0001info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Indikatoren des Reha-Status - Version 3

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005999
 

IRES-3 - Indikatoren des Reha-Status - Version 3 (PSYNDEX Tests Review)

 

Indicators of Rehabilitation Status (Version 3)/zpid
Synonym(e): IRES-24 Patientenfragebogen

 Frey, C., Bührlen, B., Gerdes, N. & Jäckel, W. H.
 (2007). Handbuch zum IRES-3. Indikatoren des Reha-Status, Version 3 mit IRES-24 (Kurzversion). Regensburg: Roderer.

Online im Internet: http://www.hri.de/wp-content/uploads/2016/02/IRES-3-Testmanual_Januar20072.pdf
ISBN: 978-3-89783-594-8

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist enthalten bei Psychometrikon, dem wissenschaftlichen psychologisch-medizinischen Testportal mit Open Access beim Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, UniKlinik RWTH Aachen, Pauwelsstraße 19, D-52074 Aachen ; E-Mail: info@psychometrikon.de ; URL: http://www.psychometrikon.de/ ; Stand: 1.11.2017.
Anmerkung: Der Fragebogen ist kostenfrei online nach Anmeldung bei Psychometrikon erhältlich. Das Handbuch ist nicht mehr bei Roderer verfügbar, kann aber aus dem Internet heruntergeladen werden (Stand: 29.6.2017).
 Adresse(n): o Dr. Bernhard Bührlen ; E-Mail: bernhard@buehrlen.de ; URL: http://www.buehrlen.de/ ; Stand: 23.9.2008
o Dr. Nikolaus Gerdes, Hochrhein-Institut am RehaKlinikum, Bergseestraße 61, D-79713 Bad Säckingen ; E-Mail: nikogerdes@web.de ; URL: http://www.hri.de/index.php?menuid=24 ; Stand: 25.02.2014
o Prof. i.R. Dr. Wilfried H. Jäckel, Institut für Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg, Engelbergerstraße 21, D-79106 Freiburg ; E-Mail: wilfried.jaeckel@uniklinik-freiburg.de ; URL: https://idw-online.de/de/news636429 ; Stand: 1.12.2017
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der IRES-3 ist ein Verfahren zur Selbsteinschätzung von Rehabilitanden hinsichtlich reha-relevanter Bereiche. Er dient der Eingangsdiagnostik und Aufstellung von Therapiezielen sowie der Evaluation von Rehabilitationsmaßnahmen.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus drei unterschiedlich langen Versionen für die Messung zu Beginn der Reha (IRES 3.1), am Ende (IRES 3.2) und für die Katamnese (IRES-3.3). Der IRES 3.1 umfasst 141 Items, der IRES 3.2 76 Items und der IRES 3.3 besteht aus 123 Items. Die Fragebögen bestehen aus unterschiedlich vielen Items, da einige Aspekte während der Rehabilitation nicht verändert werden können und deshalb auch nur zu Beginn erfragt werden. Das Verfahren setzt sich aus acht Dimensionen mit jeweils drei bis fünf Skalen zusammen. Darüber hinaus existiert eine Kurzversion mit 24 Items (IRES-24).


