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Affective Neuroscience Personality Scales - deutsche Fassung

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005276
 

ANPS - Affective Neuroscience Personality Scales - deutsche Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 

Affective Neuroscience Personality Scales (ANPS; Panksepp, J., 2003) - German version/author

 Reuter, M., Panksepp, J., Davis, K. & Montag, C.
 (2017). ANPS. Affective Neuroscience Personality Scales - deutsche Version [Testbox mit Manual, 10 Fragebögen, 10 Auswertungsbögen, 10 Profilbögen und Schablonensatz]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 98,00 Euro (Test komplett; Stand: 02.02.2018)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: http://www.testzentrale.de/ ; Stand: 1.11.2018.
 Adresse(n): o Prof. Dr. Dipl.-Psych. Martin Reuter, Rheinische Friedrich-Universität Bonn, Institut für Psychologie, Kaiser-Karl-Ring 9, D-53111 Bonn ; E-Mail: martin.reuter@uni-bonn-diff.de ; URL: https://www.psychologie.uni-bonn.de/de/abteilungen/differentielle-biologische-psychologie/mitarbeiterinnen-und-mitarbeiter/prof.-dr.-dipl.-psych.-martin-reuter ; Stand: 02.02.2018
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die ANPS basieren strukturell auf der gleichnamigen Theorie von Panksepp (1998) und wurden ursprünglich von Davis et al. (2003) in englischer Sprache erarbeitet. Der Affective Neuroscience Theorie zufolge existieren sieben neuronale Schaltkreise, welche als Primäremotionen das menschliche Verhalten beeinflussen. Diese setzen sich aus den mit positiver Emotionalität assoziierten Systemen Seeking, Play und Care/Lust sowie aus den mit negativer Emotionalität assoziierten Systemen Rage (Anger), Fear und Sadness zusammen. Der Fragebogen erfasst sechs der sieben Schaltkreise und soll u. a. zur Erklärung interindividueller Unterschiede in Bezug auf emotionale Reaktionen und Verhaltenstendenzen eingesetzt werden können. Mit der vorliegenden deutschsprachigen Adaption (Reuter et al., 2017) wurde der englischsprachige Originalfragebogen nun ins Deutsche übertragen.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus insgesamt acht Skalen und 110 Items. Die Items sind vierstufig skaliert und reichen von 1 = "stimme absolut nicht zu" bis 4 = "stimme sehr zu". Die Skalen erfassen neben den sechs Panksepp'schen Primäremotionen auch Spiritualität und die Tendenz zu sozial erwünschten Antworten. Im Einzelnen sind dies folgende Skalen: (1) Seeking (14 Items), (2) Play (14 Items), (3) Care (14 Items), (4) Sadness (14 Items), (5) Anger (14 Items), (6) Fear (14 Items), (7) Spirituality (12 Items) und 8) Lie (5 Items).


