gemacht, sondern es wird auf eine abgeschlossene bzw. auf laufende Qualifikationsarbeiten verwiesen, die erste Hinweise auf Interraterreliabilität erbracht hätten (Kraus & Romein, 2015, S. 19).
 

Validität

Es werden keine eigenen Validierungsstudien berichtet, sondern es wird auf verschiedene laufende oder abgeschlossene Qualifizierungsarbeiten hierzu verwiesen (Kraus & Romein, 2015, S. 19).
Für die Inhaltsvalidität des PEAP-Assessment spricht dessen Entwicklung auf Basis von Literaturrecherchen, Assessmentanalysen und Expertenbefragungen (siehe unter "Testkonstruktion"). Für die inhaltliche Gültigkeit des Prozessinstrumentes sprechen das theorie- und forschungsgestützte Entwicklungsprinzip sowie die Orientierung an der internationalen Klassifikation ICF-CY.
Die systematische Validierung des PEAP ist für künftige Forschungsprojekte und Studien geplant. So soll geprüft werden, ob es sich als diagnostisches und prognostisches Instrument in unterschiedlichen Settings und bei verschiedenen Krankheitsbildern eignet (Kraus & Romein, 2015, S. 19).
 

Normierung

Normen im engeren Sinne liegen nicht vor. Durch die Vorgabe der alterstypischen 15 Betätigungsfelder mit dem PEAP-Assessment kann jedoch der Entwicklungsstand des Kindes im Vergleich zu seiner Altersgruppe eingeschätzt werden.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das PEAP kann zur Befunderhebung und Prozessstrukturierung in verschiedenen Kontexten angewendet werden, z. B. ambulant oder stationär, in der Prävention, Kuration, Rehabilitation oder Langzeitversorgung sowie in allen medizinischen Fachgebieten der Kinderheilkunde (Kraus & Romein, 2015, S. 15).
Das Instrument unterstützt die Qualitätssicherung in der pädiatrischen Ergotherapie, indem es zielgerichtete Planung und Durchführung der Behandlung erlaubt. Die Autorinnen sehen das Instrument damit als einen Beitrag zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Sinne des Paragraphen 125 SGB V an (Kraus & Romein, 2015, S. 16). Die strukturierte und einheitliche Dokumentation auf der Basis der Prozessessinstrumente bildet zudem eine Grundlage für die Kommunikationsverbesserung zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen, die an der pädiatrischen Versorgung beteiligt sind (Kinderärzte, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten; S. 16).
 

Bewertung

Das PEAP bietet eine umfangreiche Sammlung von Arbeitsmaterialien und Strukturierungshilfen, die die ergotherapeutische Arbeit mit Kindern, ihren Eltern und Erziehern bzw. Lehrern unterstützen. Das Handbuch ist gut und übersichtlich gegliedert und bietet eine ausgezeichnete Grundlage für die praktische Anwendung und fachgerechte Auswertung der PEAP-Materialien, die durchweg übersichtlich und ansprechend gestaltet sind. Das PEAP-Instrumentarium erhebt nicht den Anspruch, ein psychometrisches Verfahren im engeren Sinne zu sein. Dennoch sind die im Handbuch genannten geplanten Forschungsvorhaben zur Prüfung der diagnostischen und prognostischen Qualität begrüßenswert.
Ausdrücklicher Anspruch des PEAP ist es, neben einer wissenschaftlich fundierten Praxishilfe auch künftige Forschungsarbeiten und die Qualitätssicherung in der pädiatrischen Ergotherapie zu unterstützen. Mit den vorgelegten Materialien lässt sich dieser Anspruch sicher gut einlösen.
 