Grundlagen und Konstruktion:
Der IRES-3 basiert auf der vorherigen Version, dem IRES-2. Das Verfahren orientiert sich an der ICF, welche durch die Ergänzung der Bereiche Krankheitsbewältigung und Gesundheitsverhalten zu einem theoretischen Modell der Rehabilitation erweitert wurde. Für die Entwicklung des IRES-3 wurden Expertenbefragungen hinsichtlich geeigneter Therapieziele und Möglichkeiten zur Operationalisierung durchgeführt. Die Vorversion des IRES-3 wurde im Rahmen einer Pilotstudie 2000/2001 in verschiedenen Indikationsbereichen überprüft und unter Berücksichtigung der psychometrischen Eigenschaften überarbeitet.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz der Skalen variiert in beiden Analysestichproben von Alpha = .75 bis Alpha = .94 (N = 453; N = 1 818). Für die Dimensionen wurden Werte von Alpha = .66 bis Alpha = .88 ermittelt. Der kleine und der große Summenscore weisen eine interne Konsistenz von Alpha = .87 bzw. Alpha = .89 auf. Zudem liegen Werte von rtt = .58 bis rtt = .90 für die Retestreliabilität mit einem Zeitintervall von einer Woche vor. Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
Validität: Es wird von einer hohen inhaltlichen Validität ausgegangen, da das Verfahren auf der Grundlage des Therapiezielkatalogs und Expertenurteilen entwickelt wurde. Zur Überprüfung der konvergenten Validität wurden die Zusammenhänge der IRES-Skalen mit den Skalen des SF-36 und der HADS-D ermittelt. Es ergaben sich bedeutende Zusammenhänge der IRES-Skalen mit mindestens einem Außenkriterium. Darüber hinaus wurden signifikante Zusammenhänge zwischen den IRES-Skalen "Soziale Unterstützung", "Zufriedenheit mit der familiären Situation" und "Zufriedenheit mit Beziehungen zu Freunden/Bekannten" und dem Gesamtwert des F-SozU-K-22 in Höhe von r = .41 bis r = .52 gefunden. Der IRES-3 differenziert zudem signifikant zwischen Patienten mit muskuloskeletalen Erkrankungen (N = 1 818) und einer gesunden Normstichprobe. Hinsichtlich der Diskriminationsfähigkeit konnten Werte der Odds Ratio zwischen 1.14 und 3.28 ermittelt werden.
Normen: Die Normierung erfolgte an einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe von N = 1 737 Personen im Jahr 2001. Für den IRES-3 liegen alters- und geschlechtsspezifische Normwerte in Form von T-Werten und Prozenträngen vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Überprüfung der Wirksamkeit von Interventionen hat in der Evaluationsforschung und Qualitätssicherung eine entscheidende Bedeutung. Für die Evaluation von Rehabilitationsmaßnahmen bedarf es geeigneter Messinstrumente, welche die Besonderheiten der medizinischen Rehabilitation berücksichtigen (Schuntermann, 1995, 1997). "Eine wesentliche Besonderheit der rehabilitativen Versorgung gegenüber dem Akutbereich stellt die mehrdimensionale Zielsetzung der Rehabilitation dar, da die üblicherweise zu Grunde liegenden chronischen Erkrankungen meist zu zusätzlichen psychischen, sozialen, beruflichen und funktionalen Belastungen führen" (Frey, Bührlen, Gerdes & Jäckel, 2007, S. 3).
Die Indikatoren des Reha-Status Version 3 (IRES-3; Frey et al., 2007) sind ein Verfahren zur Selbstbeurteilung von Rehabilitanden hinsichtlich reha-relevanter Bereiche. Dem Verfahren liegt ein theoretisches Modell der Rehabilitation (Gerdes & Weis, 2000) zugrunde, welches auf der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2006) basiert. Abgeleitet aus der ICF lassen sich die Bereiche Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Partizipation an unterschiedlichen Lebensbereichen sowie persönliche Ressourcen und Umweltfaktoren als die zentralen Variablen der Rehabilitation aufstellen. Das Theoriemodell der Rehabilitation von Gerdes und Weis (2000) erweitert diese Variablen um die Krankheitsbewältigung sowie um das Gesundheitsverhalten einer Person. Mithilfe des Modells können die wesentlichen Zielbereiche der Rehabilitation für eine Evaluation definiert werden. Veränderungen werden auf der somatischen Ebene, der alltagsfunktionalen und beruflichen Ebene (Aktivität und Partizipation), der psychischen und sozialen Ebene (persönliche Ressourcen) sowie auf der edukativen Ebene (Gesundheitsverhalten) angestrebt (Frey et al., 2007, S. 5 f.)
 