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Bei der Skalenkonstruktion sollten mit Ausnahme von "Spirituality" und "Lie" alle Skalen 14 Items mit jeweils 7 positiven und 7 negativen Items enthalten. Zu Forschungszwecken wurden darüber hinaus neun Füllitems in den Fragebogen aufgenommen. Im Unterschied zur englischsprachigen Version wurde die Skalierung der Items in der deutschsprachigen Version umgedreht, die restliche Struktur des Verfahrens blieb hingegen unverändert. Die Ermittlung der Gütekriterien (Reliabilität, Validität, Normwerte) erfolgte an mehreren (Teil-)Stichproben (N = 3 184).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Ermittlung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha sowie Test-Retestreliabilitäten bestimmt. Die internen Konsistenzen lagen zwischen Alpha = .67 und Alpha = .87 für die gesunde Stichprobe sowie zwischen Alpha = .52 und Alpha = .75 für die klinische Stichprobe. Die Test-Retestreliabilität wurde für n = 129 gesunde Männer und Frauen bestimmt (Retestintervall: 6 Wochen). Die dabei erzielten Korrelationen wurden durchweg signifikant (p < .001) und lagen zwischen r = .82 (Anger und Fear) und r = .94 (Care). Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
Validität: Es wurden Untersuchungen zur Bestimmung der Konstrukt-, Kriteriums- und externen Validität durchgeführt. Die Konstruktvalidität wurde mittels Korrelationen zwischen den ANPS-Skalen und Alter/Geschlecht (Gesamtstichprobe, N = 3 177), Skaleninterkorrelationen sowie einer konfirmatorischen Faktorenanalyse (CFA) ermittelt. Die dabei erzielten Ergebnisse weisen auf eher geringe invers ausgeprägte Zusammenhänge mit dem Alter sowie robuste Geschlechtseffekte hin, wobei Frauen auf allen Skalen höhere Werte erzielten als Männer. Die insgesamt eher schwach bis moderat ausgeprägten Skaleninterkorrelationen unterstützen zusammen mit den Ergebnissen der CFA die von Davis et al. (2003) postulierte Faktorenstruktur. Zur Ermittlung der Kriteriumsvalidität wurden Korrelationen zwischen den ANPS und dem NEO-FFI berechnet (n = 1 837), welche auf erwartbare Zusammenhänge zwischen den beiden Verfahren hinweisen. Die Bestimmung der externen Validität erfolgte letztlich anhand molekularbiologischer und -genetischer Studien. Diese lassen Schlüsse auf genetische Dispositionen bei der individuellen Ausprägung bspw. von Anger, Sadness und Fear zu.
Normen: Im Anhang B des Testmanuals liegen Normwerte in Form von Staninewerten vor. Diese werden zum einen getrennt für die verschiedenen Testformen und die unter "Testkonstruktion" genannten (Teil-)Stichproben, zum anderen getrennt nach Geschlecht und Alter aufgeführt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Affective Neuroscience Personality Scales (ANPS) basieren strukturell auf der gleichnamigen Theorie von Panksepp (1998a) und wurden ursprünglich von Davis, Panksepp und Normansell (2003) in englischer Sprache erarbeitet. Der Affective Neuroscience Theorie zufolge existieren sieben neuronale Schaltkreise, welche als Primäremotionen das menschliche Verhalten beeinflussen. Diese setzen sich aus den mit positiver Emotionalität assoziierten Systemen Seeking, Play und Care/Lust sowie aus den mit negativer Emotionalität assoziierten Systemen Rage (Anger), Fear und Sadness zusammen. Im Unterschied zu lexikalisch konstruierten Verfahren (z. B. Neo-Fünf-Faktoren-Inventar, NEO-FFI; McCrae & Costa, 1992) sollen durch die (neuro-) biologische Fundierung der ANPS interindividuelle Unterschiede in Bezug auf emotionale Reaktionen und Verhaltenstendenzen nicht nur beschrieben, sondern auch erklärt werden können. Mit der vorliegenden deutschsprachigen Adaption (Reuter, Panksepp, Davis & Montag, 2017) wurde der englischsprachige Originalfragebogen nun ins Deutsche übertragen.
Im Folgenden werden die von Panksepp (1998a) herausgearbeiteten neuronalen Schaltkreise kurz erläutert (Reuter et al., 2017, S. 7 ff.):
(1) Seeking: Während eine erhöhte Aktivität in diesem System Explorationsverhalten, Neugierde und Annäherungsverhalten auslöst, ist eine reduzierte Aktivität mit Depressionen verbunden. So können bspw. Tiefenhirnstimulationen im Seeking-System zu Besserungen bei therapieresistenten Depressionen führen (z. B. Coenen, Schlaepfer, Maedler & Panksepp, 2011; Schlaepfer, Bewernick, Kayser, Hurlemann & Coenen, 2014). Der zentrale Botenstoff ist Dopamin.
(2) Play: Spielen erfüllt wichtige Funktionen für die Hirnreifung sowie für emotionales Wohlbefinden im Kindes- und Erwachsenenalter. Es fördert motorische, kognitive und emotionale Fähigkeiten ebenso wie soziale Kompetenzen. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einem unterstimulierten Play-System und ADHS (Panksepp, 1998b; Panksepp, 2007) sowie Autismus bei Kindern (Panksepp, 1998b) werden diskutiert. Die zentralen Botenstoffe sind Opioide.
(3) Care/Lust: Diese beiden Systeme hängen unmittelbar miteinander zusammen. Da bei der Beantwortung von Fragen zur Sexualität mit stark sozial erwünschten Antworten zu rechnen ist, wurde das Lust-System nicht in den Fragebogen aufgenommen. Das Care-System wiederum beschreibt fürsorgliches Verhalten gegenüber anderen, nicht nur in Bezug auf den Nachwuchs. Der zentrale Botenstoff ist Oxytocin.
(4) Sadness (Separation Distress/Panic): Aktivität in diesem System kann bspw. durch das Fehlen einer Bezugsperson, etwa der Eltern oder des Partners, oder das Hören trauriger Musik ausgelöst werden (Panksepp & Bernatzky, 2002). Darüber hinaus ist bei depressiven Menschen eine hohe Aktivität im Sadness-System bei gleichzeitig niedriger Aktivität im Seeking-System zu beobachten (z. B. Montag et al., 2016). Der zentrale Botenstoff ist Glutamat.
(5) Rage (Anger): Dieses System ist eng mit aggressivem Verhalten verbunden. Dementsprechend wird es vorrangig bei Frustration und begleitendem Ärger aktiviert (siehe Aggressions-Frustrations-Hypothese; Berkowitz, 1989). Das Rage-System steht in enger Verbindung mit dem Seeking-System. Diese beiden Systeme sind sich neurophysiologisch und -anatomisch sehr ähnlich und hemmen sich gegenseitig. Der zentrale Botenstoff in diesem System ist bisher noch unklar, jedoch wird diskutiert, ob möglicherweise ein geringer Serotoninspiegel mit aggressivem Verhalten in Zusammenhang steht (Siever, 2008).
(6) Fear: Aktivitäten in diesem System beschreiben sowohl Angst als auch Furcht. Dabei ist Angst als Orientierungsreaktion eng mit dem Behavioral Inhibition System (BIS) bzw. dem Angstbegriff nach Gray und McNaughton (2000) verbunden, Furcht hingegen mit den sog. Fight-Flight-Freezing System (FFFS), welches mögliche Reaktionen (Kämpfen, Fliehen oder Erstarren) bei der Konfrontation mit einer unmittelbaren Gefahr beschreibt.
 