Literatur

  • Büscher, S., Mester, D. & Wilbers, S. (2012). Kids Activity Cards (2. Auflage). Idstein: Schulz-Kirchner.
  • Craik, J., Davis, J. & Polatajko, H. J. (2007). Introducing the Canadian Practice Process Framework (CPPF): Amplifying the context. In E. A. Townsend & H. J. Polatajko, Enabling Occupation II: Advancing an occupational therapy vision for health, wellbeing & justice through occupation. Ottawa: CAOT Publication ACE.
  • Doran, G. T. (1981). There's a S.M.A.R.T. way to write management's goals and objectives. Management Review, 70 (11), 35-36.
  • Kraus, E. & Romein, E. (2015). PEAP. Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment und Prozessinstrument. Unter Mitarbeit von Ulrike Weis. Idstein: Schulz-Kirchner.
  • Kruse, R. & Strebel, H. (2014). Erfassung des Betätigungskontextes von 4- bis 10-jährigen Kindern im Rahmen des Pädiatrischen Ergotherapeutischen Assessments und Prozessinstruments (PEAP). Ergoscience, 9 (2), 57-67.
  • Kupitz, A., Mühlenstrodt, L., Sievering, J. & Weber, B. (2013). Betätigungsfelder von 7- und 8-jährigen Kindern. Eine Delphi-Befragung zur Weiterentwicklung des PEAP (Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment und Prozessinstrument). Ergoscience, 8 (4), 134-141. (DOI: 10.2443/skv-s-2013-54020130401)
  • Law, M., Baptiste, S., Carswell, A., McColl, M., Polatajko, H. & Pollock, N. (2011). COPM Canadian Occupational Performance Measure. Deutsche Übersetzung von B. Dehnhardt, A. Harth und S. George (2. Auflage). Idstein: Schulz-Kirchner.
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  • Romein, E. & Espei, A. (2007). Eine betätigungsorientierte Befundstruktur für die Pädiatrie. Die Ergebnisse der DVE-Arbeitsgruppe "Pädiatrisches Assessment (P-Ass)". Ergotherapie und Rehabilitation, 46 (2), 14-19.
  • Romein, E., Kraus, E. & Weise, U. (2015a). Den Betätigungsstatus bei Kindern standardisiert erfassen. PEAP Teil 1: Das Assessment. Ergotherapie und Rehabilitation, 54 (4), 26-31.
  • Romein, E., Kraus, E. & Weise, U. (2015b). Den Alltag im Blick. PEAP Teil 2: Das Prozessinstrument. Ergotherapie und Rehabilitation, 54 (5), 14-19.
  • Voigt-Radloff, S., Akkad, S. & Seume, C. (2003). Das Ergotherapeutische Assessment - Ein validiertes Instrument zur ergotherapeutischen Diagnostik, Therapieplanung und Evaluation. Freiburg: Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF), Universitätsklinikum.
  • World Health Organization (WHO). (2007). International Classification of Functioning, Disability and Health. Children and youth version. ICF-CY. Genf: WHO.
 

Rezensionen

  • Lindermann, I. (2016). PEAP. Pädiatrisches Ergotherapeutisches Assessment & Prozessinstrument; Elke Kraus, Ellen Ronnein, Ulrike Weise, Schulz-Kirchner, Idstein, 2015, 211 Seiten, 34 Abbildungen, 6 Tabellen, ISBN 978-3-8248-1189-2, gebunden, 169,99 EUR (139.99 EUR für Mitglieder des DVE). Ergotherapie und Rehabilitation, 55 (5), S. 37.

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Observation Methods; Interviews; Developmental Measures; Developmental Psychology; Pediatrics; Physical Activity; Treatment Effectiveness Evaluation

Klassische Testtheorie; Beobachtungsmethoden; Interviews; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Pädiatrie; Körperliche Aktivität; Therapieerfolgskontrolle

 weitere Schlagworte:

2015 (PEAP); Eingangsdiagnostik; Förderdiagnostik; Fremdeinschätzung; Veränderungsmessung; Ergotherapie; ab 5 Jahre; bis 8 Jahre; 15 Betätigungsfelder; Bereiche: 1 Selbstversorgung, 2 Produktivität, 3 Freizeit; Aufbau: 1 PEAP-Assessment, 2 PEAP-Prozessinstrument; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Klinische Psychodiagnostik; Rehabilitation; Spezielle Interventionen
Sonstige Verfahren im Bereich der Klinischen Psychologie; Sonstige Leistungs-, Fähigkeits- oder Eignungstests
11.99; 4.99
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201801
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