Testaufbau

Der IRES-3 kann zu drei verschiedenen Messzeitpunkten erhoben werden. Hierfür existieren drei verschiedene Versionen:
(1) Der IRES 3.1 umfasst 141 Items und dient der Messung zu Beginn der Rehabilitation.
(2) Der IRES 3.2 besteht aus 76 Items und wird zur Messung am Ende der Rehabilitation eingesetzt.
(3) Die Katamnese erfolgt anhand von 123 Items des IRES 3.3.
Die Fragebögen bestehen aus unterschiedlich vielen Items, da einige Aspekte (v. a. des Berufslebens) während der Rehabilitation nicht verändert werden können und deshalb auch nur zu Beginn erfragt werden (Frey et al., 2007, S. 10 ff.).
Das Verfahren setzt sich aus acht Dimensionen mit jeweils drei bis fünf Skalen zusammen (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Inhaltliche Struktur des IRES-3 (Frey, Bührlen, Gerdes & Jäckel, 2007, S. 18)
---------------------------------------- 
Skalen der acht Dimensionen
----------------------------------------
Somatische Gesundheit
Selbsteinschätzung der Gesundheit
Symptome Herz-Kreislauf
Symptome Bewegungsapparat
Zufriedenheit mit Gesundheit
----------------------------------------
Schmerzen
Schmerzhäufigkeit
Schmerzintensität
Schmerzbeeinträchtigung
----------------------------------------
Funktionsfähigkeit im Alltag
Alltagsaktivitäten
Mobilität
Selbsteinschätzung der Behinderung
----------------------------------------
Funktionsfähigkeit im Beruf
Beanspruchung am Arbeitsplatz
Berufliche Sorgen
Arbeitszufriedenheit
----------------------------------------
Psychisches Befinden
Depressivität
Ängstlichkeit
Vitale Erschöpfung
Selbstwertgefühl
Symptome kognitive Leistungsfähigkeit
----------------------------------------
Soziale Integration
Soziale Unterstützung
Zufriedenheit mit familiärer Situation
Zufriedenheit mit Beziehungen zu Freunden/Bekannten
----------------------------------------
Gesundheitsverhalten
Info über Krankheit
Bewertung Informationsstand
Umsetzung des Wissens
----------------------------------------
Krankheitsbewältigung
Krankheitsakzeptanz
Lebensbewältigung
Belastung der Familie
----------------------------------------

Für die Eingangsdiagnostik und die Katamnese werden alle 27 Skalen erhoben und zu einem großen Summenscore zusammengefasst. Für die Diagnostik am Ende der Rehabilitation wird ein kleiner Summenscore gebildet, der sich aus lediglich 19 Skalen zusammensetzt (Frey et al., 2007, S. 49).
Die Items werden anhand von unterschiedlichen Antwortformaten beurteilt. Überwiegend liegt ein fünfstufiges Antwortformat vor. Einige Items werden darüber hinaus auf einer sechs- oder siebenstufigen Skala bewertet oder frei beantwortet. Zudem werden teilweise Ausschlussfragen gestellt, damit unzutreffende Fragebogenteile übersprungen werden können. Am Ende des Fragebogens kann der Teilnehmer Anmerkungen frei notieren.
Neben den drei Versionen des IRES-3 existiert mit dem IRES-24 auch eine Kurzversion. Sie umfasst 24 Items, die sich den Skalen "Psychisches Befinden", "Funktionsfähigkeit im Alltag", "Somatische Gesundheit" und "Schmerz" zuordnen lassen. Die Items werden hinsichtlich der letzten vier Wochen auf einer Antwortskala mit fünf bzw. sechs Antwortmöglichkeiten beurteilt (Frey et al., 2007, S. 12).
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung des IRES-3 und des IRES-24 erfolgt computergestützt. Die umfassenden Daten werden zu Skalen, Dimensionen und Summenscores komprimiert. Dazu werden in einem ersten Auswertungsschritt die Skalen gebildet, welche Werte von 0 (= starke Beeinträchtigung) bis 10 (= fehlende Beeinträchtigung) annehmen können. Die einzelnen Items werden umgepolt und umkodiert, sodass sie den Wert "0" enthalten. Anschließend wird unter Berücksichtigung der Minimalzahl gültiger Werte ein Mittelwert aus allen Items der entsprechenden Skala gebildet. Das Ergebnis wird durch den maximal möglichen Mittelwert geteilt und mit 10 multipliziert, um einer zehnstufigen Skala zu entsprechen (Frey et al., 2007, S. 49).
Zur Bildung der Dimensionswerte werden die jeweiligen Skalenmittelwerte addiert und durch die entsprechende Anzahl dividiert. Auch in diesem Fall muss die Mindestzahl gültiger Skalen berücksichtigt werden. Liegen weniger Skalenwerte als erforderlich vor, sollte eine Auswertung der entsprechenden Dimension nicht erfolgen. Die Berechnung der Summenscores erfolgt analog zu der Berechnung der Dimensionswerte. Es können ein großer Summenscore für den IRES 3.1 und den IRES 3.3 über 27 Skalen sowie ein kleiner Summenscore für alle drei Versionen über 19 Skalen berechnet werden. Darüber hinaus wurde ein Patientenprofil entwickelt, um Veränderungen zwischen den Messzeitpunkten abzubilden (Frey et al., 2007, S. 40-49, S. 65-67).
 