Testaufbau

Das Verfahren besteht aus insgesamt acht Skalen und 110 Items. Die Items sind vierstufig skaliert und reichen von 1 = "stimme absolut nicht zu", über 2 = "stimme nicht zu" und 3 = "stimme zu" bis zu 4 = "stimme sehr zu". Die Skalen erfassen neben den sechs Panksepp'schen Primäremotionen auch Spiritualität und die Tendenz zu sozial erwünschten Antworten. Neun der 110 Items sind keiner der genannten Skalen zuzuordnen. Sie wurden von den Autoren der Originalversion zu Forschungszwecken explorativ aufgenommen. Im Folgenden sind die einzelnen Skalen, deren Inhalt und die jeweilige Itemanzahl aufgeführt (Reuter et al., 2017, S. 17):
(1) Seeking (14 Items): Neugierde, Freude an der Suche von Problemlösungen, Freude an neuen Erfahrungen.
(2) Play (14 Items): Freude an physischem Kontakt und am Spiel, Humor, Spaß.
(3) Care (14 Items): Fürsorglichkeit, Freude an Kindern und Tieren.
(4) Sadness (14 Items): Trennungsschmerz, Gefühl von Einsamkeit, Nachdenken über geliebte Menschen und vergangene Beziehungen.
(5) Anger (14 Items): Hitzköpfigkeit, Frustrationstoleranz, physische und verbale Aggression.
(6) Fear (14 Items): Ängstlichkeit, Zukunftsängste, Fähigkeit zur Entscheidungsfindung.
(7) Spirituality (12 Items): Frieden, Harmonie, Sinn des Lebens.
(8) Lie (5 Items): Soziale Erwünschtheit.
 

Auswertungsmodus

Zur Auswertung werden die Rohwerte der einzelnen Skalen mithilfe der Auswertungsschablone ermittelt und an entsprechender Stelle im Auswertungsbogen eingetragen. Dort werden die Rohwerte aufsummiert, anhand der im Anhang B des Manuals (Reuter et al., 2017, S. 39 ff.) vorliegenden testform-, geschlechts- und altersspezifischen Normwerttabellen in Staninewerte transformiert und ebenfalls im Auswertungsbogen eingetragen. Die Normwerte der Skalen können anschließend im Profilbogen eingetragen werden. Dort ist der Durchschnittsbereich weiß hinterlegt, sodass die Normwerte auf diese Weise grafisch anschaulich präsentiert werden.
 

Auswertungshilfen

Zur vereinfachten Auswertung liegt ein Schablonensatz vor. Dieser hilft zum einen bei der Zuordnung der Items zu den entsprechenden Skalen und zum anderen bei der korrekten Bewertung der invers zu kodierenden Items.
 

Auswertungszeit

Zur Auswertungszeit werden keine Angaben gemacht. Diese dürfte aufgrund des einfachen Auswertungsverfahrens und bei Nutzung der Auswertungsschablonen jedoch nicht länger als 10 Minuten betragen.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Im Folgenden wird für jede Skala jeweils das erste Item des Fragebogens aufgeführt:
(1) Seeking: "Fast jedes kleine Problem oder rätselhafte Ereignis weckt mein Interesse."
(2) Play: "Ich bin jemand, der sich leicht amüsiert und viel lacht."
(3) Care: "Ich habe oft das Bedürfnis, mich um andere zu kümmern."
(4) Sadness: "Ich bin oft traurig."
(5) Anger: "Wenn ich frustriert bin, werde ich gewöhnlich ärgerlich."
(6) Fear: "Menschen, die mich gut kennen, würden sagen, dass ich ängstlich bin."
(7) Spirituality: "Das Gefühl, eine Einheit mit der gesamten Schöpfung zu sein, hilft mir, meinem Leben mehr Sinn zu geben."
(8) Lie: "Gelegentlich tratsche ich über andere."
 

Durchführung

 

Testformen

Neben der englischsprachigen Originalversion liegen die ANPS in deutscher, spanischer, französischer, norwegischer, italienischer und türkischer Sprache vor (Reuter et al., 2017, S. 5). Die deutschsprachige Version liegt sowohl als Paper-Pencil- als auch als Online-Version vor.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Jugendlichen ab 13 Jahren sowie bei Erwachsenen eingesetzt werden. Für diesen Altersbereich liegen entsprechende Normwerte vor.
 

Durchführungszeit

Zur Bearbeitung des kompletten Fragebogens sind zwischen 10 und 15 Minuten zu veranschlagen (z. B. Montag & Reuter, 2008). Bei Menschen mit psychischen Störungen kann die Bearbeitungszeit jedoch durchaus auch mehr Zeit in Anspruch nehmen (Reuter et al., 2017, S. 17).
 

Material

Das Material ist vollständig in einer Testbox enthalten. Zur Durchführung wird darüber hinaus lediglich ein Stift benötigt.