Auswertungshilfen

Die Auswertung erfolgt mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS. Die Syntax steht unter www.aqms.de zur Verfügung. Darüber hinaus kann der Anwender eine Internet-Eingabemaske kostenlos zur Auswertung nutzen (Frey et al., 2007, S. 39). Außerdem befinden sich im Manual Normwerte, Auswertungs- und Interpretationshinweise sowie Fallbeispiele getrennt für die Berechnung der Skalen- und Dimensionswerte sowie der Summenscores (S. 10 ff., S. 40-51, S. 60-62).
 

Auswertungszeit

Die Auswertung nimmt etwa 10 Minuten in Anspruch (Bührlen, Gerdes & Jäckel, 2005, S. 37).
 

Itembeispiele

Anmerkung: Aufgrund des umfangreichen Itempools und der unterschiedlichen Antwortformate wird nachfolgend ein Beispielitem aus den Ausführungen im Manual aufgeführt mit der Antwortskala (1) Stark - (2) Ziemlich - (3) Mäßig - (4) Ein wenig - (5) Gar nicht (Frey et al., 2007, S. 12).

"Bitte kreuzen Sie an, wie stark Sie in den letzten 4 Wochen unter Kurzatmigkeit oder Herzschmerzen gelitten haben:"
"Ich hatte Kurzatmigkeit oder Herzschmerzen..."
"...beim Treppensteigen in normalem Schritt ein Stockwerk hoch."
"...beim bergan Gehen oder beim schnellen Gehen auf ebener Strecke."
"...beim schnellen Treppensteigen über drei Stockwerke."
"...bei starker körperlicher Anstrengung über einen längeren Zeitraum."
 

Durchführung

 

Testformen

Der IRES-3 Fragebogen liegt in drei Versionen vor: Der IRES 3.1 zum Reha-Beginn, der IRES 3.2 zum Reha-Ende und der IRES 3.3 zur Katamnese (Frey et al., 2007, S. 9). Darüber hinaus existiert mit dem IRES-24 ein Screening zum Routinemonitoring der Ergebnisqualität (S. 52).
 

Altersbereiche

Das Verfahren wird bei erwachsenen Rehabilitanden aller Indikationsbereiche eingesetzt (Bührlen et al., 2005, S. 5).
 

Durchführungszeit

Für die Durchführung werden durchschnittlich 24 (IRES 3.2) bis 32 (IRES 3.1) Minuten benötigt (Frey et al., 2007, S. 39). Die individuelle Bearbeitungszeit wird von der Testperson auf dem Fragebogen vermerkt.
 

Material

Das Handbuch enthält alle wesentlichen Informationen zum Verfahren sowie Kopiervorlagen der Fragebögen. Das Testmanual und die Fragebögen sind auch online nach Anmeldung bei Psychometrikon erhältlich (Bührlen, Gerdes & Jäckel, 2013). Darüber hinaus existiert ein kostenloses IRES-Online-Programm nach vorheriger Anmeldung unter www.ires-online.de.

Materialien:
- IRES 3.1 (für die Messung zu Beginn der Rehabilitation)
- IRES 3.2 (Erhebung zum Ende der Rehabilitation)
- IRES 3.3 (Katamnese-Befragung)
- IRES 24 (Kurzversion)
- Patientenprofil
- Normtabellen.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind schriftlich auf dem Fragebogen abgedruckt. Der Testanwender sollte für Verständnisfragen zur Verfügung stehen.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für die Durchführung sollte sich der Testanwender mit den Inhalten des IRES-Fragebogens auskennen, um Nachfragen der Testperson beantworten zu können (Bührlen et al., 2005, S. 37).
 