Materialliste Testbox (Stand: 02.06.2017):
- Manual
- 10 Fragebögen
- 10 Auswertungsbögen
- 10 Profilbögen
- Schablonensatz.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und auf dem Fragebogen abgedruckt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Für eine ungestörte Bearbeitung des Fragebogens sollte ein ruhiger Raum zur Verfügung stehen. Da der Befragte den Fragebogen eigenständig ausfüllen muss, sollte dieser über gute Deutschkenntnisse verfügen. Ist dies nicht der Fall, kann ggf. eine anderssprachige Version des Verfahrens (siehe unter "Testformen") genutzt werden.
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Die deutschsprachige Adaption der ANPS basiert auf der englischsprachigen Originalversion von Davis et al. (2003), welche mit der Intention konstruiert wurde, einen möglichst einfachen Zugang zu den Gefühlen der Befragten zu erhalten. Neben den Gefühlen sollte dabei auch das von den Befragten subjektiv erlebte Verhalten Gegenstand des Fragebogens sein. Bei der Itemgenerierung wurde sowohl auf die Vermeidung von Wiederholungen als auch auf die Balance zwischen positiv und negativ formulierten Items geachtet. Dabei sollten mit Ausnahme der Skalen "Spirituality" und "Lie" alle Skalen 14 Items mit jeweils 7 positiven und 7 negativen Items enthalten. "Spirituality" und "Lie" bilden insofern eine Ausnahme, als sie keine der Panksepp'schen Primäremotionen erfassen. Während die Lügenskala zur Abbildung sozialer Erwünschtheit dienen soll, wird Spiritualität als förderlicher Faktor im Kontext der Therapierbarkeit verschiedener Störungen diskutiert (z. B. Miller, 1999; Reuter et al., 2017, S. 16). Zu Forschungszwecken wurden darüber hinaus neun Füllitems in den Fragebogen aufgenommen, die keiner der unter "Testaufbau" genannten Skalen zuzuordnen sind.
Im Unterschied zur englischsprachigen Version wurde die Skalierung der Items in der deutschsprachigen Version umgedreht. Sie reicht nun von 1 = "stimme absolut nicht zu" bis 4 = "stimme sehr zu" anstatt von 1 = "stimme sehr zu" bis 4 = "stimme absolut nicht zu". Die restliche Struktur des Verfahrens wurde beibehalten. Die Übersetzung erfolgte durch zwei bilinguale Psychologen, die den Originalfragebogen zunächst ins Deutsche übersetzten und anschließend wieder ins Englische rückübersetzten.
Die Ermittlung der Gütekriterien (Reliabilität, Validität, Normwerte) erfolgte an mehreren (Teil-)Stichproben. Die Gesamtstichprobe umfasste N = 3 184 gesunde Männer und Frauen, die sowohl die Paper-Pencil- als auch die Online-Version der ANPS bearbeiteten. Die Teilstichproben für die einzelnen Testformen setzen sich aus n = 2 037 Personen (Paper-Pencil-Version) und n = 1 147 Personen (Online-Version) zusammen. Darüber hinaus wurden in einer klinischen Stichprobe n = 499 Alkoholiker nach der Entgiftung in einer stationären Suchtrehaklinik befragt.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der standardisierten Instruktionen und einfachen Auswertung liegen sowohl Durchführungs- als auch Auswertungsobjektivität vor. Die ausführlichen Erläuterungen zur theoretischen Fundierung der einzelnen Skalen sorgen zusammen mit den vorliegenden Normwerten darüber hinaus für Interpretationsobjektivität.
 

Reliabilität

Zur Ermittlung der Reliabilität wurden interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha sowie Test-Retestreliabilitäten bestimmt. Dabei wurden die internen Konsistenzen sowohl für die Paper-Pencil- als auch für die Online-Version des Verfahrens sowie für verschiedene Teilstichproben ermittelt. Die Kennwerte lagen für die Gesamtstichprobe (N = 3 184) zwischen Alpha = .67 (Lie) und Alpha = .86 (Fear und Spirituality), für die Paper-Pencil-Stichprobe (n = 2 037) zwischen Alpha = .67 (Lie) und .87 (Fear), für die Online-Stichprobe (n = 1 147) zwischen Alpha = .67 (Lie) und Alpha = .85 (Fear und Spirituality) sowie für die klinische Stichprobe (n = 499) zwischen Alpha = .52 (Lie) und Alpha = .75 (Anger). Die Test-Retestreliabilität wurde für n = 129 gesunde Männer und Frauen bestimmt, die den Fragebogen in einem Abstand von sechs Wochen zweimal ausfüllten. Die dabei erzielten Korrelationen wurden durchweg signifikant (p < .001) und lagen zwischen rtt = .82 (Anger und Fear) und rtt = .94 (Care). Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
 

Validität

Konstruktvalidität: Die Konstruktvalidität der ANPS wurde mittels Korrelationen zwischen den ANPS-Skalen und Alter/Geschlecht (Gesamtstichprobe, N = 3 177), Skaleninterkorrelationen sowie einer konfirmatorischen Faktorenanalyse (CFA) ermittelt. Dabei zeigten sich eher schwache und invers ausgeprägte Zusammenhänge mit dem Alter insofern, dass ein höheres Alter mit geringeren Testwerten einherging, wobei Alter und Play am höchsten miteinander korrelierten (r = -.29). Die Zusammenhänge mit dem Geschlecht fielen relativ robust aus, wobei Frauen höhere Werte bei Care, Fear, Anger, Sadness und Play (nur bei der Paper-Pencil-Version) erzielten (Reuter et al., 2017, S. 23). Bei insgesamt eher schwachen bis moderaten Skaleninterkorrelationen fiel der Zusammenhang zwischen Fear und Sadness (r = .69) sowie Play und Seeking (r = .40 bis r = .46) am höchsten aus. Die CFA resultierte in einem Modell mit akzeptablem Modellfit (RMSE = .079), welches die von Davis et al. (2003) postulierte Faktorenstruktur der ANPS bestätigen konnte. Lediglich ein Item (Item 25) erzielte eine Nullladung.
Kriteriumsvalidität: Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität bearbeiteten n = 1 837 Personen (n = 695 Männer, n = 1 142 Frauen) sowohl die ANPS als auch das NEO-FFI (McCrae & Costa, 1992). Die resultierenden Korrelationen weisen auf robuste Zusammenhänge zwischen den beiden Verfahren hin (Davis et al., 2003). Dabei stechen insbesondere der Zusammenhang zwischen Fear bzw. Sadness und Neurotizismus (r = .75 bzw. r = .69) sowie zwischen Play und Extraversion (r = .61) hervor.
Externe Validität: Die externe Validität der ANPS bezieht sich vorrangig auf molekularbiologische und -genetische Studien. Hierbei zeigten sich u. a. genetische Dispositionen bei der individuellen Ausprägung von Anger (Reuter, Weber, Fiebach, Elger & Montag, 2009), Sadness (Felten, Montag, Markett, Walter & Reuter, 2011; Montag, Fiebach, Kirsch & Reuter, 2011) und Fear (Montag et al., 2011). Weiterhin korrelierten hohe Seeking-Werte mit sozialer Dominanz (van der Westhuizen & Solms, 2015) sowie mit verschiedenen Domänen der Kreativität (Reuter et al., 2005).
 

Normierung

Im Anhang B des Testmanuals (Reuter et al., 2017, S. 39 ff.) liegen Normwerte in Form von Staninewerten vor. Diese werden zum einen getrennt für die verschiedenen Testformen und die unter "Testkonstruktion" genannten (Teil-)Stichproben, zum anderen getrennt nach Geschlecht und Alter aufgeführt. Dabei werden folgende Kategorien berücksichtigt:
- Testformen: Paper-Pencil- und Online-Version;
- Stichproben: Gesamtstichprobe (N = 3 184), Paper-Pencil-Stichprobe (n = 2 037), Online-Stichprobe (n = 1 147) und klinische Stichprobe (n = 499);
- Geschlecht: Männer und Frauen;
- Alter: 13-19 Jahre, 20-29 Jahre, 30-49 Jahre, 50-59 Jahre und 60+ Jahre.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die ANPS können in verschiedenen Anwendungssettings - vorrangig aber in der Forschung und klinischen Praxis - eingesetzt werden. Für die Arbeit mit Suchtpatienten liegen im Anhang B des Manuals Normwerte einer Alkoholikerstichprobe vor. Darüber hinaus eignen sich die Skalen auch für die klassische Persönlichkeitsdiagnostik, vor allem dann, wenn Interesse an interindividuellen Unterschieden hinsichtlich spezifischer Verhaltenstendenzen oder emotionaler Reaktionen besteht.
 