Testkonstruktion

Der IRES-3 stellt eine Überarbeitung und Weiterentwicklung des IRES-2 (Gerdes & Jäckel, 1995) dar. Ziel war es, das Verfahren hinsichtlich der Zielparameter des Therapiezielkatalogs zu erweitern und die Faktorenstruktur an den veränderten theoretischen Hintergrund anzupassen. Darüber hinaus sollte eine Minimierung von Deckeneffekten und eine Erhöhung der Änderungssensitivität erreicht werden. Geeignete Therapieziele sowie Möglichkeiten zur Operationalisierung wurden mittels Expertenbefragungen in den sieben wichtigsten Indikationsbereichen der medizinischen Rehabilitation (Gastroenterologie, Kardiologie, Onkologie, Orthopädie, Pneumologie, Psychosomatik und Neurologie) ermittelt. Basierend auf den Expertenbefragungen wurde eine Vorversion des IRES-3 erstellt und im Rahmen einer Pilotstudie von Oktober 2000 bis Januar 2001 in den sieben Indikationsbereichen überprüft. Es nahmen - mit Ausnahme der Gastroenterologie - jeweils zwei Einrichtungen pro Indikationsgebiet teil. Die Fragebögen wurden zu Beginn und am Ende der Behandlung an die Rehabilitanden ausgegeben. Auf Grundlage der erhobenen Daten wurden einige Items umformuliert oder eliminiert. Das Antwortformat wurde von vier Stufen auf fünf Stufen erhöht. Zudem wurden für den IRES-3 drei Versionen für unterschiedliche Erhebungszeitpunkte konzipiert (Frey et al., 2007, S. 7 f.). Mittels einer explorativen Faktorenanalyse konnten 11 Faktoren identifiziert werden, von denen zwei nicht eindeutig interpretierbar waren. Eine konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigte die postulierte Skalenstruktur des IRES-3. Die Faktorladungen liegen mit Ausnahme von drei Items im Bereich von > .50 bis .97 (S. 46 f.).
Zur ökonomischen Erfassung des Reha-Status wurde eine Kurzform des IRES entwickelt. Basierend auf der Item-Response-Theorie wurden von den 144 Items des IRES 3.1 (N = 1 840) 24 Items ausgewählt, welche die vier wichtigsten Skalen des IRES-3 erfassen: (1) Psychisches Befinden, (2) Funktionsfähigkeit im Alltag, (3) Somatische Gesundheit und (4) Schmerz (Wirtz et al., 2005; Frey et al., 2007, S. 52 ff.).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführung kann aufgrund der Fragebogenform mit gebundener Beantwortung und der schriftlichen Instruktion als objektiv gelten. Die Objektivität der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse ist durch eindeutige Regeln und SPSS-Syntaxen sowie dem Vorliegen von Normwerten als gut einzuschätzen (Frey et al., 2007, S. 24).
 

Reliabilität

Die Schätzung der Reliabilität erfolgte anhand der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha). Hierfür wurde eine Stichprobe (Stichprobe 1) von insgesamt N = 453 Patienten (54.9% Frauen; M = 48.2 Jahre; SD = 13.8 Jahre) aus den Indikationsgebieten Psychosomatik (n = 94), Pneumologie (n = 78), Onkologie, (n = 77), Kardiologie (n = 58), Orthopädie (n = 55), Neurologie (n = 52) und Gastroenterologie (n = 35; Bührlen et al., 2005) herangezogen. Eine weitere Stichprobe (Stichprobe 2) umfasst N = 1 818 orthopädische Patienten im Alter von 45 bis 57 Jahren (37.9% Frauen) (Schochat, Pilz & Neuner, 2003; Frey et al., 2007, S. 23, S. 25-26). In der Stichprobe 1 liegt die interne Konsistenz der Skalen zwischen Alpha = .75 und Alpha = .94. Für die Dimensionen wurden Werte von Alpha = .66 bis Alpha = .88 ermittelt. In der Stichprobe 2 liegen die Werte der internen Konsistenz für die Skalen bei Alpha = .80 bis Alpha = .93. Der kleine und der große Summenscore weist eine interne Konsistenz von Alpha = .87 bzw. Alpha = .89 auf (Stichprobe 1; Frey et al., 2007, S. 25). Für den IRES-24 liegen Werte der internen Konsistenz von Alpha = .84 (Somatische Gesundheit) bis Alpha = .92 (Schmerzen, Funktionsfähigkeit im Alltag) vor (N = 828; Meffert & Gerdes, 2013).
Darüber hinaus wurde die Retestreliabilität mit einem Zeitintervall von einer Woche ermittelt (Stichprobe 1). Es wurden Werte von rtt = .58 bis rtt = .90 ermittelt. Zudem wurde der Concordance-correlation-Koeffizient (CCC; Schuck, 2002) als ein weiteres Maß der Retestreliabilität berechnet. Hierbei wurden Werte von CCC = .42 bis CCC = .97 ermittelt (Frey et al., 2007, S. 25).
Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
 