Bewertung

Mit der vorliegenden Adaption der Affective Neuroscience Personality Scales (ANPS) liegt das von Davis et al. (2003) in englischer Sprache entwickelte Verfahren nun auch in deutscher Sprache vor. Anders als bei vielen gängigen Persönlichkeitsverfahren erlaubt es die umfangreiche neurobiologische Fundierung der ANPS, interindividuelle Unterschiede in Bezug auf Verhaltenstendenzen und emotionale Reaktionen nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu erklären. Damit stellt das Verfahren eine echte Bereicherung mit sehr hohem Anwendungsbezug dar. Hierzu tragen neben der umfangreichen theoretischen Fundierung nicht zuletzt die durchweg als gut bis sehr gut zu bewertenden Gütekriterien bei.
Die sehr hohe Objektivität erreicht das Verfahren aufgrund der standardisierten Instruktionen, der einfachen Auswertung, den vorliegenden Normen und Interpretationshilfen. Mit Kennwerten zwischen Cronbachs Alpha = .70 und Alpha = .86 fallen die internen Konsistenzen gut aus. Lediglich die Kennwerte der im Vergleich zu den anderen Skalen deutlich kürzeren Lügenskala sowie die Kennwerte der klinischen Stichprobe fallen geringer aus. Hinzu kommen sehr gute Retestreliabilitäten sowie erwartungskonforme Ergebnisse zur Validität des Verfahrens. Dabei findet sich u. a. die Nähe zum NEO-FFI in unterschiedlichen Studien (Abella, Panksepp, Manga, Barcena & Iglesias, 2011; Davis et al., 2003). Beide Verfahren scheinen, trotz einiger bedeutsamer Zusammenhänge, mehrere Facetten dennoch eigenständig zu messen (Reuter et al., 2017, S. 21). Schade ist lediglich, dass trotz der Interpretation der Testergebnisse mittels Profil, keine Analysen zur Profilreliabilität durchgeführt wurden.
Die Normierungsstichprobe ist mit N = 3 184 sowohl in ihrer Gesamtheit als auch in den einzelnen Teilstichproben hinreichend groß. Die daraus abgeleiteten Normwerte werden getrennt nach Testform, Teilstichprobe und Geschlecht aufgeführt und sind damit gut für den Einsatz in Forschung und Praxis geeignet. An dieser Stelle wären einige weitere Informationen (z. B. zu Rekrutierung, Herkunft, Bildungsstand etc.) jedoch durchaus hilfreich gewesen. Auf diese Weise wird z. B. nicht klar, weshalb bei einer so großen Stichprobengröße kein Wert auf Repräsentativität gelegt wurde (Reuter et al., 2017, S. 24).
 