Validität

Es wird von einer hohen inhaltlichen Validität ausgegangen, da das Verfahren auf der Grundlage des Therapiezielkatalogs und Expertenurteilen entwickelt wurde (Frey et al., 2007, S. 32).
Zur Überprüfung der konvergenten Validität wurden Korrelationen zwischen den IRES-Skalen und den Skalen des Medical Outcomes Study Short Form-36 Health Survey (SF-36; Bullinger & Kirchberger, 1998) und der deutschen Version der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D; Herrmann, Buss & Snaith, 1995) berechnet. Der SF-36 erfasst die gesundheitsbezogene Lebensqualität mittels 36 Items. Mit der HADS-D werden anhand von 14 Items Angst und Depression als Begleitumstände von somatischen Erkrankungen erfasst. Es wurden signifikante Zusammenhänge der IRES-Skalen mit mindestens einem Außenkriterium ermittelt. Die höchsten Zusammenhänge bestehen zwischen den Schmerzskalen des IRES-3 und der Skala "Körperliche Schmerzen" des SF-36 (r = -.54 bis r = -.79) sowie den IRES-Skalen "Depressivität" und "Ängstlichkeit" mit den Skalen "Psychisches Wohlbefinden" des SF-36 (r = -.70 bzw. r = -.73) und "Ängstlichkeit" (r = .65) und "Depressivität" (r = .63) der HADS-D. Darüber hinaus wurden signifikante Zusammenhänge zwischen den IRES-Skalen "Soziale Unterstützung", "Zufriedenheit mit der familiären Situation" und "Zufriedenheit mit Beziehungen zu Freunden/Bekannten" und dem Gesamtwert des Fragebogens zur sozialen Unterstützung (F-SozU-K-22; Fydrich, Geyer, Hessel, Sommer & Brähler, 1999) in Höhe von r = .41 bis r = .52 gefunden (Frey et al., 2007, S. 32-33).
Der IRES-3 unterscheidet zudem signifikant zwischen Patienten mit muskuloskeletalen Erkrankungen (N = 1 818) und einer Normstichprobe. Hinsichtlich der Diskriminationsfähigkeit konnten Werte der Odds Ratio zwischen 1.14 (Lebensbewältigung) und 3.28 (Belastung der Familie) ermittelt werden. In einer Untersuchung von Bührlen und Kollegen (2005) konnte zudem eine Diskriminationsfähigkeit des IRES-3 zwischen Patienten unterschiedlicher Indikationsgebiete identifiziert werden. So zeigte sich beispielsweise hinsichtlich der IRES-Skalen "Schmerzhäufigkeit", "Symptome Bewegungsapparat" und "Alltagsaktivitäten" eine besonders hohe Belastung bei orthopädischen Patienten (Frey et al., 2007, S. 34 f.).
Die Änderungssensitivität des Verfahrens im Vergleich zum SF-36 wurde in einer Studie mit N = 718 Rehabilitanden der Indikationsgebiete Orthopädie/Rheumatologie und Kardiologie untersucht. Es zeigte sich hierbei eine fast durchweg höhere Änderungssensitivität des IRES-3 (GRI = .91-1.51; SRM = .66-1.10; SES = .58-.95) (Frey et al., 2007, S. 28-29).
 

Normierung

Für den IRES-3 liegen Normwerte in Form von T-Werten und Prozenträngen im Anhang des Handbuchs vor. Aufgrund von Alters- und Geschlechtseffekten wurden folgende Untergruppen für die Normstichprobe erstellt: Frauen unter 50 Jahre, Frauen 50 bis 65 Jahre, Frauen ab 65 Jahre, Männer unter 50 Jahre, Männer 50 bis 65 Jahre, Männer ab 65 Jahre (Frey et al., 2007, S. 64, S. 76 ff.).
Die bevölkerungsrepräsentative Normstichprobe umfasst N = 1 737 Personen und wurde von der I+G Gesundheitsforschung München von Juni bis September 2001 erhoben (Frey et al., 2007, S. 63).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der IRES-3 wird als Selbsteinschätzungsverfahren im klinischen Bereich, insbesondere bei Rehabilitanden in relevanten Reha-Bereichen. Er eignet sich zur Unterstützung der Eingangsdiagnostik und Therapiezieldefinition sowie zur Bewertung von Reha-Effekten im Rahmen von internen und externen Qualitätssicherungsprogrammen. Darüber hinaus findet das Verfahren Anwendung in der Forschung (Frey et al., 2007, S. 39).
 

Bewertung

Der IRES-3 ist ein weit verbreitetes und anerkanntes Verfahren im Bereich der Rehabilitation zur mehrdimensionalen Erfassung des Funktions- und Gesundheitszustandes von Rehabilitanden. Mit den drei Versionen des IRES-3 werden umfangreiche Informationen erhoben, welche den Einsatz für unterschiedliche Fragestellungen ermöglichen. Darüber hinaus ist positiv hervorzuheben, dass mit dem IRES-24 auch eine ökonomische Kurzversion für die Routinediagnostik existiert.
Der Fragebogen ist einfach zu handhaben und auch ohne weitere Erläuterungen durch den Anwender durchführbar. Aufgrund des großen Umfangs an Daten ist eine manuelle Auswertung nicht zu empfehlen. Dem Anwender stehen eine Interneteingabemaske sowie SPSS-Syntaxen für eine ökonomischere Auswertung zur Verfügung. Das Manual ist übersichtlich gestaltet und enthält Informationen zu allen wesentlichen Aspekten des Verfahrens. Ausführlichere Informationen zur Testentwicklung und den Untersuchungen der Testgütekriterien wären jedoch wünschenswert.
Die Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität können als uneingeschränkt gegeben angesehen werden. Die interne Konsistenz der Skalen und Dimensionen ist überwiegend als gut bis sehr gut zu bewerten. Mit wenigen Ausnahmen (Alpha > = .66) liegen die Werte bei über Alpha = .80. Für die Retestreliabilität liegen mäßige bis gute Werte vor (rtt = .58-.90). Die Inhaltvalidität des Verfahrens kann aufgrund der theoriegeleiteten Entwicklung als gegeben angesehen werden. Darüber hinaus weist der IRES-3 eine hohe Akzeptanz bei den Rehabilitanden auf. Die konvergente Validität ist als moderat bis gut zu bewerten Für die diskriminante Validität liegen sehr gute Werte vor. Darüber hinaus weist das Verfahren eine gute Änderungssensitivität auf. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass für den IRES-3 bisher unveröffentlichte Normwerte vorliegen. Da die Daten jedoch aus einer Untersuchung von 2001 stammen, sollte eine Erneuerung der Normwerte vorgenommen werden.
Insgesamt handelt es sich um ein nützliches Verfahren, welches Anwendung im klinischen Bereich, für Forschungszwecke und für interne und externe Qualitätssicherungsprogramme findet.
 