Literatur

  • Abella, V., Panksepp, J., Manga, D., Barcena, C. & Iglesias, J. A. (2011). Spanish validation of the Affective Neuroscience Personality Scales. The Spanish Journal of Psychology, 14 (2), 926-935.
  • Berkowitz, L. (1989). Frustration-aggression hypothesis: examination and reformulation. Psychological Bulletin, 106 (1), 59.
  • Coenen, V. A., Schlaepfer, T. E., Maedler, B. & Panksepp, J. (2011). Cross-species affective functions of the medial forebrain bundle - Implications for the treatment of affective pain and depression in humans. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 35 (9), 1971-1981.
  • Davis, K. L., Panksepp, J. & Normansell, L. (2003). The Affective Neuroscience Personality Scales: Normative data and implications. Neuropsychoanalysis: An Interdisciplinary Journal for Psychoanalysis and the Neurosciences, 5 (1), 57-69.
  • Felten, A., Montag, C., Markett, S., Walter, N. T. & Reuter, M. (2011). Genetically determined dopamine availability predicts disposition for depression. Brain and behavior, 1 (2), 109-118.
  • Gray, J. A. & McNaughton, N. (2000). Fundamentals of the septo-hippocampal system. The neuropsychology of anxiety: An enquiry into the functions of septo-hippocampal system. Oxford: Oxford University Press.
  • McCrae, R. R. & Costa, P. T. (1992). The NEO Personality Inventory (NEO-PI-R) and the NEO Five-Factor Inventory (NEO-FFI). Professional Manual. Odessa: Psychological Assessment Resources.
  • Miller, W. R. (1999). Integrating spirituality into treatment: Resources for practitioners. Washington, DC: American Psychological Association.
  • Montag, C., Fiebach, C. J., Kirsch, P. & Reuter, M. (2011). Interaction of 5-HTTLPR and a variation on the oxytocin receptor gene influences negative emotionality. Biological Psychiatry, 69 (6), 601-603.
  • Montag, C., Hahn, E., Reuter, M., Spinath, F. M., Davis, K. & Panksepp, J. (2016). The role of nature and nurture for individual differences in primary emotional systems: evidence from a twin study. PloS one, 11 (6): e0157200. (DOI: 10.1371/journal.pone.0151405)
  • Montag, C. & Reuter, M. (2008). Does speed in completing an online questionnaire have an influence on its reliability? CyberPsychology & Behavior, 11 (6), 719-721.
  • Panksepp, J. (1998a). Affectice neuroscience: The foundation of human and animal emotions. Oxford: Oxford University Press.
  • Panksepp, J. (1998b). The quest for long-term health and happiness: To play or not to play, that is the question. Psychological Inquiry, 9 (1), 56-66.
  • Panksepp, J. (2007). Can PLAY diminish ADHD and facilitate the construction of the social brain? Journal of the Canadian Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 16 (2), 57.
  • Panksepp, J. & Bernatzky, G. (2002). Emotional sounds and the brain. The neuro-affective foundations of musical appreciation. Behavioural Processes, 60 (2), 133-155.
  • Reuter, M., Panksepp, J., Davis, K. & Montag, C. (2017). ANPS. Affective Neuroscience Personality Scales. Deutsche Version. Göttingen: Hogrefe.
  • Reuter, M., Panksepp, J., Schnabel, N., Kellerhoff, N., Kempel, P. & Hennig, J. (2005). Personality and biological markers of creativity. European Journal of Personality, 19 (2), 83-95.
  • Reuter, M., Weber, B., Fiebach, C. J., Elger, C. & Montag, C. (2009). The biological basis of anger: associations with the gene coding for DARPP-32 (PPP1R1B) and with amygdala volume. Behavioural Brain Research, 202 (2), 179-183.
  • Schlaepfer, T. E., Bewernick, B. H., Kayser, S., Hurlemann, R. & Coenen, V. A. (2014). Deep brain stimulation of the human reward system for major depression - rationale, outcomes and outlook. Neuropsychopharmacology, 39 (6), 1303-1314.
  • Siever, L. J. (2008). Neurobiology of aggression and violence. American Journal of Psychiatry, 165, 429-442.
  • van der Westhuizen, D. & Solms, M. (2015). Social dominance and the Affectice Neuroscience Personality Scales. Consciousness and Cognition, 33, 90-111.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Abella, V., Panksepp, J., Manga, D., Bárcena, C. & Iglesias, J. A. (2011). Spanish validation of the Affective Neuroscience Personality Scale. The Spanish Journal of Psychology, 14 (2), 926-935.
  • Davis, K. L., Panksepp, J. & Normansell, L. (2003). The Affective Neuroscience Personality Scales: Normative data and implications. Neuro-Psychoanalysis, 5 (1), 57-69.
  • Pahlavan, F., Mouchiroud, C., Zenasni, F. & Panksepp, J. (2007). Validation de l'adaption français de l'Echelle Neuro-Affective de Personnalité. Revue Européenne de Psychologie Appliquée, 58 (3), 155-163.
  • Pascazio, L., Bembich, S., Nardone, I. B., Guarino, G. & Clarici, A. (2015). Validation of the Italian translation of the Affective Neuroscience Personality Scales. Psychological Reports, 116 (1), 97-115.
 
 Jennifer Schroth (17.09.2017)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Personality Measures; Neurosciences; Neuropsychology; Clinical Psychology; Personality Traits

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Persönlichkeitstests; Neuro-Wissenschaften; Neuropsychologie; Klinische Psychologie; Persönlichkeitsmerkmale

 weitere Schlagworte:

2003 (Originalfassung); 2017 (deutsche Version); Affective Neuroscience Theory (Jaak Panksepp); Neuronale Schaltkreise; Primäremotionen; 110 Items; ab 13 Jahre; Skalen: 1 Seeking, 2 Play, 3 Care, 4 Sadness, 5 Rage, 6 Fear, 7 Spirituality, 8 Lie; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben; Stichprobe(n): 3184
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Neuropsychologische Diagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse
Mehrdimensionale Persönlichkeitstests; Mehrdimensionale klinische Persönlichkeitstests
9.1; 11.1
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Finnish, French, Italian, Japanese, Norwegian, Spanish, Swedish, Turkish
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2017
 Änderungsdatum: 201802
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2018 ZPID