Literatur

  • Bührlen, B., Gerdes, N. & Jäckel, W. H. (2005). Entwicklung und psychometrische Testung eines Patientenfragebogens für die medizinische Rehabilitation (IRES-3). Die Rehabilitation, 44 (2), 63-74. (DOI: 10.1055/s-2004-834687)
  • Bührlen, B., Gerdes, N. & Jäckel, W. (2013). IRES-3. Indikatoren des Reha-Status, Version 3 mit IRES-24 (Kurzversion). Aachen: Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Uniklinik RWTH Aachen. (DOI: 10.6099/1000066)
  • Bullinger, M. & Kirchberger, I. (1998). SF-36. Fragebogen zum Gesundheitszustand. Göttingen: Hogrefe.
  • Frey, C., Bührlen, B., Gerdes, N. & Jäckel, W. H. (2007). Handbuch zum IRES-3. Indikatoren des Reha-Status, Version 3 mit IRES-24 (Kurzversion). Regensburg: Roderer.
  • Fydrich, T., Geyer, M., Hessel, A., Sommer, G. & Brähler, E. (1999). Fragebogen zur Sozialen Unterstützung (F-SozU): Normierung an einer repräsentativen Stichprobe. Diagnostica, 45, 212-216.
  • Gerdes, N. & Jäckel, W. H. (1995). Der IRES-Fragebogen für Klinik und Forschung. Rehabilitation, 34, XIII-XXIII.
  • Gerdes, N. & Weis, J. (2000). Zur Theorie der Rehabilitation. In J. Bengel & U. Koch (Hrsg.), Grundlagen der Rehabilitationswissenschaften: Themen, Strategien und Methoden der Rehabilitationsforschung (S. 41-68). Berlin: Springer.
  • Herrmann, C., Buss, U. & Snaith, R. P. (1995). Hospital Anxiety and Depression Scale - Deutsche Version (HADS-D). Ein Fragebogen zur Erfassung von Angst und Depressivität in der somatischen Medizin. Testdokumentation und Handanweisung. Bern: Huber.
  • Meffert, C. & Gerdes, N. (2013). Eignung des Kurzfragebogens IRES-24 zur Evaluation gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen. Das Beispiel Gewichtsreduktion. Diagnostica, 59 (3), 130-141.
  • Schochat, T., Pilz, C. & Neuner, R. (2003). Der IRES-Fragebogen Version 3 (IRES-3) bei 1818 Rehabilitanden mit muskuloskeletalen Erkrankungen. Die Rehabilitation, 42, 236-244.
  • Schuck, P. (2002). Alternativen zur Pearson Produkt-Moment-Korrelation als Maß für die Reproduzierbarkeit von Messungen [Abstract]. In Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (Hrsg.), Teilhabe durch Rehabilitation. 11. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium vom 4. bis 6. März 2002 in München (Tagungsband) (DRV-Schriften, Band 33, S. 64-66). Frankfurt a.M.: VDR.
  • Schuntermann, M. F. (1995). Hinweise auf Bewertungsinstrumente zur Qualitätssicherung in der Rehabilitation - Blatt 2: Der IRES-Fragebogen für Klinik und Forschung. Vorwort. Rehabilitation, 34, XIII.
  • Schuntermann, M. F. (1997). Hinweise auf Bewertungsinstrumente zur Qualitätssicherung in der Rehabilitation - Blatt 11: Qualitätssicherung durch Patientenbefragungen in der Rehabilitation: Wahrnehmungen und Bewertungen von Rehastrukturen und -prozessen ("Rehabilitandenzufriedenheit"). Vorwort. Rehabilitation, 36, XXXI.
  • Wirtz, M., Farin, E., Bengel, J., Jäckel, W. H., Hämmerer, D. & Gerdes, N. (2005). IRES-24 Patientenfragebogen. Entwicklung der Kurzform eines Assessmentinstrumentes in der Rehabilitation mittels der Mixed-Rasch-Analyse. Diagnostica, 51 (2), 75-87.
  • World Health Organization (WHO). (2006). International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). Online im Internet, URL: http://www3.who.int/icf/icftemplate.cfm (Stand: 26. September 2006).

 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Item Response Theory; Questionnaires; Computer Assisted Testing; Test Norms; Clinical Psychology; Rehabilitation; Evaluation; Activities of Daily Living

Klassische Testtheorie; Item-Response-Theorie; Fragebögen; Computerunterstütztes Testen; Testnormen; Klinische Psychologie; Rehabilitation; Evaluation; Alltagsfertigkeiten

 weitere Schlagworte:

1991 (Version 1); 1992 (Version 2); 2007 (Version 3 mit IRES-24); Open Access; Indikator des "Reha-Status"; Kurzform IRES-24; Patientenprofil; Verlaufsdokumentation; Qualitätssicherung; IRES-3-Dimensionen: 1 Somatische Gesundheit, 2 Schmerzen, 3 Funktionsfähigkeit im Alltag, 4 Funktionsfähigkeit im Beruf, 5 Psychisches Befinden, 6 Soziale Integration, 7 Gesundheitsverhalten, 8 Krankheitsbewältigung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2001; Stichprobe(n): 1737+453+1818
 Klassifikation:

Gesundheitspsychologische Tests; Klinische Psychodiagnostik; Physische und psychosomatische Störungen; Rehabilitation
Verfahren aus dem Bereich der Rehabilitation
11.27
 Anwendungstyp: Clinical Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: French
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 201712
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID